Georgien Ex-Lufthansa-Manager zum Regierungschef gewählt

Vor seinem Einstieg in die Politik war er bei Lufthansa für das Osteuropa-Geschäft zuständig - jetzt soll Giorgi Gacharia sein Heimatland Georgien als Premier führen. Dort aber ist er umstritten.

Giorgi Gacharia bei seiner Anhörung im georgischen Parlament
ZURAB KURTSIKIDZE/EPA-EFE/REX

Giorgi Gacharia bei seiner Anhörung im georgischen Parlament


Der frühere Lufthansa-Manager Giorgi Gacharia ist neuer Regierungschef in der Südkaukasusrepublik Georgien. Der 44 Jahre alte und als eher prowestlich geltende Politiker war zuletzt bereits Innenminister des Landes. Nun erhielt er bei einer Abstimmung im Parlament 98 Stimmen der Regierungspartei "Georgischer Traum". Gegenstimmen gab es nicht, allerdings beteiligten sich Oppositionsparteien demonstrativ nicht an der Abstimmung.

Zuvor war Mamuka Bachtadse nach nur einem Jahr im Amt als Ministerpräsident zurückgetreten. Sowohl er als auch Gacharia gelten als treue Gefolgsleute des georgischen Milliardärs Bidsina Iwanischwili, der die Strippen in der georgischen Politik zieht und die Partei "Georgischer Traum" vor einigen Jahren gegründet hatte.

Studium in Moskau

Der neue Ministerpräsident Gacharia war von 2008 bis 2013 als Direktor bei der Fluggesellschaft Lufthansa für die Geschäftsentwicklung in Osteuropa und in den Staaten der früheren Sowjetunion zuständig. Im Amt des Innenministers stand Gacharia zuletzt bei den Massenprotesten in Tiflis wegen des harten Vorgehens der Polizei in der Kritik.

Als Regierungschef bekräftigte er, dass Georgien weiter einen EU- und einen Nato-Beitritt anstrebe und die Beziehungen zu den USA vertiefen wolle. Gacharia, der in Moskau Politologie studiert hat, sagte, dass für Georgien die "Okkupation" der abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien heute das größte Problem sei. Damit seien 20 Prozent des Staatsgebiets für die Zentralregierung in Tiflis wirtschaftlich nicht nutzbar.

Nach einem kurzen Krieg hatte Russland 2008 die Kontrolle über Abchasien und Südossetien übernommen und beide als unabhängige Staaten anerkannt. Georgien bezeichnet Russland als Besatzer.

beb/dpa



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