Geheimdienste Saddams mobile Dattellabors

Bei der Suche nach Massenvernichtungswaffen haben die US-Ermittler eine weitere Fehleinschätzung abgegeben. SPIEGEL ONLINE liegen die Original-Unterlagen der tatsächlich aufgefundenen mobilen Chemielabors aus Deutschland vor. Allerdings waren sie ungeeignet für die Herstellung von biologischen und chemischen Waffen.

Ende April vergangenen Jahres entdeckten US-Militärs im Irak einen betagten, sandfarbenen Lastwagen auf dem ein "mobiles chemisches Labor" montiert ist. Auf der Webseite der CIA wurde in einem Bericht vom Mai vergangenen Jahres das dreiachsige Fahrzeug und seine Einbauten mit Bildmaterial dokumentiert . Zu erkennen sind ein handelsüblicher Kühlschrank, eine kastenförmige Laborzentrifuge sowie eine Abzugshaube.

SPIEGEL ONLINE liegen die Original-Konstruktionspläne der Laborwagen vor. Nach dem begleitenden Text und CIA-Einschätzung handele es sich um ein chemisches Labor, das möglicherweise andere "mobile Produktionsanlagen für Biowaffen" im Irak "unterstützen" solle.

Ähnliche mobile Produktionsanlagen für Kampfstoffe waren von US-Außenminister Colin Powell vor dem Weltsicherheitsrat als Beweis für die B- und C-Waffenaufrüstung des Irak präsentiert worden. Die Informationen dazu hatte zuvor eine Quelle des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) namens "Curveball" (benannt nach dem Trickwurf im Baseball) geliefert.

BND hält an den Informationen fest

Während Powell inzwischen von den angeblichen Biowaffenlabors auf großen Sechsachsern abrückte, glauben die BND-Experten weiterhin keinem Schwindler aufgesessen zu sein. "Wir halten die Angaben weiterhin für glaubhaft", sagt eine BND-Sprecherin. Der Informant ist Chemiker und lebe derzeit in Deutschland. Trotz intensiver Suche durch US-Militärs und Uno-Waffenkontrolleure sind die so genannten rollenden Biowaffenfabriken jedoch im Nachkriegs-Irak nirgendwo gefunden worden.

Aufgetaucht sind dagegen die Uralt-Lastwagen "made in Germany". Insgesamt acht Magirus-Deutz-Lastwagen, ausgerüstet mit Chemielabors durch die Kaufbeurer Fahrzeugfirma Rhein Bayern, waren in den achtziger Jahren mit offizieller Genehmigung der Bundesregierung via Bremerhaven in den Irak exportiert worden.

Der damalige Rhein-Bayern-Chef Anton Eyerle, 81, später wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffen Kontrollgesetz zu einer hohen Haftstrafe verurteilt, hatte stets beteuert, dass es sich bei den Lieferungen in den Irak um "zivile Laborwagen" handele. Nach den Giftgasangriffen von Saddam Husseins Truppen auf die kurdische Zivilbevölkerung 1988 hatte die Göttinger Gesellschaft für bedrohte Völker Recherchen zu den Mobillabors durchgeführt über die damals der "Stern" unter dem Titel "Ich mache nur meine Geschäfte" berichtete.

Die Ausrüstung dieser Spezialwagen für Wasser-, Boden- oder Nahrungsmittelproben kam von der Firma "Karl Kolb GmbH & Co KG Scientific Technical Supplies", die weltweit auch Universitäten und Industrieunternehmen mit Laborausrüstungen beliefert.

In den irakischen Labors fehlte nach den Konstruktionszeichnungen jedoch selbst ein handelsüblicher Gas-Chromatograf, mit dem biologische oder chemische Kampfstoffe untersucht werden könnten. "Das waren simple Standardlabors für die Agrochemie", sagt heute ein Kolb-Manager gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Gerätschaften wären beispielsweise gut geeignet gewesen, um auch Untersuchungen in Dattelplantagen durchzuführen.

Beim Bundesnachrichtendienst wird die Verwirrung um die "mobilen Labors", die möglicherweise den Informanten zu seinen farbenfrohen Erzählungen anregten, kühl kommentiert: "Das sind verschiedene Baustellen."

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