Anti-Soros-Kampagne in Ungarn Orbán-Partei bringt Buch von deutschem Ufologen heraus

Der liberale US-Milliardär George Soros ist Ungarns Nationalisten verhasst. Jetzt will die Partei von Regierungschef Orbán ein Buch mit Verschwörungstheorien über ihn unter Politikern und Aktivisten verteilen.
Viktor Orbán

Viktor Orbán

Foto: JONATHAN NACKSTRAND/ AFP

Im Sommer grinste der US-Milliardär und Philanthrop George Soros fies von Plakatwänden, nun fügt Ungarns nationalkonservative Regierung ihrer Anti-Soros-Kampagne ein weiteres Kapitel hinzu: Die Regierungspartei Fidesz von Regierungschef Viktor Orbán plant, 5000 Exemplare des Buches "George Soros" unter Parlamentsabgeordneten und Aktivisten im ganzen Land zu verteilen.

Das Traktat gegen den liberalen Großspender stammt von Andreas von Retyi, einem deutschen Verschwörungstheoretiker und Ufo-Gläubigen. Die Orbán-Regierung beschuldigt den US-Milliardär, einen Plan zu verfolgen, um Millionen Migranten in Europa anzusiedeln und die "nationale und christliche Identität" der Völker Europas auszulöschen. Zugleich missfällt ihr, dass Soros zivile, teils regierungskritische Organisationen unterstützt.

Fidesz-Sprecher: "Es ist ein gründliches, genaues Werk"

Ein regierungsnaher Verlag sorgte für die ungarische Übersetzung des Buches des deutschen Autors. "Es ist ein gründliches, genaues Werk", sagte Fidesz-Sprecher Janos Halasz dem privaten Fernsehsender RTL Klub. Die anderen Arbeiten Retyis kenne er nicht, fügte Halasz hinzu.

Der 1963 in München geborene Autor ist als Verfasser verschwörungstheoretischer Literatur bekannt. Er bezweifelt den Ablauf der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA, schreibt über angebliche Machenschaften von Geheimsekten und die Gefahr durch Außerirdische. Viele der Bücher, darunter auch die Anti-Soros-Kampfschrift, erschienen im auch für rechte Verschwörungstheorien bekannten Kopp-Verlag.

cht/dpa