Gehackte Präsidenten-Mails Wie Assad die US-Psyche manipulieren sollte

Passwort "12345": Anonymous-Hacker haben E-Mailkonten von Baschar al-Assads Mitarbeitern geknackt. Die Nachrichten zeigen, wie sich der syrische Machthaber auf sein aufsehenerregendes US-Interview vorbereitete. Er bekam Tipps, wie die Psyche der Amerikaner ganz leicht zu manipulieren sei.
Syriens Präsident Assad mit ABC-Moderatorin Walters: Interview mit Tipps und Tricks

Syriens Präsident Assad mit ABC-Moderatorin Walters: Interview mit Tipps und Tricks

Foto: Rob Wallace/ AP

Hamburg - Man weiß nicht so recht, was erstaunlicher ist: Die Tatsache, dass die Hackergruppe Anonymous mit der simplen Nummernkombination "12345" einige E-Mailkonten im syrischen Präsidentenbüro knacken konnte. Oder der Inhalt der veröffentlichten Nachrichten, der belegt, mit welchen Tipps und Tricks sich der syrische Machthaber Baschar al-Assad auf ein Interview im US-Fernsehen vorbereitet hat.

Von der Anonymous-Attacke seien insgesamt 78 Mailkonten betroffen, schreibt die israelische Zeitung "Haaretz ", Hunderte Mails wurden am Montag veröffentlicht. "Haaretz" zitiert aus einer ganz besonders brisanten - das Dokument diente Assad zur Vorbereitung auf sein erstes Interview im US-Fernsehen seit Beginn des blutigen Aufstands gegen sein Regime. Das Interview mit US-Talkerin Barbara Walkers im Dezember 2011 hatte für viel Aufregung gesorgt, weil Assad damals beteuerte, gänzlich unschuldig an der anhaltenden Gewalt in seinem Land zu sein.

"Ich habe mein Bestes getan, um das Volk zu beschützen, also kann ich mich nicht schuldig fühlen", hatte der Machthaber behauptet. Die Schuld an der Gewalt hätten Banden bewaffneter Krimineller.

Wie dank Anonymous nun bekannt wurde, bekam die Assad-Mitarbeiterin und ehemalige Al-Jazeera-Journalistin Luna Chebel etwa zehn Tage vor dem Interview eine E-Mail von der Pressesprecherin Sheherazad Jaafari. Die Vertreterin bei den Vereinten Nationen und Tochter von Syriens Uno-Botschafter Bashar Jaafari hat der Zeitung zufolge dabei geholfen, das Interview mit Walters ins Rollen zu bringen. Damit auch ja nichts schiefgehen konnte, sparte sie in ihrer ausführlichen Mail nicht mit guten Ratschläge.

Ausführlich beschrieb sie, wie die Amerikaner über die Situation in Syrien berichten: "Sie benutzen Phrasen wie 'Die syrische Regierung bringt ihre eigenen Leute um' oder 'Sicherheitskräfte sind kriminell'." Deshalb müsse in dem Interview unbedingt erwähnt werden, dass zu Beginn der Krise in Syrien Fehler gemacht worden seien. Denn so sei die amerikanische Psyche am leichtesten zu manipulieren: Die Zuhörer müssen hören, dass Fehler begangen wurden - die dann jedoch behoben werden, so Jaafari.

Zudem, so war ihr Ratschlag, solle auf die Proteste an der Wall Street hingewiesen werden, auf die Demonstranten und ihre Unterdrückung durch Beamte und Polizeihunde. "Syrien hat im Gegenzug zu Amerika keine Polizeieinheiten, um die Menschen zu unterdrücken", lautete ein weiterer Formulierungsratschlag Jaafaris. Als Beispiele für die Grausamkeiten der USA schlug sie vor: das Gefängnis Abu Ghuraib im Irak und Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl.

Liest man heute die Aussagen Assads vom Dezember 2011 wird noch einmal deren Abstrusität deutlich. Nach dem gescheiterten Veto im Uno-Sicherheitsrat nahm die Gewalt in dem Land zuletzt noch einmal zu. Jeden Tag gibt es neue Schreckensnachrichten über das Vorgehen der Assad-Getreuen. Insgesamt sind nach Uno-Angaben bislang mehr als 5400 Menschen getötet worden. Menschenrechtler sprechen gar von rund 6000 Toten. Mehrere Länder haben inzwischen ihre diplomatischen Vertreter aus Syrien abgezogen.

aar
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