Geiseldrama in Thailand 12-jährige Zwillinge führen "Gottesarmee"

Mit einer blutigen Befreiungsaktion hat eine thailändische Spezialeinheit das Geiseldrama in einem Krankenhaus in Ratchburi nahe Myanmar beendet. Fast 24 Stunden hatten Rebellen aus Myanmar rund 500 Menschen in ihrer Gewalt. Die Anführer dieser Rebellengruppe sind zwei Zwölfjährige.


Johnny Htoo und sein Zwillingsbruder Luther, die die "Gottesarmee" anführen
AP

Johnny Htoo und sein Zwillingsbruder Luther, die die "Gottesarmee" anführen

Ratchburi/Bangkok - Bei dem Sturm auf die Klinik wurden alle zehn Geiselnehmer getötet, hieß es. Es habe aber keine Opfer unter der Geiseln gegeben. Die Geiselnehmer gehörten der etwa 100 Mann starken "Gottesarmee" an, die von zwölfjährigen Zwillingsbrüdern geführt wird. Ihre Anhänger schreiben ihnen mystische Kräfte zu, die sie unverwundbar machen sollen. Die Truppe ist eine Splittergruppe der Rebellenorganisation "Karen National Union", die seit jeher einen Friedensschluss mit der in Myanmar regierenden Militärjunta ablehnt.

Ärzte bringen ein Kind, das als Geisel in der Klinik festgehalten wurde, in Sicherheit
AP

Ärzte bringen ein Kind, das als Geisel in der Klinik festgehalten wurde, in Sicherheit

Die Befreiungsaktion war fast eine Stunde lang von mehreren Explosionen und Schusswechseln begleitet. Kurz danach verließen die Geiseln in Begleitung von Ärzten das Gebäude, wo sich zu Beginn des Dramas am Montagmorgen etwa 600 Menschen aufgehalten hatten. Bereits im Laufe des Tages hatten die Rebellen der "Gottesarmee" etwa 100 Menschen freigelassen.

Die mit Handgranaten und Schnellfeuer-Gewehren bewaffneten Rebellen hatten ärztliche Hilfe für Zivilisten gefordert, die bei Kämpfen mit der Armee Myanmars verletzt worden waren. Überdies verlangten sie die Öffnung der Grenze zwischen Thailand und Myanmar, um die Versorgung mit Gütern und Medizin zu erleichtern. Außerdem solle Thailand aufhören, ihr Territorium mit Granaten zu beschießen.

Thailändische Spezialeinheiten vor ihrem Sturm auf die Klinik
REUTERS

Thailändische Spezialeinheiten vor ihrem Sturm auf die Klinik

Thailands Behörden gaben zunächst vor, auf die Forderungen einzugehen. "Wir haben in der Nacht versucht, mit den Terroristen zu verhandeln. Aber ihre Forderungen waren unerfüllbar. Unsere oberste Priorität war die Sicherheit der Geiseln", sagte ein Militärsprecher. Vor der Erstürmung hatten massive Polizei- und Armeeeinheiten das Krankenhaus umstellt.



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