Geheimdienstbericht Iran versucht Atombomben-Bestandteil zu kaufen
Wien/Berlin - "Die Verhandlungen iranischer Mittelsmänner zum Kauf von Deuterium-Gas in Russland sind fortgeschritten", heißt es in einem zweiseitigen Bericht, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt und von Diplomaten verteilt worden sei. Der Bericht zitiert "informierte russische Kreise".
Deuterium wird in der Medizin und Biochemie als so genanntes Tracer-Molekül zur Markierung und in Schwer-Wasser-Reaktoren genutzt, wie Iran sie baut. Deuterium kann aber auch mit Tritium kombiniert und als Verstärker in Atombomben eingesetzt werden.
Der Erwerb von Deuterium ist nicht illegal. Wegen der Verwendungsmöglichkeit für zivile und militärische Zwecke sollte er aber der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), einer Organisation der Vereinten Nationen, gemeldet werden. Das habe Iran nicht getan, sagte der Diplomat, der Reuters den Bericht aushändigte. "Iran muss wissen, dass er darunter zu leiden haben wird, wenn er in den Besitz von Atomwaffen gelangt."
Diplomaten bei der IAEA mahnten zur Vorsicht und sagten, der Bericht sei anscheinend verfasst worden, um diejenigen Staaten zu überzeugen, die nicht der Auffassung sind, Iran strebe nach Atomwaffen. IAEA-Diplomaten sagten jedoch, der Erwerb von Deuterium allein sei kein Beweis für die Absicht, Atomwaffen zu bauen.
Der iranische Uno-Botschafter in Wien, dem Sitz der IAEA, war nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen. Die iranische Botschaft in Moskau sagte, das alles sei nur ein Gerücht. Das russische Außenministerium teilte mit, bei der Zusammenarbeit mit Iran bei Atomfragen halte sich Russland strikt an die Vereinbarungen, die eine Belieferung mit Deuterium nicht vorsähen. Eine Lieferung sei nicht geplant.
Die USA werfen Iran vor, er nutze sein ziviles Atomprogramm, um sein Streben nach Atomwaffen zu verbergen.
Auch die Hinweise auf eine Wiederaufnahme der Produktion von atomwaffenfähigem Uran in Iran verdichten sich weiter. Teheran teste zurzeit nicht nur entsprechende Ausrüstungen, sondern habe auch Uran-Hexafluorid hergestellt - ein Gas, das in Zentrifugen zu waffenfähigem Material angereichert werden kann, berichteten IAEA-Mitarbeiter.
Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte Iran davor, die Auflagen der IAEA zu missachten. "Ich hoffe, dass Teheran begreift, dass es einer Fehlkalkulation unterliegt", sagte Fischer in einem Interview des Fernsehsenders n-tv. Die jüngsten Nachrichten aus Wien erfüllten ihn mit "großer Sorge".
Iran hatte im vorigen Jahr unter internationalem Druck die Anreicherung von Uran und den Bau von Zentrifugen gestoppt. Im Gegenzug hatten Frankreich, Großbritannien und Deutschland die Lieferung von Atomtechnik für Kraftwerke in Aussicht gestellt. Fischer erklärte, mit der europäischen Initiative habe man versucht, das islamische Land auf einen anderen Kurs zu bringen. Der jüngste Schritt Teherans sei nicht im Interesse des Irans und der Region. Iran hat wiederholt bestritten, ein Programm zur Herstellung von Atomwaffen zu verfolgen.