Gefechte in Libyen Alliierten-Jets greifen in Schlacht um Ras Lanuf ein

Rebellen und Regierungstruppen liefern sich heftige Gefechte um die strategisch wichtigen Ölstädte Libyens. Die Lage in Ras Lanuf ist unübersichtlich, ob die Gaddafi-Getreuen den Hafen bereits eingenommen haben, ist unklar. Kampfjets der Alliierten kamen den Aufständischen zur Hilfe.

Rebellen zwischen Brega und Ras Lanuf: Umkämpfte Schlüsselstädte
DPA

Rebellen zwischen Brega und Ras Lanuf: Umkämpfte Schlüsselstädte


Tripolis - Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi sind am Mittwoch weiter auf Positionen der Aufständischen im Ölhafen Ras Lanuf vorgerückt. Die Regierungstruppen beschossen Aufständische nach deren Angaben entlang der Küstenstraße nach Tripolis mit Raketen und stoppten damit ihren Vormarsch. Zwischenzeitlich hieß es, die Gaddafi-Mannen hätten die Stadt zurückerobert, die Rebellen seien nach starkem Beschuss auf der Flucht. Mehrere Augenzeugen berichten aber nach wie vor von heftigen Kämpfen in Ras Lanuf.

Militärflugzeuge, die offenbar zur Nato gehörten, überflogen das Kampfgebiet. Ein Reuters-Korrespondent berichtete von Explosionen, die auf neue Luftangriffe hindeuten. Ein Augenzeuge wird mit den Worten zitiert: "Französische Flugzeuge sind gekommen und haben Gaddafis Truppen bombardiert."

Bisher greifen die Alliierten nur mit Luftangriffen direkt in den Konflikt ein. Derzeit zeichnet sich ein Konflikt darüber ab, ob die Rebellen bewaffnet werden sollen. Bei einer Konferenz über die Zukunft Libyens hatten sich am Dienstag Außenminister und weitere Politiker aus rund 40 Staaten in London auf die Bildung einer internationalen Kontaktgruppe geeinigt. Das Gremium soll das internationale Handeln in dem nordafrikanischen Land koordinieren.

Debatte um mögliche Waffenlieferungen an Rebellen geht weiter

Die Frage der Bewaffnung der Rebellen sei auf der Konferenz nicht aufgeworfen worden, sagte der britische Außenminister William Hague. Die Diskussion wurde durch zahlreiche Interviews jedoch befeuert. Die Außenminister Spaniens und Italiens, Trinidad Jimenez und Franco Frattini, sagten, das Uno-Waffenembargo gelte für ganz Libyen. Waffenlieferungen an die Rebellen seien mithin ausgeschlossen.

US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Alain Juppé hingegen brachten nach der Konferenz mögliche Waffenlieferungen an die libyschen Rebellen ins Gespräch . "Nach unserer Interpretation hat die jüngste Uno-Resolution das totale Waffenembargo für Libyen aufgehoben. Es könnte legale Waffenlieferungen geben, wenn sich ein Staat dafür entscheiden sollte", sagte Clinton.

Auch der britische Premier David Cameron sagte am Mittwoch im Unterhaus, die Resolution 1973 erlaube es unter bestimmten Umständen, das Waffenembargo außer Kraft zu setzen. Großbritannien plane derzeit keine Waffenlieferungen an die Rebellen, schließe dies aber auch nicht aus.

Der Sprecher des libyschen Übergangsrats, Mahmud Schammam, sagte Journalisten in London, mit der richtigen Ausrüstung könnten die Aufständischen Gaddafi in wenigen Tagen besiegen. "Wir bitten eher um politische Unterstützung als um Waffen", sagte Schammam. "Wenn wir aber beides bekämen, wäre das großartig."

Nach Ansicht von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen ist eine Bewaffnung der Aufständischen aber nicht von der Uno-Resolution 1973 gedeckt. Die Nato übernimmt an diesem Mittwoch offiziell das Kommando über den gesamten internationalen Militäreinsatz in Libyen. Im Wasser, in der Luft, aber nicht zu Lande will die internationale Gemeinschaft gegen Libyens Diktator Gaddafi vorgehen, so wie es die Uno-Resolution erlaubt. Für die Zeit nach Gaddafi wurden auf der Libyen-Konferenz in London die Weichen gestellt. Demnach könnte bald internationale Finanzhilfe an die Übergangsregierung in Libyen fließen.

ffr/dpa/dapd/AP/Reuters

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Seite 1
pragmat 30.03.2011
1. Französiche Kampfflugzeuge
Zitat von sysopRebellen und Regierungstruppen liefern sich heftige Gefechte um die strategisch wichtigen Ölstädten Libyens. Die Lage in Ras Lanuf ist unübersichtlich, ob die Gaddafi-Getreuen den Hafen bereits eingenommen haben, ist unklar. Kampfjets der Alliierten kamen den Aufständischen zur Hilfe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754039,00.html
Es ist langsam an der Zeit zu unterscheiden, welche Kampfflugzeuge auf der Seite der Rebellen unterstützende Einsätze fliegen. Es sind jetzt hauptsächlich französiche Kampfjets. Nicht nur die Rebellen fragen sich "Wo bleiben die Amerikaner?" Etwas zum Nachdenken!
Fangio 30.03.2011
2. SPON: "Debatte um mögliche Waffenlieferungen an Rebellen geht weiter"
Zitat von sysopRebellen und Regierungstruppen liefern sich heftige Gefechte um die strategisch wichtigen Ölstädten Libyens. Die Lage in Ras Lanuf ist unübersichtlich, ob die Gaddafi-Getreuen den Hafen bereits eingenommen haben, ist unklar. Kampfjets der Alliierten kamen den Aufständischen zur Hilfe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754039,00.html
Darauf haben Krauss-Maffei & Co sicher schon gewartet – eine prima Gelegenheit, volle Lager auszumisten und alte Panzer-Ladenhüter zu verramschen. Aber haben die Rebellen denn auch Cash?
idealist100 30.03.2011
3. Waffen für die
Zitat von sysopRebellen und Regierungstruppen liefern sich heftige Gefechte um die strategisch wichtigen Ölstädten Libyens. Die Lage in Ras Lanuf ist unübersichtlich, ob die Gaddafi-Getreuen den Hafen bereits eingenommen haben, ist unklar. Kampfjets der Alliierten kamen den Aufständischen zur Hilfe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754039,00.html
Waffen für die, ja für wen? Für die zukünftigen Taliban wie in Afghanistan? Und ich dachte immer Demokratien liefern keine Waffen in Bürgerkriege. Hab wohl das mit Demokratie falsch verstanden.
Barath 30.03.2011
4. ...
Zitat von pragmatEs ist langsam an der Zeit zu unterscheiden, welche Kampfflugzeuge auf der Seite der Rebellen unterstützende Einsätze fliegen. Es sind jetzt hauptsächlich französiche Kampfjets. Nicht nur die Rebellen fragen sich "Wo bleiben die Amerikaner?" Etwas zum Nachdenken!
Ich blicke es immer noch nicht. Worum geht es bei dieser ganzen Sache eigentlich? Das einzige, dessen ich mir sicher bin, ist das bewußt desinformiert wird.
Christ 32 30.03.2011
5. ganz Lybien sollte schnellstens
mit internationaler Hilfe bewaffnet werden um Gaddafi zu stürzen. Im späteren Bürgerkrieg kann man dann prima Waffen verkaufen, so lohnt sich dann auch der Kriegseinsatz zum Schutz der Zivilisten. Nur ein bewaffneter Zivilist ist geschützt, auch vor anderen bewaffneten Zivilisten.
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