Geiseldrama Beslan-Terrorist schuldig gesprochen

Ein russisches Gericht hat den einzig überlebenden Terroristen im Geiseldrama von Beslan für schuldig befunden. Bei dem Anschlag in einer Schule waren 331 Menschen getötet worden, die Hälfte davon Kinder.


Moskau - Der Tschetschene Nurpaschi Kulajew sei überführt worden, unter anderem an Mord, Terrorakten und einer kriminellen Vereinigung beteiligt gewesen zu sein, sagte der zuständige Richter laut Nachrichtenagentur Itar-Tass. Ob es auch einen formellen Schuldspruch geben wird, muss das Gericht noch entscheiden. Die Urteilsverkündung wird mehrere Tage dauern.

Kulajew: Einzig überlebender Geiselnehmer
REUTERS

Kulajew: Einzig überlebender Geiselnehmer

Der Angeklagte behauptet, er sei gezwungen worden, sich an der Geiselnahme zu beteiligen. Die Staatsanwaltschaft hat die Todesstrafe gefordert. Der Vollzug der Strafe ist in Russland jedoch ausgesetzt, so dass ein solches Urteil eine lebenslange Haftstrafe bedeutet. Bei dem Anschlag in Beslan waren 1300 Menschen als Geiseln genommen worden. Während des mehrtägigen Dramas und der Befreiungsaktion starben 331 Menschen, die Hälfte davon Kinder.

Viele Überlebende haben den russischen Behörden vorgeworfen, Kulajew als Sündenbock zu gebrauchen, um von eigenem Versagen abzulenken. Bei der Stürmung der Schule war es Augenzeugen zufolge zu schweren Pannen gekommen, die die rasche medizinische Versorgung von Verletzten verhinderten. So seien Fahrzeuge mit blutenden Kindern wegen eines Verkehrsstaus nicht vorangekommen. Außerdem dem habe die Feuerwehr nicht genug Löschwasser gehabt und es seien schwere Waffen eingesetzt worden, obwohl das Schicksal zahlreicher Geiseln ungeklärt gewesen sei.

Auch eine offizielle Untersuchung stellte fest, dass Versäumnisse und Inkompetenz der Behörden zum Ausmaß der Tragödie beigetragen hätten, ohne allerdings Verantwortliche beim Namen zu nennen. Gegen drei Polizisten begann im März ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit.

als/Reuters



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