Frankreich Uno fordert Untersuchung von Polizeigewalt gegen Gelbwesten

Französische Polizisten setzen bei Protesten der Gelbwesten immer wieder Gummigeschosse und Blendgranaten ein. Dabei kommt es wiederholt zu schweren Verletzungen. Nun fordert die Uno Aufklärung.

Polizist in Lille
AP

Polizist in Lille


Die Proteste der Gelbwesten beschäftigen Frankreich seit Monaten. Zuletzt diskutierte das Land dabei auch über gewaltsame Maßnahmen der Polizei. Die Uno hat Frankreich nun aufgefordert, Fälle übermäßiger Polizeigewalt bei den Gelbwesten-Protesten zu untersuchen.

Die Hohe Kommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, verlangte eine "vertiefte Untersuchung zu Berichten über Fälle exzessiver Gewaltanwendung" durch die Sicherheitskräfte. Die Regierung müsse den Dialog mit der Protestbewegung suchen, erklärte sie.

Im Mittelpunkt der Diskussion stehen in Frankreich der umstrittene Einsatz von Gummigeschossen und Blendgranaten mit Sprengstoffanteilen. Beides darf die französische Polizei zum Selbstschutz einsetzen. Das hatte Anfang Februar noch der Pariser Staatsrat bestätigt: Das Gewaltrisiko bei den Demonstrationen mache den Einsatz der Hartgummimunition notwendig. In vielen anderen EU-Ländern sind diese Mittel verboten.

Auch Europarat kritisiert Einsatz von Gummigeschossen

Der Europarat hatte Frankreich bereits vor gut einer Woche aufgerufen, auf den Einsatz der umstrittenen Gummimunition gegen Demonstranten zu verzichten. Die Organisation verwies dabei auf die zahlreichen Verletzten bei Kundgebungen der Gelbwesten.

Nach Angaben des französischen Innenministeriums von Anfang Februar wurden insgesamt mehr als 2000 Menschen bei den Protesten verletzt, davon wertete das Ministerium 70 als "absolute Notfälle". Dem standen mehr als 1300 verletzte Sicherheitskräfte gegenüber.

Erst vor knapp einem Monat verlor ein Gelbwesten-Aktivist bei einer Demonstration nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP eine Hand. Laut einem Zeugenbericht wollte er eine Blendgranate abwehren, die dann explodiert sei. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete hingegen unter Berufung auf Polizeikreise, dass der Mann eine Blendgranate der Polizei zurückwerfen wollte. Die Polizei sprach bei der Verletzung von vier abgetrennten Fingern.

Die Gelbwesten demonstrieren seit gut drei Monaten gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron. Sie werfen der Polizei unter anderem vor, interne Anweisungen zu missachten und mit den Gummigeschossen auch auf die Köpfe der Demonstranten zu zielen. Rund 20 Menschen beklagen den Verlust eines Auges.

aev/AFP



insgesamt 39 Beiträge
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hardeenetwork 06.03.2019
1. Gelbwesten
Die Gelbwesten überschreiten meiner Meinung nach ihre Grenzen deutlich. Demo ja, Gewalt nein. Und bei den Ausschreitungen gibt es auf beiden Seiten Gewalt. Sollen sie doch eine Partei gründen und es besser machen. Das wäre mal klug und konsequent. Aber das macht ja keiner. Leider.
flytogether 06.03.2019
2. Es ist müßig, die Entgleisungen
auf beiden Seiten abzuwägen bzw. zu diskutieren. Aber über die Feststellung, dass das Gewaltpotential auf beiden Seiten, welches einer Demokratie unwürdig ist, sollte diskutiert werden. Der Franzose sollte sich mal generell die Frage stellen, ob er schnell an das Ende seiner kommunikativen Fähigkeiten gelangt und dann nur noch das Argument der Gewalt als Problemlösung sieht.
widower+2 06.03.2019
3. Das hat Tradition
Schon 1977 habe ich in Paris gesehen, wie die Polizei eine kleine Demonstration brutal zusammenprügelte. Anscheinend lässt sich der Widerspruchsgeist der Franzosen aber auch von geradezu systematischer Polizeigewalt nicht ersticken. Tapferes Völkchen.
kascha_2013 06.03.2019
4. Selbstverständlich sind Gewaltaktionen auf beiden Seiten der
Demonstration zu verurteilen. Ich bewundere aber immer noch die Bereitschaft der Franzosen sich gegen ihre „Eliten“ zur Wehr zu setzen und das sehr energisch. In Deutschland würde der Michel sich in die Hose machen, wenn er denn das Sitzfleisch überhaupt von der Couch bekommt. Wir sind in Deutschland sowas von angepasst und langweilig.
kzr 06.03.2019
5. Partei
Zitat von hardeenetworkDie Gelbwesten überschreiten meiner Meinung nach ihre Grenzen deutlich. Demo ja, Gewalt nein. Und bei den Ausschreitungen gibt es auf beiden Seiten Gewalt. Sollen sie doch eine Partei gründen und es besser machen. Das wäre mal klug und konsequent. Aber das macht ja keiner. Leider.
Die Gelbe Vesten können keine Partei gründen: der einzige Gen was alle gemeinsam in ihre DNA haben, ist die Aversion für die Demokratie so wie Sie ist in Frankreich. Die wenigen die es versucht haben, sind mit Mord bedroht worden. Es zeigt schon womit wir hier zu tun haben...
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