Geheimdienstbericht zu Iran Putins stille Schadenfreude
Moskau - Russlands Präsident Wladimir Putin mag jetzt stille Schadenfreude empfinden, dass die amerikanische Auslandsaufklärung zu dem Ergebnis kommt, dass Iran nicht an einem Programm zur atomaren Bewaffnung arbeitet. Das entspricht auch dem bekannten Erkenntnisstand des russischen Auslandsaufklärungsdienstes Sluschba Wneshni Raswedki, aus dem Putin kommt.
Russlands Führung hat immer deutlich erkennen lassen, dass sie kein Interesse an einer atomaren Aufrüstung Irans hat. Dies umso mehr, als ihre südlichen Gebiete und Gebiete von Verbündeten, etwa Armenien, im potenziellen Schussfeld iranischer Mittelstreckenraketen liegen. In Moskau hält man jedoch die iranische Führungsriege insgesamt für rationaler, als es die bisweilen verantwortungslose Rhetorik des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad nahe legt.
Die Russen haben die Iraner in den neunziger Jahren als konstruktive Partner bei der Beendigung des Bürgerkrieges zwischen weltlichen Moskau-Freunden und Islamisten im befreundeten Tadschikistan erlebt. Mehr noch: Russische Diplomaten und Sicherheitsexperten wissen zu schätzen, dass die Teheraner auf islamischen Revolutionsexport in die früheren Sowjetrepubliken verzichten. Darüber waren vor allem tschetschenische Separatisten sehr enttäuscht, was sich in bitteren Polemiken gegen die vermeintlichen iranischen Verräter niederschlug. Zweifellos hätte Iran mit Geld, Waffen und militärischer Ausbildung für Muslim-Kämpfer Russlands Sicherheitsprobleme etwa im Nordkaukasus erheblich verschärfen können.
Was das iranische Atomprogramm anging, hielt sich Moskau an eine pragmatische Linie, die Putin jetzt bestätigt hat: Iran habe das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie, sofern es mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im Rahmen der für alle Ländern geltenden Standards zusammen arbeite. Die internationale Behörde gelte es zu unterstützen, Embargos oder gar militärische Drohungen, so die Moskauer Position, seien kontraproduktiv.
Wie ein Gespräch mit einem Schüler
Der von Russland betriebene Aufbau des einstigen Siemens-Reaktors im südiranischen Buschehr wurde allerdings von den Russen unter allerlei Vorwänden so zögerlich vorangetrieben, als gelte es nachzuweisen, Moskaus Atomministerium habe die Entdeckung der Langsamkeit für sich gepachtet. Dahinter standen offenkundig Absprachen mit den USA und Israel. Russland wollte den beiden Gegenspielern Irans wohl keine Angriffsfläche für massive Kritik bieten.
Am Montag hat Putin den Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates Irans, Said Dschalili, in seiner Residenz am Rande Moskaus in sichtlich entspannter Atmosphäre empfangen. Diplomatisch freundlich sagt Putin dem iranischen Gast, es sei ihm "sehr angenehm, zu vermerken, dass Ihr Land die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atombehörde verstärkt".
Und als führe er als Lehrer ein Gespräch mit einem Schüler, der nach längerem Boykott versprochen hat, regelmäßig wieder Hausaufgaben zu machen, fügte Putin hinzu: "Wir rechnen damit, dass alle ihre nuklearen Programme offen und transparent sein werden und unter der Kontrolle dieser universalen internationalen Organisation stattfinden."
Erleichterung in Peking
Auch in Peking muss man den Bericht der US-Geheimdienste über die Nuklearpläne Irans mit Erleichterung aufgenommen haben. Der Druck, womöglich im Weltsicherheitsrat gegen den Verbündeten Iran stimmen zu müssen oder aber sich mit einer Enthaltung den Ärger des Westens einzuhandeln, ist erst einmal von der chinesischen Führung genommen.
Offiziell hat Peking bisher verhalten auf die neue Entwicklung im Atomstreit reagiert. Chinas Uno-Botschafter Wang Guangya erklärte lediglich, man müsse über die Folgen des Geheimdienstberichts "nachdenken", da sich die "Dinge geändert" hätten.
Mitarbeit: Andreas Lorenz, Peking