Geiselnahme Gruppe im Nigerdelta will Deutschen entführt haben

Seit Donnerstag fehlte von dem in Nigeria verschleppten Deutschen jede Spur, jetzt hat sich eine Gruppe mit dem Namen "Bewegung für die Menschen im Nigerdelta" in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP zu der Entführung bekannt. Die Geiselnehmer verlangen die Freilassung von Gefangenen.


Port Harcourt/Nigeria - Die E-Mail sei einem AP-Reporter gestern zugeleitet worden, meldete die Nachrichtenagentur in der Nacht. In dem Schreiben bekannte sie sich die "Bewegung für die Menschen im Nigerdelta" den Angaben zufolge zur Entführung des Beschäftigten des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger AG in Nigeria. Im Austausch gegen den Deutschen verlange die die Gruppe die Freilassung von zwei Gefangenen, hieß es weiter. Die Authentizität der Mail konnte zunächst nicht verifiziert werden.

Den darin enthaltenen Forderungen zufolge soll der Gouverneur des Staates Bayelsa, Diepreye Alamieyeseigha, freigelassen werden. Ihm werden Straftaten im Finanzbereich zur Last gelegt. Für den Austausch benannt wird ferner Mujahid Dokubo-Asari, ein früherer Rebellenführer, der wegen Hochverrats vor Gericht steht. In der Erklärung der Gruppe heißt es, man suche "größere Emanzipation für die Menschen im Nigerdelta von den Klauen unserer Unterdrücker".

Die deutsche Geisel sei aber mit dem größten Respekt behandelt worden, der unter den gegebenen Umständen möglich sei.

Der Deutsche, der dem Konzern Bilfinger Berger beim Bau von Einrichtungen eines internationalen Ölunternehmens half, wurde am Donnerstag im Südosten des Landes auf dem Weg zur Arbeit aus seinem Auto heraus von zehn Männern verschleppt. Einen Tag später wurden auch drei philippinische Mitarbeiter einer Erdölfirma entführt. Sie wurden in der E-Mail nicht erwähnt.

Militante Gruppen wie die Befreiungsbewegung des Niger-Deltas hatten in der Region zuletzt häufig ausländische Ölarbeiter als Geiseln genommen oder Einrichtungen der Ölindustrie angegriffen - meist um soziale Forderungen wie die Schaffung von Arbeitsplätzen durchzusetzen. Seit Januar wurden mehr als dreißig ausländische Arbeiter vorübergehend entführt. Mehr als 25 nigerianische Sicherheitskräfte, die die Ölanlagen und ihre Angestellten schützen sollten, wurden bei Kämpfen mit Bewaffneten getötet.

Als Folge der Angriffe ging die Erdölförderung in den vergangenen Monaten stark zurück. Nigeria ist weltweit der sechsgrößte Ölexporteur. Mehr als 95 Prozent seiner Devisen bezieht das westafrikanische Land aus dem Ölverkauf. Zugleich lebt ein Großteil der Bevölkerung in bitterer Armut.

phw/AP/AFP



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