Geheimdienst-Panne US-Militär ließ Taliban-General laufen

Zwei US-Soldaten haben ein peinliches Geheimnis offenbart. Angeblich haben amerikanische Militärs im Sommer einen der meistgesuchten Taliban-Kommandanten irrtümlich wieder frei gelassen.

Der Taliban-Führer Mullah Akhter Mohammed Osmani sei Ende Juli von der Spezialeinheit "Green Beret" festgenommen worden, als er sein Lager in einer Stadt westlich von Kandahar im Morgengrauen verließ, sagten Soldaten der Spezialeinheit der "Washington Times". Die Soldaten hätten Osmani erkannt, ihn gefesselt und auf einem Lastwagen nach Kandahar gebracht.

Osmani, der einer der sechs meistgesuchten Taliban ist, wurde zur Vernehmung in ein Gefangenenlager zum Luftwaffenstützpunkt Bagram im Norden Kabuls gebracht, sagten die Soldaten. Er gilt als einer der wichtigsten Taliban-Generäle.

Trotzdem ließ die "Task Force 180", die Oberbefehlstruppe in Afghanistan, Osmani nach Angaben der Soldaten einige Wochen später wieder frei. Sprecher der US-Regierung äußerten sich in der "Washington Times" skeptisch über den Bericht der Soldaten. Die Soldaten beharren jedoch auf der Richtigkeit ihrer Aussagen. Zwei Soldaten und ein älterer Regierungsbeamter sagten in Interviews, einem falschen Geheimdienstbericht zufolge habe sich Osmani an einem anderen Ort befunden. Dieser Fehler habe schließlich zu seiner Freilassung geführt.

Osmani kehrte nach seiner Freilassung nicht in sein Dorf zurück, sondern floh nach Pakistan, wo er sich vermutlich auch jetzt noch aufhält, sagten Militärbeamte. Ein Sprecher des US-Zentralkommandos, das den Einsatz in Afghanistan koordiniert, lehnte es ab, zu den Fragen der "Washington Times" Stellung zu nehmen. Oberst Roger King, Sprecher der "Task Force 180" auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram, sagte: "Wir äußern uns nicht zu Einzelheiten, die Gefangene betreffen, weder zu Namen noch zu Nationalitäten. Ich kann Ihnen nur sagen, dass Osmani einer von denen ist, die wir suchen."

Der amerikanische Militär-Geheimdienst (DIA) sagte in einer Stellungnahme: "Wir haben keine Kenntnis davon, dass sich Mullah Akther Mohammed Osmani jemals in US-Gefangenschaft in Afghanistan befunden hat." Doch die beiden Soldaten und der Regierungsbeamte sind sich sicher, dass die Vereinigten Staaten Osmani festgenommen hatten und ihn dann irrtümlich wieder freiließen. Aus Angst vor Repressalien durch ihre Vorgesetzten baten sie jedoch darum, nicht namentlich erwähnt zu werden.

Osmani ist einer der wenigen ehemaligen Taliban-Führer, die versucht hatten, eine Guerrilla-Gruppe zum Sturz der Regierung Harmid Karzai in Afghanistan zu aufzubauen. Auf der Liste der sechs meistgesuchten Taliban steht auch der höchste ehemalige Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar, sein Hauptberater Tayeb Agha und der Oberbefehlshaber Jalaluddin Haqqani. Es wird vermutet, dass sich Mullah Omar in seiner Heimatprivinz Uruzgan im Norden von Kandahar aufhält.

Helmand, die Heimatprovinz Osmanis, war im Sommer zum Zufluchtsort für Taliban-Kämpfer geworden. Informanten teilten den Spezialeinheiten zu diesem Zeitpunkt mit, dass Omsani in die Provinz zurückgekehrt sei. Der ehemalige General lebe in einem Lager im Dorf Sangin im Westen von Kandahar, sagten die Informanten. "Direkt nach dem Durchmarsch durch das Land im Frühling flohen alle aus ihren Heimatdörfern", sagte ein Soldat. "Aber als sie nach einer Zeit merkten, dass wir nicht aktiv nach ihnen suchten gingen sie wieder nach Hause zurück."

Eine Gruppe der Spezialeinheiten fuhr daraufhin nachts mit Lastwagen in die Stadt. Sie bewachten das Haus bis der als Osmani identifizierte Mann herauskam, um in die Moschee zu gehen. Er trug eine Art Taliban-Ausweis bei sich, der sein Bild enthielt und den Namen Osmani. Er hatte Brandnarben im Gesicht, die auch in Geheimdienstberichten vermerkt waren, sagten die Soldaten. Der Mann, den die Spezialeinheiten für Osmani hielten, weigerte sich seinen Namen zu nennen und sagte nur in seiner Muttersprache paschtunisch: "Gelobt sei Gott."

"Er war auf der Liste von Taliban, die wir töten oder fangen sollten", sagte einer der Soldaten der "Washington Times". "Er war in Osmanis Haus, in seinem Ausweis stand der Name Osmani. Als ich hörte, dass auch die Narbe mit den Geheimdienstberichten übereinstimmte, dachte ich, dass sie allen Grund dazu hätten, sehr vorsichtig zu sein. Auch wenn es sein kleiner Bruder gewesen wäre - so einen Kerl lässt man nicht frei."

Die Soldaten fesselten ihn und brachten ihn auf einem Lastwagen nach Kandahar. Dort blieb Osmani für einige Tage, bis er nach Bagram geflogen wurde. "Alle unsere afghanischen Kämpfer bedeckten ihr Gesicht, wenn sie in seiner Nähe waren", sagte ein Soldat.

Einige Wochen später war Osmani jedoch schon wieder auf dem Rückflug in die Freiheit nach Kandahar. Afghanische Quellen berichten, er sei dann nach Pakistan geflohen. "Als sie ihn gehen ließen, rannte der Kerl wie ein Verrückter nach Pakistan und war weg", sagte ein Soldat. "Ich hörte dann, dass alle dachten: Hoppla, vielleicht hätten wir den lieber behalten sollen."