Geiselnahme in Kenia Womöglich nur vier Männer an Attentat beteiligt

Hinter dem Blutbad in der Westgate Mall von Nairobi steckten offenbar weit weniger Angreifer als zunächst angenommen. Laut Polizei waren es "vier bis sechs Männer", die mit der Geiselnahme das Militär in Atem hielten. Auch auf jetzt veröffentlichten Überwachungsbildern sind nur vier Täter zu sehen.

AP Photo/ Kenyan Defence forces via Citizen TV

Nairobi - An dem Islamisten-Angriff auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi waren Polizeiangaben zufolge höchstens sechs Attentäter beteiligt. Nach dem jüngsten Stand der Ermittlungen hätten am 21. September "vier bis sechs" Männer den Komplex in der kenianischen Hauptstadt gestürmt, sagte Polizeichef David Kimaiyo dem Fernsehsender KTN. Keiner von ihnen habe das Gebäude wieder verlassen.

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Westgate-Anschlag: Bilder aus Mall zeigen vier Angreifer
Während der 80-stündigen Belagerung hatten die kenianischen Behörden die Zahl der Angreifer mit 10 bis 15 angegeben, von denen fünf getötet worden seien.

An dem Angriff, zu dem sich die islamistische Schabab-Miliz aus dem Nachbarland Somalia bekannt hatte, sei keine Frau beteiligt gewesen, betonte der Polizeichef. Augenzeugen hatten zuvor von einer Frau unter den Angreifern berichtet. Die 29-jährige Britin Samantha Lewthwaite wurde in der Folge in Medienberichten - auch von SPIEGEL ONLINE - mit dem Überfall auf die Mall in Zusammenhang gebracht.

Namen der mutmaßlichen Täter veröffentlicht

Ein Sprecher des kenianischen Militärs nannte am Samstag die Namen von vier Schabab-Kämpfern, die an dem Angriff beteiligt gewesen sein sollen. Es handelte sich demnach um Männer namens Abu Baara al-Sudani, Omar Nabhan, Khattab al-Kene und Umayr. Zuvor hatte bereits ein kenianischer TV-Sender die Namen veröffentlicht.

Ebenfalls im kenianischen Fernsehen wurden unterdessen bislang unbekannte Aufnahmen der Überwachungskameras in dem Einkaufszentrum gezeigt. Auch auf diesen Bildern sind lediglich vier Angreifer zu sehen.

Über die Hintergründe der vier Männer ist bislang wenig bekannt. Die Nachrichtenagentur AP zitiert einen ehemals leitenden Uno-Mitarbeiter in der Region, wonach es sich bei al-Kene und Umayr um Mitglieder des kenianischen Arms der Schabab-Miliz handelte. Nabhan wiederum könnte demnach ein Verwandter von Saleh Ali Saleh Nabhan gewesen sein, einem der ehemals meistgesuchten Qaida-Vertreter in Ostafrika. Er wurde 2009 bei einer Kommandoaktion des US-Militärs in Somalia getötet.

Bewaffnet mit Sturmgewehren und Handgranaten hatten die Männer vor gut zwei Wochen das Sicherheitspersonal des Einkaufszentrums in Nairobi überwältigt, 67 Menschen getötet und das kenianische Militär über Tage in Atem gehalten. Als Reaktion auf das Attentat griff eine Eliteeinheit des US-Militärs am frühen Freitagmorgen ein mutmaßliches Versteck der Schabab-Miliz in Somalia an.

rls/AFP/AP

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Cedar 06.10.2013
1. in englischsprachigen Publikationen
wurde zwar nicht von nur vier Attentaetern berichtet, sondern von dem uberwaeltigenden Verdacht, dass das kenianische Militaer die vier Tage nicht zum beenden der Sicherheitslage gebraucht hat, sondern zum Ausraeumen aller Wertgegenstaende aus all den Luxusgeschaeften in dem Einkaufszentrum. "they needed four days not to end the siege but to go on a looting spree" smh.com.au die Frage an SPON: liegen dem Spiegel aehnliche Informationen vor?
epic_fail 06.10.2013
2.
Zitat von sysopAP Photo/ Kenyan Defence forces via Citizen TVHinter dem Blutbad in der Westgate-Mall von Nairobi steckten offenbar weit weniger Angreifer als zunächst angenommen. Laut Polizei waren es "vier bis sechs Männer", die mit der Geiselnahme das Militär in Atem hielten. Auch auf jetzt veröffentlichten Überwachungsbildern sind nur vier Täter zu sehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/geiseldrama-in-nairobi-hoechstens-sechs-taeter-in-westgate-mall-a-926337.html
Sehr ungewöhnlich auch, dass das Militär tagelang nichts auf die Beine kriegt. Vielleicht gings hier garnicht um Terror ;) Denkbar ist in dieser kranken Welt mittlerweile alles.
Bahadur 06.10.2013
3. Verdacht
Zitat von Cedarwurde zwar nicht von nur vier Attentaetern berichtet, sondern von dem uberwaeltigenden Verdacht, dass das kenianische Militaer die vier Tage nicht zum beenden der Sicherheitslage gebraucht hat, sondern zum Ausraeumen aller Wertgegenstaende aus all den Luxusgeschaeften in dem Einkaufszentrum. "they needed four days not to end the siege but to go on a looting spree" smh.com.au die Frage an SPON: liegen dem Spiegel aehnliche Informationen vor?
Dieser Vorwurf ist berechtigt. Die dort eingesetzten Kräfte scheinen sich besonders im Plündern aller werthaltigen Auslagen hervorgetan und durch selbst getätigtes Waffenfeuer die Aktion verlängert zu haben.
siliconaut 06.10.2013
4.
Was ist bitte mit den Gerüchten über grausamste Folterpraktiken der Angreifer - und warum finden diese in sämtlichen Artikeln im SPIEGEL keinerlei Erwähnung? Wird da der arme Islamist vor allzu harscher Betrachtung geschützt? http://www.dailymail.co.uk/news/article-2434278/Kenya-mall-attack-torture-claims-emerge-soldiers-Eyes-gouged-bodies-hooks-fingers-removed.html
kamau 06.10.2013
5. Schwer zu glauben
Schwer zu glauben, dass vier Terroristen die Sache vier Tage durchziehen konnten, ohne dass die Sicherheitskräfte eine Ahnung über die Zahl der Attentäter hatte. Bemerkenswert ist ja auch, dass aus Läden, z.B. bei einem Juwelier 90% der Auslagen verschwunden sind. Man darf darüber spekulieren wer die geklaut hat! Gleich am 2. Tag der Attacke hieß es in kenianischen Zeitungen, dass die Terroristen sich im Security-Raum von Westgate mit Geiseln verschanzt haben und damit über alle Security Kameras die Bewegungen der eindringenden Soldaten und Sicherheitskräfte überwachen könnten. Aus diesem Grund hätte man alle Kameras ausgeschaltet. Wenn dies stimmt, so dürfte es nur Bilder über die ersten Stunden der Attacke geben, der Rest wurde vermutlich nicht aufgenommen. Was ist eigentlich mit dem angeblichen ca. 100 langen unterirdischen Tunnel, der Westgate mit einem anderen Gebäude verbindet? Sind da irgendwelche Terroristen abgehauen, während die Armee oben plünderte? Und was ist das für eine Taktik die Decke eines Gebäudes zum Einsturz zu bringen, solange sich zu diesem Zeitpunkt noch angeblich 30 lebende Geiseln in den Händen der Terroristen befanden. Wollte die Armee Beweismittel gegen die Plünderungen gleich mit einem Schlag vernichten? Und wo sind die 7 oder 9 Vermissten (Aussage Red Cross Kenia am Freitag). Ich bitte um Beantwortung dieser Fragen!!!!
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