Generalstreik in Frankreich Krawalle in Paris befürchtet - 6000 Polizisten im Einsatz

Die Rentenreform ist eines der wichtigsten Vorhaben von Frankreichs Staatschef Macron. Viele Berufsgruppen befürchten Nachteile und gehen heute landesweit auf die Straße, besonders heikel aber wird die Lage in Paris.
245 Demonstrationen sind in Frankreich angemeldet: Neben Protesten auf der Straße droht auch ein Verkehrschaos

245 Demonstrationen sind in Frankreich angemeldet: Neben Protesten auf der Straße droht auch ein Verkehrschaos

Foto: EyeEm/ Getty Images

Mit einem massiven Sicherheitsaufgebot rüstet sich Frankreich für einen Streik, der das gesamte Land lahmlegen könnte. Allein in der Hauptstadt werden 6000 Polizisten zusätzlich im Einsatz sein, kündigte der Pariser Polizeipräsident Didier Lallement an.

Zum "Generalstreik" gegen die Rentenform haben zahlreiche Gewerkschaften aufgerufen. Züge, Metro, Bus - alles soll weitestgehend stillstehen. Aber auch an Schulen, im öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern oder der Justiz soll die Arbeit niedergelegt werden. Die Behörden rechnen bei Demonstrationen in Paris wieder mit heftigen Ausschreitungen.

  • Der Zugverkehr in ganz Frankreich ist mindestens am heutigen Donnerstag massiv gestört. Die französische Bahngesellschaft SNCF hat angekündigt, dass nur einer von zehn TGV Schnellzügen fahren werde. Bei Regionalzügen sieht es ähnlich aus. Auch der Bahnverkehr nach Deutschland wird weitgehend lahmgelegt (was deutsche Reisende wissen müssen, finden Sie hier). Mindestens 20 Prozent der Flugzeuge bleiben am Boden. Besonders schwerwiegend wird die Situation wohl in Paris. Auf der Mehrzahl der Metrolinien ist der Verkehr eingestellt. Auch Busse und Trams fahren nur extrem eingeschränkt.

  • Auch Mitarbeiter des Energiekonzerns EDF, die Müllabfuhr, Anwälte, Polizisten, Bodenpersonal an Flughäfen und Studenten wollen auf die Straße gehen. Auch wenn der Streik branchenübergreifend ist, wird nicht die gesamte Arbeiterschaft des Landes die Arbeit niederlegen.

  • In ganz Frankreich sind nach Angaben von Innenminister Christophe Castaner 245 Demonstrationen angemeldet.

In Paris soll es einen großen Demonstrationszug geben. Aus Sicherheitsbedenken hat die Polizei Ladenbesitzer an der Demoroute aufgefordert, ihre Geschäfte und Restaurants nicht zu öffnen. "Wir wissen, dass der radikale schwarze Block und 'Gelbwesten' beschlossen haben, an den Demonstrationen in Paris teilzunehmen", sagte Castaner.

Behörden rechnen mit Krawallen

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Generalstreik: Frankreich im Ausnahmezustand

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Doch was ist der Grund für den riesigen Streik? Die geplante Rentenreform treibt die Menschen auf die Straße. Sie gilt als wichtigste Sozialreform von Staatschef Emmanuel Macron. Das neue System soll die Zersplitterung in Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden und somit solidarischer sein. Arbeitnehmer sollen auch dazu gebracht werden, länger zu arbeiten (mehr dazu lesen Sie hier).

Nach den "Gelbwesten"-Protesten ist sie die nächste große Herausforderung für Präsident Macron und ein durchaus heikles Vorhaben. In Frankreich fürchten nun viele einen Streik wie zuletzt 1995. Damals wurde wochenlang gegen die Renten- und Sozialversicherungsreform des damaligen Premierministers Alain Juppé protestiert. Auch der aktuelle Streik wird wohl nicht am Donnerstagabend vorbei sein, sondern dürfte sich hinziehen. Für das Wochenende werden wieder massive "Gelbwesten"-Proteste in Paris erwartet.

mho/dpa