Geplante Radaranlage Russland fühlt sich durch US-Raketenabwehr in Osteuropa bedroht

Das russische Militär hat die US-Pläne für die Stationierung von Teilen eines umstrittenen Raketenabwehrsystems scharf kritisiert. Die Radaranlagen in Tschechien und Polen seien eine Bedrohung für Russland.


Moskau/Minsk/Prag - Die vorgesehene Aufstellung der Radartechnik richte sich nicht wie von den USA angekündigt gegen Raketen aus Iran sondern aus Russland, erklärte Generalleutnant Wladimir Popowkin heute in Moskau. Popowkin ist zuständig für den Streitkräftebereich Weltraum. Auch das weißrussische Verteidigungsministerium äußerte sich beunruhigt über die US-Pläne.

Die für Tschechien geplante Anlage sei mit einer Radarreichweite von bis zu 4500 Kilometern geeignet, "die strategischen Atomwaffen im europäischen Teil Russlands sowie der russischen Nordflotte zu beobachten", sagte Popowkin. Wollten die USA tatsächlich Iran überwachen, müsste die Radaranlage in der Türkei oder einem Land weiter südlich aufgebaut werden.

Die USA wiesen Popowkins Sorgen zurück. "Ich möchte noch einmal betonen, dass das Raketenabwehrsystem nicht gegen Russland gerichtet ist", sagte der stellvertretende US-Außenminister Daniel Fried der polnischen Zeitung "Rzeczpospolita". Mit dem System sollen nach Darstellung der US-Regierung feindliche Raketen aus Nordkorea, Iran oder anderen "Schurkenstaaten" abgefangen werden.

Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek nannte die Moskauer Bedenken "Unsinn". Er gehe davon aus, dass Russland sich mit der Zeit an dem Raketenabwehrsystem beteilige, unterstrich der Konservative in Prag. Verteidigungsministerin Vlasta Parkanova kritisierte die Vorwürfe aus Moskau als "politische Propaganda". Ihres Wissens würden die USA Russland laufend über solche Pläne unterrichten, betonte die Christdemokratin.

Die USA hatten Tschechien in den vergangenen Tagen erstmals offiziell um die Stationierung von Teilen dieses Raketenabwehrsystems gebeten. Die rund zehn Milliarden Dollar umfassenden Pläne sind jedoch schon lange bekannt. Washington will nach Regierungsangaben aus Prag bis zum Jahr 2010 an einem noch nicht genannten Ort in Tschechien eine Radaranlage installieren. Ein zur Radaranlage gehörendes Raketensilo soll vermutlich im nördlichen Polen gebaut werden.

Die polnische Regierung erwartet in den kommenden zwei Wochen erste Vorgespräche mit Washington über die mögliche Stationierung von Teilen des Systems. Wie der polnische Vizeaußenminister Witold Waszczykowski erklärte, wollen die USA einen Entwurf für Gespräche vorlegen, bei denen es um ein konkretes Stationierungsabkommen gehe. Polen warte nun auf diesen konkreten Vorschlag, sagte er der polnischen Agentur PAP.

Russland hatte das Projekt bereits in der Vergangenheit mehrfach kritisiert. Im vergangenen Jahr sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow, das Abwehrsystem sei ein Versuch, die strategische Balance zwischen Russland und dem Westen zu verändern.

phw/dpa/reuters



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