Geiselnahme in Moskau Parlament soll den Tod im Theater untersuchen

In Moskau sind die ersten Todesopfer aus dem Theater "Nord-Ost" beigesetzt worden. Mehr als 300 Personen werden noch in Kliniken behandelt. Erstmals verlangte eine russische Partei eine Untersuchung der Geiselnahme.


Moskau: Sicherheitskräfte schleppen Geiseln aus dem Theater
EPA/DPA

Moskau: Sicherheitskräfte schleppen Geiseln aus dem Theater

Moskau - Eine Sprecherin der Partei Union der Rechten Kräfte (SPS) würdigte zwar das professionelle Vorgehen der Sondereinsatzkräfte bei der Geiselbefreiung. Zugleich verlangte sie aber auch eine Untersuchung zu den Sicherheitslücken, die die Geiselnahme im Zentrum Moskaus ermöglichten, zur Entscheidung über die Stürmung des Theaters und zur Behandlung der befreiten Geiseln in den Krankenhäusern.

Die meisten Todesopfer waren nach Angaben von Ärzten auf die Einwirkung des Gases zurückzuführen, das zur Lähmung der Geiselnehmer in das Theater eingeleitet worden war. Damit sollte verhindert werden, dass sie ihre Bomben zünden konnten. Ärzte kritisierten aber, dass ihnen keine Informationen über das Gas zur Verfügung gestellt worden seien, um die Patienten richtig zu behandeln.

Auch anderen Staaten gegenüber schwiegen die russischen Behörden. Wie andere Botschaften habe auch die US-Vertretung um Informationen gebeten, sagte ihr Sprecher. "Wir haben aber nur erste Informationen über die Wirkungen des eingesetzten Stoffes erhalten." Die Amerikaner zeigten zugleich Verständnis für das Vorgehen Russlands zur Befreiung der mehr als 700 Geiseln. Die Schuldigen seien die die Terroristen, sagte der Sprecher des US-Präsidialamts: "Die russische Regierung stand vor einem schwierigen Dilemma wegen dieser grausamen terroristischen Handlung." Es habe keinen einfachen Ausweg gegeben.

Der Münchener Toxikologe Thomas Zilker sagte, vermutlich sei das Gas eine Geheimentwicklung Russlands. Lew Fjodorow, ein russischer Chemiewaffen-Experte, erklärte, er glaube, das Gas sei während des Kalten Krieges entwickelt worden und ursprünglich für den Kampfeinsatz vorgesehen gewesen.



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