Geiseln in Nordafrika Qaida will Frankreich in Propagandafalle locken

Direkte Verhandlungen mit Osama bin Laden - das ist die einzige Chance, fünf Geiseln aus der Gewalt al-Qaidas zu befreien: Mit dieser Forderung setzt jetzt der nordafrikanische Flügel der islamistischen Terrorgruppe die französische Regierung unter Druck.

Osama bin Laden (Archivfoto): Partner für Frankreich bei Geiselverhandlungen?
AP

Osama bin Laden (Archivfoto): Partner für Frankreich bei Geiselverhandlungen?


Kairo - Ein Anführer des nordafrikanischen Zweigs der islamistischen Terrorgruppe al-Qaida hat am Donnerstag verlangt, dass künftige Verhandlungen über fünf französische Geiseln, die sich in der Gewalt der Gruppe befinden, direkt mit Osama bin Laden geführt werden müssen. Die Forderung wurde als Audiobotschaft über den Sender Al-Dschasira verbreitet.

Abu Mossab Abdelouadoud, ein Mitglied der Führungsgruppe von al-Qaida in Nordafrika, verlangte außerdem, dass Frankreich seine Truppen aus Afghanistan abziehen müsse. Nur so könne die Sicherheit der Geiseln gewährleisten werden. Vermutlich hält die Gruppe ihre fünf Gefangenen in Mali fest. Sie wurden im September entführt.

"Alle Verhandlungen müssen mit Osama bin Laden geführt werden und nach seinen Bedingungen ablaufen", hieß es in der Botschaft. Frankreich hatte zuvor erklärt, man sei bereit, mit al-Qaidas Flügel im Maghreb zu verhandeln, um eine Lösung der Geiselkrise zu ermöglichen.

In der Audiobotschaft wurde nicht erläutert, wie Bin Laden zu kontaktieren sei. Er hält sich vermutlich im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet auf. Vor rund drei Wochen hatte er in einer Botschaft Frankreich wegen der Teilnahme am Afghanistankrieg und wegen der neuen Burka-Gesetze verurteilt.. Die Geiselnahme der fünf Franzosen nannte Bin Laden damals gerechtfertigt. "Wenn ihr Geiseln nehmt, nehmen wir Geiseln, wenn ihr unsere Sicherheit bedroht, bedrohen wir eure", hieß es in der als "Botschaft an das französische Volk" betitelten Tonbandaufnahme. Und er fügte hinzu: "Wenn ihr tötet, dann töten wir auch."

Natürlich ist die Forderung an die französische Regierung, über die Geiselfreilassung nur mit bin Laden persönlich zu verhandeln, illusorisch. Es ist völlig unvorstellbar, dass Paris auf einen Deal mit dem Qaida-Chef eingeht. Das weiß auch al-Qaidas Filiale im islamischen Maghreb.

Ihr dürfte es um etwas anderes gehen: um den Aufbau von Druck. Die Terroristen wollen Paris zwingen, die Verlängerung der Geiselhaft oder im schlimmsten Fall die Misshandlung oder Ermordung der Geiseln in Kauf zu nehmen, bloß um nicht mit Osama bin Laden zu verhandeln. Das ließe sich trefflich propagandistisch als Beispiel dafür ausschlachten, wie verdorben die westlichen Gesellschaften sind.

Die Forderung kommt daher einer Falle gleich, aus der es kaum ein Entrinnen gibt, ein durchdachter propagandistischer Schachzug.

yas/cai/AP

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
John L. 19.11.2010
1. Osama
Es gibt keinen Osama Bin Laden. Von daher ist die Forderung schon gewieft. Mit jemandem zu verhandeln, den es nicht gibt ist naemlich schwer...
roland.vanhelven 19.11.2010
2. es reicht
die Bin Ladens sind seit jahrzehnten die besten kunden von Carlysle Group and United Defense und sind persoenliche freunde der Bush familie, Osama Bin Laden war CIA mitarbeiter mit decknamen Tim Osman, er wurde in einem amerikanischen militaer krankenhaus in Dubai behandelt, wo er regelmaessig von der CIA besucht wurde. und wie wollen sie mit jemandem verhandeln, der schon laengst tot ist ? Al Qaida ist eine datenbank, die von der Cia aufgebaut wurde, um daten von terror verdaechtigen festzuhalten. ein internationales terror netzwerk existiert nicht. so.
Silverhair, 19.11.2010
3. Grösse einer Nation
Die Grösse einer Nation zeigt sich darin ob sie es schafft über ihren eigenen Schatten zu springen, und in der intelligenz ihrer Anführer sich über Schematas hinwegzusetzen!
static_noise 19.11.2010
4. .
So ein Quatsch.... Frankreich hätte die Chance, durch eben doch direkte Verhandlungen: 1. das Leben der Gefangenen eben nicht zu gefärdern. 2. Die Situation propagandistisch herumzudrehen. (Seht wir reden selbst mit unserem erklärten Feind und er tötet trotzdem blindwütig weiter.) 3. Das Wissen über das Wie und Wo einer Kommunikation mit Bin Laden zu erlangen und damit geheimdienstliche Informationen die seiner Ergreifung dienen. (Seien wir doch mal ehrlich, in wirklichkeit weis doch keiner wo er steckt oder will es nicht wissen.) Und das alles wenn man nur die Bereitschaft zeigt direkt mit ihm zu verhandeln? Also die acht so raffibierte Terror Propaganda Falle seh ich hier nicht. Theoretisch können Verhandlungen begonen werden um sie dann sogar bewußt wieder zu beenden evtl. die unterschiedliche Interressenlage der arabischen Terrorzellen und derer im Maghreb spaltend auszunutzen. Meine Güte warum sind Offizielle immer so von Automatismen beherrscht?!
zephyros 19.11.2010
5. kein Titel
Zitat von sysopDirekte Verhandlungen mit Osama bin Laden - das ist die einzige Chance, fünf Geiseln aus der Gewalt al-Qaidas zu befreien: Mit dieser Forderung setzt jetzt der nordafrikanische Flügel der islamistischen Terrorgruppe die französische Regierung unter Druck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,729963,00.html
sich auf Verhandlungen mit dem Maghreb-Flügel einzulassen? Ein klarer Fehler von Paris!
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