Geiseldrama am Ararat Verhandlungspoker um entführte Deutsche

Das PKK-Angebot zur Freilassung der drei deutschen Bergsteiger kam früh - aber eine rasche Lösung des Geiseldramas scheiterte nach SPIEGEL-Informationen am feindlichen Verhältnis zwischen den kurdischen Separatisten und der türkischen Regierung. Der deutsche Krisenstab ist besorgt.


Hamburg - Bereits kurz nach der Entführung hatte die kurdische Separatistenorganisation dem deutschen Krisenstab die Freilassung der drei Bergsteiger angeboten, die am 9. Juli am Berg Ararat verschleppt worden waren. Die Geiseln sollten dem Internationalen Roten Kreuz übergeben werden. Die türkische Regierung hatte diese Offerte allerdings abgelehnt und erklärt, auf ihrem Staatsgebiet dürfe lediglich die islamische Hilfsorganisation Roter Halbmond operieren. Deren Vermittlung lehnte wiederum die PKK ab.

Der Ararat in der Osttürkei: An dem Berg wurden drei deutsche Bergsteiger von der PKK verschleppt
AP

Der Ararat in der Osttürkei: An dem Berg wurden drei deutsche Bergsteiger von der PKK verschleppt

Die Gespräche laufen über mehrere geheime Kanäle, die der deutsche Krisenstab aufgebaut hat. Aus den Verhandlungen weiß die Bundesregierung auch, dass es dem Trio, das sich offenbar noch in der Umgebung des Ararat aufhält, vergleichsweise gut geht. Einen deutschen Kompromiss, die PKK-Kämpfer sollten die drei Bayern einfach laufenlassen und verschwinden, wies die Kurden-Organisation zurück; dadurch werde das Leben der Deutschen unnötig gefährdet.

Der Krisenstab fürchtet, dass die Freilassung durch die unterschiedlichen Interessen der Kontrahenten erschwert wird. Offenbar beharrt die PKK auf einer öffentlichkeitswirksamen Übergabe, die Türken dagegen wollen einen Propagandacoup der Kurden vermeiden.

Mit Sorge wird im Krisenstab deshalb eine für den Wochenbeginn geplante Reise deutscher und europäischer Parlamentarier in die Region gesehen. Zur Delegation sollen auch die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke von der Linkspartei sowie Vertreter der gemäßigten Kurden-Partei DTP gehören. Diese hatte bereits bei der Freilassung von acht entführten türkischen Soldaten im vergangenen Jahr eine Rolle gespielt.



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