Geiselnahme von Nairobi Schabab-Terroristen mieteten Laden als Waffendepot

Die Schabab-Kämpfer haben die Sicherheitskräfte mit ihrem Überfall auf ein Einkaufszentrum in Nairobi überrumpelt. Neue Details offenbaren den akribischen Plan. Mit gefälschten Dokumenten mieteten sich die Täter in der Mall ein, versteckten dort Waffen. Ein Luftschacht diente als Unterschlupf.

AP/ Kenya Presidency

Hamburg - Nach dem Terrorangriff in der kenianischen Hauptstadt Nairobi untersuchen Ermittler aus den USA, Großbritannien, Kanada und Deutschland gemeinsam mit Interpol und kenianischen Sicherheitskräften den Tatort. Laut BBC haben die radikalislamischen Terroristen die Geiselnahme in der Westgate Mall akribisch geplant.

Demnach sollen sie in den Wochen davor einen Laden in dem Einkaufszentrum gemietet haben. So hatten sie Zugang zu dem umfangreichen Sicherheitssystem des Anwesens - und ausreichend Zeit, ihre Waffen zu deponieren. Zudem hatten sie auf diesem Weg während des Überfalls jederzeit Zugriff auf Munition. Womöglich haben korrupte Regierungsmitglieder ihnen gefälschte Zugangsdaten beschafft, wie die BBC berichtet.

Kämpfer der somalischen Schabab-Miliz hatten das Einkaufszentrum überfallen und sich mit Geiseln vier Tage lang verschanzt. Mindestens 67 Menschen kamen dabei ums Leben, nach Angaben des kenianischen Roten Kreuzes werden noch immer weitere 61 Personen vermisst. Experten der Spurensicherung suchen den Gebäudekomplex nach zusätzlichen Opfern ab.

Versteck im Lüftungsschacht

Sie seien extrem gut vorbereitet gewesen, sagte ein Ermittler der "Financial Times". "Sie kannten das Gebäude, sie wussten, wo sie sicher sind und von wo aus sie schießen konnten." In einem Lüftungsschacht im ersten Stock des Einkaufszentrums sollen sie sich laut BBC versteckt und zwei Fahrzeuge außerhalb des Geländes geparkt haben, vermutlich als Fluchtfahrzeuge.

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Geiselnahme in Kenia: Vier Tage Schabab-Terror in Nairobi
Sicherheitskräfte bestätigten BBC, dass die Geiselnehmer kurzfristig ihre Pläne geändert haben: Sie nutzten am Samstag den Moment, in dem die Zuständigkeit für die Sicherheit des Gebäudekomplexes von Polizei auf Militär umschaltete, um anzugreifen.

"Muslime, verlasst das Gebäude!", dieser gellende Schrei habe ihn aufgeschreckt, erzählt Joshua Hakim der "New York Times". Der Angestellte lief in diesem Moment durch das Einkaufszentrum. Die Islamisten hätten die Mall gestürmt und auf Männer, Frauen und Kinder geschossen. Er habe ihnen seine Wahlberechtigungskarte entgegengehalten, um ihnen seinen Nachnamen zu zeigen, sagt Joshua Hakim - das rettete ihm das Leben. Denn er selbst sei zwar kein Muslim, sein arabischer Nachname aber lasse diesen Schluss zu.

Tote bei Parkhaus-Explosion

Die Rundfunksprecherin Sneha Kothari Mashru sagte der "New York Time", sie habe sich hinter einem Auto versteckt, als ein Junge neben ihr erschossen wurde. Als dessen Handy geklingelt und sie danach gegriffen habe, habe sie sein Blut an den Händen gehabt. In ihrer Todesangst verteilte sie das Blut des Opfers auf ihren Armen, um den Geiselnehmern zu suggerieren, auch sie sei tot. "Es war schrecklich", sagt Mashru.

Bilder zeigen nun erstmals auch das Ausmaß der Zerstörung: Demnach haben die Terroristen durch mehrere Bombenexplosionen fast vollständig ein Parkhaus zerstört. Unklar ist, wie viele Menschen dabei ums Leben kamen.

Interpol fahndet nach der als "Weiße Witwe" bekannten Britin Samantha Lewthwaite. Die 29-Jährige soll an dem Überfall auf die Westgate Mall beteiligt gewesen sein. Gesucht wird die muslimische Konvertitin den Angaben zufolge auch wegen Plänen für Bombenanschläge auf Hotels in Kenia 2011.

Lewthwaite war mit einem der Männer verheiratet, die 2005 Selbstmordattentate in London verübt und 52 Menschen mit in den Tod gerissen haben sollen.

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