Britischer Inlandsgeheimdienst Terrorgefahr laut MI5-Chef so hoch wie nie

Der Geheimdienst MI5 hat vor einer nie dagewesenen Gefahr durch islamistische Terroristen in Großbritannien gewarnt. Es gebe einen "dramatischen Anstieg an Bedrohungen in diesem Jahr".

Andrew Parker
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Andrew Parker


Der britische Inlandsgeheimdienst MI5 führt nach eigenen Angaben Terrorismus-Ermittlungen in noch nie dagewesenem Ausmaß. Britische Sicherheitskräfte hätten in den vergangenen vier Jahren 20 islamistische Anschläge verhindert, davon allein sieben in den vergangenen sieben Monaten, sagte MI5-Leiter Andrew Parker bei einer Rede in London.

Auch die Geschwindigkeit, in der sich neue Bedrohungen entwickelten, sei so hoch wie nie zuvor in seiner 34-jährigen Karriere, sagte Parker. Von der Idee bis zur Ausführung eines Anschlags könne es manchmal nur wenige Tage dauern. Dies - und das Ausnutzen gesicherter Orte im Internet - erschwere die Arbeit der Sicherheitskräfte. Die Bedrohungslage sei so verschiedenartig, wie er es noch nie erlebt habe.

Derzeit laufen mehr als 500 Ermittlungen zu insgesamt etwa 3000 Menschen, die in extremistische Aktivitäten involviert seien, wie Parker sagte. Es gebe einen "dramatischen Anstieg" an islamistischen Bedrohungen in diesem Jahr. Nie zuvor sei das Ausmaß der Ermittlungen des MI5 so groß gewesen.

Zusätzlich zu den Extremisten, die derzeit überwacht werden, gebe es die mehr als 20.000 Menschen, die den Behörden wegen extremistischer Aktivitäten bekannt seien, sagte Parker. Und es gebe weitere potenzielle Täter. Der MI5-Chef betonte während seiner etwa 16-minütigen Erklärung auch die Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen europäischen Sicherheitsbehörden.

Großbritannien wurde in diesem Jahr bereits fünfmal Ziel eines Anschlags - viermal in London und einmal in Manchester. Dabei wurden insgesamt 36 Menschen getötet.

aar/dpa/AFP

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insgesamt 11 Beiträge
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Worldwatch 18.10.2017
1. Keine Ahnung wieviel Personal dem MI5 ...
... zur Überwachung der >23.000 (plus ??) Extremisten und Gefährdern zur Verfügung stehen, noch über welche Ausstattung und Hilfsmittel die Behörde verfügt. Aber der Fall Amri in der Bundesrepublik hat gezeigt, daß neben dem Behördenzuständigkeitsgwirr vor allem zeitliche Lücken in der Aufmerksamkeit zu Gefährdungszunahmen führen. Die Überwachungen, schon ausserhalb der Behörden-Kernzeiten sowie zu Wochenenden und Feiertagen, sind kritisch. Zudem wird selbst vom Sprecher darauf hingewiesen, daß die Tatausführungsvorlaufzeiten stets kürzer werden, die Taten selbst komplexer. Unter diesen Umständen noch innere Sicherheit gewährleisten zu wollen, besser gesagt den Bürgern Sicherheit zu suggerieren, wird trotz der genannten Erfolge, aber wegen der Zahl der durchgeführten Taten und Opfer, für die Politik und Administration zunehmend zum Problem. Die Bürger werden letztlich fragen, warum die Politik und Administration nur an den Symptomen herumwurschtelt, die Lage sich indes offensichtlich verschlechtert, und die mgl. Ursachen der Extremismen und des Terrors nicht bekämpft werden. Der richtige Hinweis, daß mehr Menschen Opfer von Verkehrsunfällen, etc., werden, verfängt bei den Wählern nicht. Aber die Gefahr des Abwanderns von Wählern in Parteien, die die Liberalität und Pluralität in Frage stellen, wachsenden Nationalismus oder -chauvinismus für Lösungen halten, wächst. In UK, wie auch anderenorts in Europa.
cum infamia 18.10.2017
2. bin ich froh,
daß das in Deutschland alles ganz anders und total friedlich ist. Wenn unsere ewige Kanzlerin sagt, daß "Deutschland Deutschland bleiben wird mit allem..." wer würde sich da wagen,daran zu zweifeln ? Unsere Medien ganz bestimmt nicht, nur wieder ein paar unbelehrbare Bürger...
uban1 18.10.2017
3. mass-lose Übertreibung von Terrorgefahren
ich finde es unverantwoertlich wenn die Behören und Medien die Terrorgefahr mass-los übertreiben. Das Risiko bei einem Terrorangriff getötet/verletzt zu werden ist geringer als vom Blitz getroffen zu werden. Am Besten wäre wenn Terror-Taten nicht mehr auf die erste Seite kommen, sondern ganz weit hinten bei den Regional-Nachrichten, dann ebbt auch das Interesse der Terroristen an spektakulären Taten ab. Jetzt, da wie Dank SPD-Mass die richtigen Gesetze haben, wäre es ein leichtes diese Nachrichten zu filtern. Und nein, das ist keine Zensur, das ist veranwortungsvolles Berichten und Teil der heutigen Demokratie.
cum infamia 18.10.2017
4. Wissenslücke !
Zitat von uban1ich finde es unverantwoertlich wenn die Behören und Medien die Terrorgefahr mass-los übertreiben. Das Risiko bei einem Terrorangriff getötet/verletzt zu werden ist geringer als vom Blitz getroffen zu werden. Am Besten wäre wenn Terror-Taten nicht mehr auf die erste Seite kommen, sondern ganz weit hinten bei den Regional-Nachrichten, dann ebbt auch das Interesse der Terroristen an spektakulären Taten ab. Jetzt, da wie Dank SPD-Mass die richtigen Gesetze haben, wäre es ein leichtes diese Nachrichten zu filtern. Und nein, das ist keine Zensur, das ist veranwortungsvolles Berichten und Teil der heutigen Demokratie.
Sie sollten sich statt ,mit Herrn Maas krude Gesetze, mit unserem GG,insbesondere Artikel 5 (1) befassen !
andros0813 18.10.2017
5.
wenn es um die innere sicherheit geht, scheiden sich die geister...gefahren sind immer relativ...wenn "gefahr" oder "gefährlichkeit" sich in anzahl der toten und geschädigten ausdrückt, verwundert es, das hunderttausende tote durch rauchen, alkohol, falsche ernährung und strassenverkehr ein achselzucken bewirken...tut mir leid, ich sehe hier das grössere lernpotenzial..
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