Georgien-Krise Russische Imagepolitur in Berlin
Berlin - Wladimir V. Kotenev, 51, sitzt vor einer Schar Journalisten. Im mit Kronleuchtern behangenden Prunksaal der russischen Dependance setzt der Chefdiplomat zu einer klaren Botschaft an, mit entschlossener Stimme. Vermutlich würde er lieber über Chic und Charme seines Landes berichten, doch dieses Mal ist es anders. Der russische Botschafter hat zum Pressegespräch geladen und hält einen Vortrag zum Krieg im Kaukasus. Seine Mission: Das angekratzte Image der Russen in der westlichen Welt zurechtzurücken, die in den vergangenen Tagen mehrfach als Aggressoren und Kriegstreiber bezeichnet wurden.
Bereits der erste Punkt seiner Rede ist eine Schuldzuweisung: "In der Nacht zum 8. August haben georgische Truppen hinterlistig Südossetien überfallen. Hunderte georgische Panzerfahrzeuge drangen in Zchinwali ein, zermalmten Kinder und alte Frauen, die traurige Bilanz der Barbarei: Über 2000 Menschen sind tot." Er redet mit ruhiger Stimme, fügt hinzu: "Die russische Regierung durfte nicht zuschauen." Die Militäraktionen seien nicht nur moralisch gerechtfertigt, sondern auch durch Artikel 51 der Uno-Charta gedeckt, dem Recht auf Selbstverteidigung. Der Kern seiner Botschaft: "Russland hat keinen Krieg gegen Georgien geführt, es führte seinen Friedenseinsatz fort, um Menschen vor Völkermord zu retten."
Die Statements kommen nicht unerwartet, der Krieg im Kaukasus mag offiziell für beendet erklärt sein - die Propagandaschlacht geht weiter. Russland widmet sich nach den Militäraktionen in Georgien wieder den Beziehungen zum Westen. In diesem Sinn dankt Botschafter Kotenev dem derzeitigen Ratsvorsitzenden der EU, dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, für sein Engagement zur Lösung des Konflikts.
Allerdings sind damit Kotenevs versöhnliche Worte in der vorbereiteten Rede auch schon ausgeschöpft. Er widmet sich seiner zweiten Botschaft: Georgiens Staatschef Saakaschwili. Der sei nie Demokrat gewesen, sondern ein Politiker, der "nicht von Erpressung oder sogar Mord zurückschreckt". Den Einmarsch georgischer Truppen am 8. August nennt er den Beginn eines "Völkermords", mit dem Saakaschwili jede Glaubwürdigkeit verloren habe.
Auf den eigentlichen Teil des Termins, das Frage-Antwort-Spiel, scheint der Chefdiplomat am wenigsten vorbereitet zu sein. Ob Panzer von Gori in Richtung Tiflis rollen, will ein Journalist wissen. "Ich habe keine Panzer in Tiflis gesehen", entgegnet der Botschafter ohne zu lachen. "Wollten Sie nicht die Truppen aus Georgien abziehen?", wird die Frage ergänzt. Auch das scheint dem Botschafter nicht zu gefallen: "Sollen die Panzer mit russischen Raketen ausgeflogen werden?", blafft er zurück.
Der Botschafter ist offenbar nicht gut auf die Journalisten zu sprechen - er beklagt, deutsche Berichterstattung sei zu einseitig. Am Vortag habe er einem Fernsehsender ein Interview gegeben, "aber niemand hat daraus zitiert". Im Vordergrund stehe immer nur Saakaschwili, der einflussreiche Berater aus der westlichen Welt habe. Saakaschwili, der "größenwahnsinnige Selbstdarsteller", mache viel bessere Pressearbeit.