Gefechte in Nadschaf US-Truppen stürmen Sadrs Haus

Amerikanische Soldaten haben das Haus des irakischen Rebellenführers Muktada al-Sadr angegriffen. Der schiitische Prediger selbst wird am heiligen Imam Ali Schrein, wenige Kilometer von seinem Haus entfernt, vermutet. Den ganzen Tag über hatten Militärs die Rebellenhochburg Nadschaf unter Beschuss genommen.




US-Panzer in Nadschaf: Tausende Soldaten stürmten heute die Rebellenhochburg
AFP

US-Panzer in Nadschaf: Tausende Soldaten stürmten heute die Rebellenhochburg

Nadschaf - US-Soldaten stürmten in das Haus al-Sadrs im Zentrum von Nadschaf, trafen ihn allerdings nicht an. Auf der Straße vor dem Haus wurde weiter geschossen. Zuvor hatten Kampfflugzeuge Ziele in der näheren Umgebung bombardiert und sich Gefechte mit Milizionären geliefert.

Das US-Militär hatte heute eine Offensive gegen aufständische irakische Schiiten in Nadschaf begonnen und das Zentrum der Rebellenhochburg unter seine Kontrolle gebraucht. Etwa 2000 US-Soldaten und 1800 irakische Sicherheitskräfte waren in Stellung gegangen. Tausende Bewohner flohen aus der den Schiiten heiligen Stadt.

Von Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Artillerie unterstützte US-Marineinfanteristen und irakische Sicherheitskräfte lieferten sich am historischen Friedhof der Stadt im Südirak heftige Gefechte mit der Mehdi-Miliz al-Sadrs. Ein Sprecher der irakischen Regierung nannte die Kämpfe eine wichtige Machtprobe. "Für uns ist das ein kritischer Test in der frühen Phase unserer Regierung", sagte er.

Aus dem Zentrum von Nadschaf stiegen schwarze Rauchsäulen in den Himmel, während Kampfhubschrauber tief über die Lehmziegel-Dächer jagten. Mit Panzern und Geländewagen richteten Soldaten Kontrollposten ein und sperrten die Zugänge zum Imam-Ali-Schrein ab. Al-Sadrs Anhänger zogen sich zunächst zurück. Sie hatten sich zu Hunderten nahe und in dem Schrein und dem Friedhof verschanzt.

Ein Sprecher der Mehdi-Miliz sagte: "Wir sind darauf vorbereitet, jeden Angriff auf unsere Stellungen abzuwehren." Al-Sadr hatte seine Anhänger am Mittwoch aufgefordert, auch dann weiterzukämpfen, wenn er getötet oder inhaftiert werden sollte. "Kämpft weiter, selbst wenn ihr mich als Gefangenen oder Märtyrer seht", erklärte der rund 30 Jahre alte Prediger.

Ein Sprecher der irakischen Regierung sagte, nur irakische Sicherheitskräfte würden die heiligen Stätten betreten. Auch das US-Militär teilte mit, der Schrein gehöre nicht zu den Zielen des Angriffs. Der führende schiitische Geistliche, Ajatollah Ali al-Sistani, rief von London aus dazu auf, die heilige Erde und heiligen Stätten der Stadt zu respektieren. Al-Sistani wird in London wegen eines Herzleidens behandelt. Er gilt als gemäßigter als Al-Sadr und hat einen größeren Einfluss.

Nadschaf gilt Schiiten wegen des Schreins von Imam Ali bin Abi Talib, Cousin und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, als heilig. In dem Friedhof Wadi al-Salam ("Tal des Friedens") liegen weitere Propheten begraben. Die Großstadt mit 600.000 Einwohnern ist einer von sieben Orten, in dem der Aufstand der größten Bevölkerungsgruppe im Irak in jüngster Zeit wieder aufgeflammt war. Das US-Militär hatte angekündigt, die Rebellion niederwerfen zu wollen.

Die Miliz hatte für den Fall einer Offensive in Nadschaf mit Angriffen auf die Pipelines im Süden des Landes gedroht. Aus Kreisen der South Oil Company verlautete, die geplante Eröffnung werde zunächst verschoben. Später hieß es jedoch, sie sei trotz der Drohung geöffnet worden. Die Sorgen um die Ölförderung haben mit zu den seit Wochen anhaltend hohen Ölpreisen beigetragen.



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