Geiselnahme Vier Franzosen im Jemen entführt

Eine Gruppe bewaffneter Männer hat im Jemen vier französische Urlauber verschleppt. Erste Berichte, dass unter den Gekidnappten auch Deutsche seien, bestätigten sich nicht.


Sanaa/Berlin - Die Entführer vom Stamm Al-Abdullah wollten mit der Gefangennahme der Franzosen fünf Clanmitglieder freipressen, die wegen eines Blutrachemords in Haft sitzen, hieß es aus Stammeskreisen. Die Fünf sollten bereits Ende vergangenen Jahres freikommen. Damals war der frühere deutsche Staatssekretär Jürgen Chrobog mit seiner Familie während einer Urlaubsreise im Jemen von dem gleichen
Stamm verschleppt worden. Die Chrobogs wurden unter der Bedingung freigelassen, dass die fünf Inhaftierten von den Behörden auf freien Fuß gesetzt würden. Die Regierung des Jemen hielt sich jedoch nicht an das Abkommen.

Sowohl deutsche als auch jemenitische Behörden dementierten erste Berichte, dass unter den Gekidnappten auch Deutsche seien. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, die deutsche Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa habe Kontakt mit den Behörden aufgenommen. Es gebe aber bislang keine Hinweise auf deutsche Geiseln. Auch ein Vertreter der örtlichen Behörden in Tschabwa sprach von vier Franzosen. Das französische Außenministerium in Paris bestätigte ebenfalls, dass alle vier verschleppten Urlauber aus Frankreich stammen. Vertreter einheimischer Volksstämme im Jemen hatten zuvor gesagt, dass im Südosten des Jemen zwei Deutsche und zwei Franzosen verschleppt wurden.

Die Kidnapper hatten einen Touristenkonvoi in der Region Schabwa gestoppt und die vier Franzosen zum Aussteigen aus ihrem Fahrzeug gezwungen. Der Al-Abdullah-Stamm hatte die Chrobogs im Dezember 2005 in der gleichen Gegend, rund 450 Kilometer südöstlich von Sanaa, verschleppt.

Im Jemen sind in den vergangenen Jahren mehr als 200 Ausländer entführt worden. Zuletzt waren Anfang Januar fünf Italiener verschleppt worden, die wenige Tage später von einem Spezialkommando der jemenitischen Armee befreit wurden. Die Geiselnahmen überschatten das Bild als attraktives Urlaubsziel, mit dem sich das Land neue Einnahmequellen erschließen möchte.

Das Auswärtige Amt weist in seinen Reiseempfehlungen für das
südarabische Land ausdrücklich auf das Entführungsrisiko hin. "Von Reisen in die Provinz Schabwa wird auf Grund jüngster Drohungen ganz abgeraten", heißt es in der zuletzt Anfang August aktualisierten Warnung des Ministeriums.

kai/dpa/AFP



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