SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

07. Februar 2019, 14:25 Uhr

Diplomatischer Streit wegen Gelbwesten

Frankreich ruft Botschafter aus Italien für Gespräche zurück

"Inakzeptable Provokation": Frankreich reagiert auf die Unterstützung Italiens für die Gelbwesten, die den Rücktritt von Präsident Macron fordern. Der Botschafter in Rom wurde für Gespräche zurückbeordert.

"Gelbwesten - bleibt standhaft!" - so hatte Italiens Vizeregierungschef Luigi Di Maio von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung die Gelbwesten-Demonstranten in Frankreich bereits zu Jahresbeginn angefeuert. Anfang des Monats traf er sich dann mit Europawahl-Kandidaten der Macron-Gegner in Frankreich. Und Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei erklärte, er unterstütze "ehrenhafte Bürger" im Protest gegen Präsident Emmanuel Macron, der "gegen sein Volk" regiere.

Frankreich hat jetzt auf die mehrfachen Einmischungen Roms reagiert: Der Botschafter wurde zu Gesprächen nach Paris zurückgerufen. Die Aktionen Italiens seien eine "inakzeptable Provokation", teilte das französische Außenministerium mit. "Sie verletzen den Respekt, den demokratisch und frei gewählte Regierungen einander schulden."

"Unstimmigkeiten zu haben, ist eine Sache, aber die Beziehungen für Wahlziele zu manipulieren, ist eine andere", teilte das Außenministerium weiter mit. Die "Gelbwesten" fordern bei ihren wöchentlichen Kundgebungen den Rücktritt Macrons und eine Abkehr von dessen Sozialpolitik.

"Viele gemeinsame Punkte"

Die italienische Regierung liegt bereits seit längerem mit Macron im Clinch - unter anderem wegen ihrer restriktiven Einwanderungspolitik. Erst kürzlich hatte Frankreich Italiens Botschafterin wegen "inakzeptabler Äußerungen" Di Maios einbestellt. Die Massenflucht aus Afrika sei darauf zurückzuführen, "dass bestimmte europäische Länder, Frankreich an erster Stelle, nie aufgehört haben, Dutzende afrikanische Länder zu kolonisieren", hatte Di Maio im Januar gesagt.

Das Büro des Vizeregierungschefs hatte nach dem Gespräch mit den Gelbwesten mitgeteilt, mit den Kandidaten solle es in den "kommenden Wochen" ein weiteres Treffen in Rom geben. Zwischen den "Gelbwesten" und der Fünf-Sterne-Bewegung bestünden viele "gemeinsame Punkte", erklärte Di Maios Büro. Dies betreffe etwa die Themen soziale Gerechtigkeit, direkte Demokratie und Umwelt. "Der Wind des Wandels hat die Alpen überquert", sagte Di Maio auf Twitter.

als/AFP/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung