George W. Bush, die Zweite Mit Gebeten in die zweite Amtszeit

Unter schärfsten Sicherheitsmaßnahmen haben die Feierlichkeiten zur zweiten Amtseinführung von George W. Bush begonnen. Den Tag begann der fromme Präsident mit einem Gottesdienst in der St-John's-Kirche. Vereidigt wird Bush danach auf den Stufen des Kapitols.

Washington - Eine Wagenkolonne brachte Bush, seine Frau Laura und die Zwillingstöchter Barbara und Jenna die hundert Meter vom Weißen Haus zu der kleinen gelb gestrichenen Kirche direkt gegenüber. Die Vereidigung findet am Mittag (Ortszeit) statt. Die Umgebung des Weißen Hauses war für den Verkehr abgesperrt. Überall hatte die Polizei über Nacht Betonbarrieren aufgebaut.

Alle vier Jahre endet am 20. Januar um Punkt 12 Uhr (Ortszeit) die Amtszeit des Präsidenten. Dann erhebt der neue oder wie in diesem Fall wiedergewählte Amtsinhaber auf den Stufen des Kapitols, dem Sitz des Parlaments, die Hand zum Treueschwur auf die Verfassung. In einer Parade mit Militärbands und geschmückten Wagen zieht er dann an Hunderttausenden Zuschauern vorbei zum Weißen Haus.

Am Vorabend seiner Vereidigung waren die Bushs und die Familie von Vizepräsident Dick Cheney zu drei Candlelight Dinners für die größten Unterstützer seiner Wahlkampagne eingeladen. Davor war ein prächtiges Feuerwerk als Startschuss für den 36-stündigen Feiermarathon in der US-Hauptstadt gezündet worden. Unter dem Motto "A Celebration of Freedom" wurde unweit des Weißen Hauses ein Konzert gegeben, bei dem unter anderen der italienische Startenor Andrea Bocelli auftrat.

"Ich lege morgen den Amtseid ab und werde in meiner Antrittsrede über die Freiheit reden", kündigte Bush an. "Das ist die Sache, die unser Land eint und der ganzen Welt Hoffnung gibt." Er sei bereit und begierig, die vor ihm liegenden Aufgaben anzupacken. Freiheit eine das Land, gebe der Welt Hoffnung "und wird uns in eine Zukunft des Friedens führen", sagte Bush den Konzertbesuchern. Die amerikanische Nation rief er auf, nach dem Wahlkampf zur Einheit zurückzufinden und sich auf die zukünftigen Aufgaben zu konzentrieren.

Laut der vom Weißen Haus vorab verbreiteten Auszüge der Antrittsrede des Präsidenten sagt Bush darin, dass die Freiheit in den USA zunehmend von der Freiheit in anderen Ländern abhänge: "Die beste Hoffnung für Frieden in unserer Welt ist die Ausbreitung von Freiheit in aller Welt", sagt Bush nach dem vom Nachrichtensender CNN vorab verbreiteten Text seiner Antrittsrede. Weiter heißt es dort: "Amerika benötigt Idealismus, Mut und Tapferkeit, weil noch eine entscheidende Aufgabe vor uns liegt: die noch nicht vollendete Arbeit an der amerikanischen Freiheit. In einer Welt, die sich in Richtung Freiheit entwickelt, sind wir dazu bestimmt, zu zeigen, was Freiheit bedeutet und verspricht."

Gestern hatte Bush mit seiner Frau Laura das Nationalarchiv besucht. Dabei ließ er sich die Unabhängigkeitserklärung, das Original der US-Verfassung und der Menschenrechtserklärung zeigen. Am Vorabend seiner zweiten Amtseinführung spüre er das Gewicht der Geschichte, sagte der alte und neue Präsident.

Im Weißen Haus versammelten sich gestern insgesamt 146 Mitglieder der Präsidentenfamilie zu einem Essen, darunter Bushs Vater, Ex-Präsident George Bush, seine Mutter, seine drei Brüder und seine Schwester.

Rauschende Feste kosten 40 Millionen Dollar

Für den Abend sind ein großes Feuerwerk, festliche Dinner für große Parteispender und neun Bälle geplant. Die Amtseinführung ist das gesellschaftliche Ereignis des Jahres in Washington. Die Garderobe, die First Lady Laura Bush sich dafür schneidern ließ, ist in allen Einzelheiten auf der Webseite des Weißen Hauses zu bewundern.

Mit 40 Millionen Dollar sind die Kosten für eine Inauguration so hoch wie nie zuvor. Aber auch die Sicherheitsvorkehrungen erreichten neue Dimensionen: Dutzende Demonstrantengruppen haben Proteste angekündigt. Sie wollten die Bush-Doktrin des Präventivkriegs und die Einschränkung der Bürgerrechte anprangern. In der Innenstadt Washingtons waren seit Mittwochabend zahlreiche Straßenzüge für den Verkehr gesperrt. Zwischen dem Kapitol und dem Weißen Haus sollten zahlreiche Scharfschützen auf Dächern Position beziehen.

Tausende Polizisten und Soldaten sind seit Tagen im Einsatz. Der Luftraum wurde weiträumig abgesperrt. Dennoch waren Flugabwehrraketen in Stellung gebracht worden. Spezialkommandos standen bereit, um sich mit unauffälligen Geräten, die biologische oder chemische Kampfstoffe aufspüren können, unter die Besucher zu mischen. Auch in San Francisco, Los Angeles und anderen US-Städten wurden Demonstrationen mit tausenden Teilnehmern erwartet.

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