Paris Mehr als hundert Festnahmen bei Gelbwesten-Protesten

In Frankreich protestierten erneut Anhänger der Gelbwesten, etliche Demonstranten wurden verhaftet. Es ist das erste Mal nach dem Brand von Notre-Dame, dass die Menschen wieder auf die Straßen gehen.

Gelbwesten-Demonstration in Paris
DPA

Gelbwesten-Demonstration in Paris


Fünf Tage nach dem verheerenden Brand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame ist es in der französischen Hauptstadt bei Protesten der Gelbwesten-Bewegung erneut zu Ausschreitungen gekommen: Zahlreiche Anhänger demonstrierten in Paris und weiteren französischen Städten.

Bis zum frühen Samstagnachmittag seien in der Hauptstadt mehr als hundert Menschen festgenommen worden, berichtete der Sender France Info unter Berufung auf Behördenangaben. Zudem habe es mehr als 11.000 präventive Kontrollen gegeben. Die Demonstranten protestierten hauptsächlich im Pariser Osten. Es kam erneut zu Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, mehrere Fahrzeuge gingen in Flammen auf.

Die Bewegung geht seit November gegen die Reformpolitik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf die Straße. Es ist das 23. Wochenende in Folge, an dem Anhänger der Bewegung demonstrieren. An der ersten Kundgebung in Paris seit dem Brand der Kathedrale von Notre-Dame nahmen mehrere Tausend Menschen teil. In der französischen Hauptstadt sind rund um die bei dem Brand schwer beschädigte Kirche und die Champs-Élysées keine Proteste erlaubt. Auf der Prachtmeile war es immer wieder zu heftigen Ausschreitungen gekommen.

Für das Osterwochenende hatten Führungsfiguren der zersplitterten Bewegung schon vor Wochen zu Protesten aufgerufen. Frankreich hatte sich daher erneut auf schwere Ausschreitungen vorbereitet, Innenminister Christophe Castaner hatte ein großes Sicherheitsaufgebot angekündigt. Ärger gab es unter einigen Anhängern der Bewegung über die hohen Spenden, die in kurzer Zeit für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame zusammenkamen.

skr/AFP/dpa

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modemhamster 20.04.2019
1. Mal wieder...
Lesetipp, weil ja hier nicht ist, was nicht sein darf: "Das Schweigen über die Ziele der Gelbwesten und die Staatsgewalt gegen sie Wenn es die Gelbwestenproteste, die mittlerweile mehr als 5 Monate andauern, in Deutschland in die Medien kommen, dann geht es meistens um militante Auseinandersetzungen und verletzte Polizisten. Über die verletzten Demonstrantinnen und Demonstranten auf Seiten der Gelbwestenbewegung wird hierzulande kaum berichtet. Dabei gibt es mehrere Demonstranten, die ein Auge verloren haben durch Waffen, die eigentlich geächtet sind." Telepolis. Auf SPON mal wieder: Das schweigen der Lämmer
claus7447 20.04.2019
2. Sichtweise
Zitat von modemhamsterLesetipp, weil ja hier nicht ist, was nicht sein darf: "Das Schweigen über die Ziele der Gelbwesten und die Staatsgewalt gegen sie Wenn es die Gelbwestenproteste, die mittlerweile mehr als 5 Monate andauern, in Deutschland in die Medien kommen, dann geht es meistens um militante Auseinandersetzungen und verletzte Polizisten. Über die verletzten Demonstrantinnen und Demonstranten auf Seiten der Gelbwestenbewegung wird hierzulande kaum berichtet. Dabei gibt es mehrere Demonstranten, die ein Auge verloren haben durch Waffen, die eigentlich geächtet sind." Telepolis. Auf SPON mal wieder: Das schweigen der Lämmer
Ich sehe brennende Autos, zerstörte und geplünderten Restaurants und Geschäfte. Sehen Sie das friedlich? Meinen sie die Polizei könnte diese (Chaoten) durch freundliches bitten zur Wache bringen. Ihr mimimi kommt nicht an.
Korken 20.04.2019
3. Minderheit der Minderheit
Wieviel "Gelbwesten" waren es diesmal? Landesweit noch weniger als eine Kleinstadt? Das sowas überhaupt prominent in den Medien erscheint, dabei sind da oft nur noch organisierte Chaoten unterwegs, die einfach Randale wollen und der Rest akzeptiert einfach keine Demokratie. Die "Teilnehmerzahlen" sind ein Witz und doch versucht Macron, auch diese Leute zum verstehen zu bringen. Große Achtung hiervor.
kh.groenewald 20.04.2019
4. modemhamster
Wenn der Mob meint randalieren zu müssen, fremdes Eigentum zerstört und meint Plündern zu müssen, muss man damit rechnen. Demonstrieren geht in Ordnung, allerdings hat so ein asoziales Verhalten nichts mit demonstrieren zu tun.
Rosenblüte1 20.04.2019
5. Neid: Laster oder Tugend?
Mich wundert, dass der Neid derjenigen, die nicht zum reichsten einen Prozent gehören, immer wieder so lautstark kritisiert wird: jetzt gerade wieder angesichts der Großspenden für Notre-Dame und der Kritik daran. Angesichts der krassen sozialen Ungleichheit unserer Tage sollten wir einmal ernsthaft unser Verständnis von Tugenden debattieren; denn aus Neid entstehender Zorn über solche Verhältnisse ist meines Erachtens eine gesunde Reaktion auf die Ungerechtigkeit darin und kein Laster. Im Gegenteil: Neid wirkt hier als Triebkraft, die uns motivieren soll, für gesellschaftliche Verhältnisse zu kämpfen, in denen jede*r in Würde leben kann. Materielle Ungleichheit zerstört Gesellschaften: Sie senkt die durchschnittliche Lebenserwartung, lässt Menschen häufiger krank werden, sowohl körperlich als auch seelisch, reduziert den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen, treibt Teenagerschwangerschaften, krankhaftes Übergewicht und Gewaltraten in die Höhe, bringt mehr Menschen ins Gefängnis und reduziert die Aufstiegschancen derjenigen, die nicht zu den reichsten 20% gehören. Dabei schadet sie durchaus nicht nur der Masse, sondern auch den Reichen: Die gestiegene gesellschaftliche Fallhöhe erhöht auch bei ihnen diffuse Abstiegsängste und hat deshalb für sie sehr ähnliche Folgen. All dies ist wissenschaftlich eindeutig erwiesen. (Wilkinson, Pickett: Gleichheit. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind, ISBN-13: 978-3942989923) Neid ist dann destruktiv, wenn ich meinem Nachbarn seinen Lamborghini zerkratze, entweder real oder zwanghaft in meiner Phantasie. Das wäre tatsächlich lasterhaft; so etwas sollten wir tatsächlich vermeiden. Von Hartz-IV-Empfängern und Erwerbsminderungsrentnern jedoch zu fordern, dass sie Multimilliardären ihren Reichtum von Herzen "gönnen", halte ich für Heuchelei. Deutliche Kritik an der Ungleichheit der gesellschaftlichen Verhältnisse ist eine Tugend, kein Laster.
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