Geiselnahme Deutscher Entwicklungshelfer in Pakistan entführt

Bewaffnete haben in Pakistan einen Deutschen und einen Italiener entführt. Die beiden Entwicklungshelfer hielten sich nahe der Stadt Multan auf. Noch ist über die Täter nichts bekannt, frühere Fälle zeigen aber, dass Extremisten Geiselnahmen von Ausländern als Geldquelle entdeckt haben.

Haus der Entwicklungshelfer in Multan: Hintergründe der Entführung sind noch unklar
AFP

Haus der Entwicklungshelfer in Multan: Hintergründe der Entführung sind noch unklar

Von , Islamabad


Es war schon dunkel, kurz nach 19 Uhr, als drei Vermummte in das Haus der beiden Entwicklungshelfer im zentralpakistanischen Multan eindrangen und sie mit vorgehaltener Waffe in ihren Geländewagen zerrten. Ein Polizist sagte, sie seien gezwungen worden, ortsübliche Kleidung, bestehend aus knielangem Hemd und Baumwollhose, anzuziehen. Dann seien sie gefesselt worden. Seit Donnerstagabend fehlt von den beiden Männern jede Spur. Nach Angaben der Polizei sind ihre Mobiltelefone ausgeschaltet.

Das Auswärtige Amt bestätigte, dass es sich bei einem der Entführten um einen Deutschen handelt. Bereits am Donnerstag sei ein Krisenstab einberufen worden, der sich mit Hochdruck um den Fall kümmere. Unbestätigten Angaben zufolge arbeitete er für die deutsche Entwicklungshilfeorganisation Welthungerhilfe. Bei dem zweiten Entführten handelt es sich nach pakistanischen Polizeiangaben um einen Italiener, der ebenfalls für die Welthungerhilfe tätig war. Das italienische Außenministerium bestätigte am Freitag die Entführung eines italienischen Staatsbürgers. Man habe ebenfalls einen Krisenstab eingerichtet. Die Welthungerhilfe betreut im Süden der Provinz Punjab Projekte zugunsten der Opfer der Flutkatastrophe vom Sommer 2010.

Die Diplomaten der deutschen Botschaft trafen sich am Freitagvormittag zu einem Krisentreffen. Die Welthungerhilfe in Bonn teilte mit, man wolle die Nachricht "weder dementieren noch bestätigen". Eine Sprecherin der Organisation in Pakistan erklärte, man könne derzeit nur sagen, dass es keinen Kontakt mehr zu den beiden Männern gebe.

Vieles deutet nach Angaben eines pakistanischen Sicherheitsbeamten auf eine gezielte Entführung der beiden hin. In Frage kämen sowohl ein krimineller Hintergrund zur Erpressung von Lösegeld als auch ein politisches Motiv.

Augenzeugen berichteten der Polizei, dass vier Männer vor dem Haus der Entwicklungshelfer mit ihrem Wagen hielten. Drei von ihnen seien in das Gebäude eingedrungen, sagte ein Polizist SPIEGEL ONLINE. Die Angreifer hätten einen Wachmann gefesselt und seien dann in die Zimmer des Deutschen und des Italieners gegangen. "Man kann davon ausgehen, dass sie das Haus kannten und ihre Opfer eine Zeitlang beobachtet haben", sagte der Beamte. Sie hätten es gezielt auf die beiden abgesehen, denn weitere Personen in dem Haus ließen sie in Ruhe.

Auch Schweizer Paar wird noch vermisst

Derzeit befrage man die Nachbarn und weitere Zeugen und hoffe, Erkenntnisse über die Identität der Täter und über die Hintergründe der Tat zu bekommen. Die Polizei kontrolliere derzeit außerdem alle Zufahrtstraßen nach und aus Multan. Auch in den benachbarten Städten und Distrikten habe man die Kontrollen verschärft und überprüfe Fahrzeuge, auf die die Beschreibung der Augenzeugen zutreffe.

Mehrere Polizisten äußerten die Vermutung, dass es sich bei den Entführern um Verbrecher handele, die die Entführten an Extremisten weiterverkauften. Tatsächlich sind in Pakistan in Vergangenheit häufiger Menschen verschleppt und an Terroristen übergeben worden. Beobachter sprechen davon, dass kriminelle Banden Entführungen als Einnahmequelle entdeckt hätten.

So wird seit dem vergangenen Juli ein Schweizer Paar vermisst, das mit dem Wohnmobil durch das Land reiste. Die beiden befanden sich zuletzt in der Hand der Taliban. Im August wurde ein amerikanischer Entwicklungshelfer aus seinem Wohnhaus in der Millionenmetropole Lahore entführt. Zu der Tat bekannte sich das Terrornetzwerk al-Qaida, das für eine Freilassung unerfüllbare politische Forderungen stellt. Auch mehrere Pakistaner sind derzeit in der Hand von Extremisten, darunter ein Sohn des Anfang 2011 ermordeten Gouverneurs Salman Taseer sowie der Sohn eines pakistanischen Generals. Zudem versuchen die Entführer auch, Geld zu verdienen, indem sie Fotos und Videos an Medien verkaufen. Nach bisheriger Erfahrung dauern die Entführungen durchschnittlich mehr als zwölf Monate.

Wegen dieser Gefahr und wegen der Gefährdung durch politisch-religiös motivierte Gewalttaten gilt für Pakistan eine Teilreisewarnung. Das Auswärtige Amt macht in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen auf die "schwierige Sicherheitslage in Pakistan" aufmerksam.

Mitarbeit: Matthias Gebauer

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fabian03 20.01.2012
1.
Zitat von sysopBewaffnete haben in Pakistan einen Deutschen und einen Italiener entführt. Die beiden Entwicklungshelfer hielten sich nahe der Stadt Multan auf. Noch ist über die Täter nichts bekannt, frühere Fälle zeigen aber, dass Extremisten Geiselnahmen von Ausländern als Geldquelle entdeckt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810302,00.html
Also langsam habe ich von dem linksgrünen Gutmenschentum echt die Nase voll. Jeder weiß wie gefährlich Pakistan und ein paar andere Staaten für westliche Bürger sind. Wer seinen Gutmenschentrieb da trotz aller Vernuft ausleben will, soll gefälligst auch die Konsequenzen dafür tragen!
archivdoktor 20.01.2012
2. Ojehh..
Zitat von sysopBewaffnete haben in Pakistan einen Deutschen und einen Italiener entführt. Die beiden Entwicklungshelfer hielten sich nahe der Stadt Multan auf. Noch ist über die Täter nichts bekannt, frühere Fälle zeigen aber, dass Extremisten Geiselnahmen von Ausländern als Geldquelle entdeckt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810302,00.html
Man kann sich nur wundern, wo sich deutsche Entwicklungshelfer überall so rumtreiben!! Pakistan ist ein Land. das die Atombombe besitzt - sind die tatsächlich auf deutsche Entwicklungshelfer angewiesen???!
dheino 20.01.2012
3.
Zitat von fabian03Also langsam habe ich von dem linksgrünen Gutmenschentum echt die Nase voll. Jeder weiß wie gefährlich Pakistan und ein paar andere Staaten für westliche Bürger sind. Wer seinen Gutmenschentrieb da trotz aller Vernuft ausleben will, soll gefälligst auch die Konsequenzen dafür tragen!
Sorry, aber ziemlich unertraeglich, was Sie hier in Sachen "Gutmensch" zusammen fabulieren. Von den beiden CH-Wohnmobilisten, welche im Artikel erwaehnt wurden, sehen wir mal ab. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen sind Profis, welche sich
Gerdtrader50 20.01.2012
4. Ausnutzung unerfahrener, hilfsbereiter Menschen
Zitat von sysopBewaffnete haben in Pakistan einen Deutschen und einen Italiener entführt. Die beiden Entwicklungshelfer hielten sich nahe der Stadt Multan auf. Noch ist über die Täter nichts bekannt, frühere Fälle zeigen aber, dass Extremisten Geiselnahmen von Ausländern als Geldquelle entdeckt haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810302,00.html
Immer schön Atommächten helfen, dass sie sich entwickeln. Das ist wichtig. Die BRD hat keine Atomwaffen, wegen der bösen Nazis früher. Die Brd hatte einmal schöne Strassen, sogar im Westen. Die sind heute total verottet und in mancher Gemeinde im Westen sieht es mittlerweile so aus, als in den 50 er Jahren vorigen Jahrhunderts. Aber immer weiter noch leichtgläubige und unerfahrene Menschen in hochgradig gefährliche Gegenden schicken und die Leute nicht über die Gefahren aufklären, damit die dann dort ihr Gutmenschentum verrichten. Im Ernstfall kann ihnen niemand helfen, weil die Sicht von manchen islamistischen Gruppen nicht mit westlichen Massstäben zu vereinen ist. Solange Hilfsorganisationen nicht darauf verzichten, in höchst gefährliche Gebiete diese unerfahrenen Menschen zu schicken, wird es diese Geschichten geben, Entführungen, Ermordungen, etc. pp. Dann hat sichs ausgegutmenscht.
Kvert 20.01.2012
5. dito
Zitat von fabian03Also langsam habe ich von dem linksgrünen Gutmenschentum echt die Nase voll. Jeder weiß wie gefährlich Pakistan und ein paar andere Staaten für westliche Bürger sind. Wer seinen Gutmenschentrieb da trotz aller Vernuft ausleben will, soll gefälligst auch die Konsequenzen dafür tragen!
ich genauso! Wir haben genug eigene Probleme, was haben wir mit Pakistan zu tun, von dort würde uns auch keiner helfen! Diese Helfer sollten sich lieber darum kümmern das jeder Rentner ab 2040 ein bedingungsloses Renten-Grundeinkommen erhält um die drohende Rentnerarmut der heute 35-40-jährigen zu verhindern, DAS wäre doch einmal etwas sinnvolles. Anstattdessen wird 3000 km entfernt fremden Völkern geholfen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.