Geplünderte Arsenale Al-Qaida prahlt mit libyschen Waffen

Seit Wochen warnen Experten, dass Waffen aus geplünderten libyschen Beständen durch Afrikas Unruhegebiete geistern. Nun gibt es neue Indizien: In Niger und Mauretanien könnte das Kriegswerkzeug Terroristen und Ex-Gaddafi-Alliierten in die Hände gefallen sein.

Unbewachte Munitionskisten in der libyschen Wüste: Angst vor SAM-Raketen
AP

Unbewachte Munitionskisten in der libyschen Wüste: Angst vor SAM-Raketen


Es war ein ungewöhnlich heftiger Schlagabtausch, der am vergangenen Sonntag in nördlichen Niger zwischen der Armee des Landes und einer Gruppe unbekannter, aber umso schwerer bewaffneter Männer stattfand: Ein Soldat und 13 der Kämpfer seien dabei ums Leben gekommen, berichtet das Fach-Blog al-Wasat unter Berufung auf nigerische und westliche Medien.

Bei den bewaffneten Kämpfern könnte es sich um versprengte libysche Ex-Gaddafi-Loyalisten handeln, die offenbar gemeinsam mit Tuareg aus Mali unterwegs waren. Erstaunlich war, was die Kämpfer an Waffen bei sich hatten: elf Maschinengewehre verschiedener Typen, 36 Sturmgewehre und angeblich über 11.000 Schuss Munition. Außerdem noch drei Raketenwerfer.

SAM-Raketen auf den Schwarzmärkten

Das Arsenal dürfte aus Libyen stammen. Seit Wochen warnen Experten, aber auch der Uno-Sicherheitsrat und verschiedene Regierungen, vor der Gefahr, dass Waffen aus dem Land des gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi außer Landes geschafft worden sein könnten. Eine besonders große Sorge gilt Boden-Luft-Raketen, von denen in den Revolutionswirren etliche Exemplare verschwanden. In der Hand zum Beispiel von Terrorgruppen können sie eine veritable Gefahr für den zivilen Luftverkehr darstellen.

Das US-Außenministerium geht davon aus, dass es vor der Revolution etwa 20.000 dieser Raketen in Libyens Waffenkammern gab. Die Nato kann über den Verbleib von bis zu 10.000 dieser Raketen keine gesicherten Angaben machen; einige von ihnen könnten bei Nato-Angriffen zerstört worden sein. Allerdings häufen sich Meldungen, dass die sogenannten SAM ("surface-to-air missiles") auf den Schwarzmärkten der Region auftauchen, etwa in Ägypten oder dem Sudan.

Die Qaida-Filiale im Maghreb prahlt derweil bereits damit, im Besitz libyscher Waffen zu sein. Mokhtar Belmokhtar, ein Kommandeur des südlichen Zweigs des Terrornetzwerks, sagte einer mauretanischen Zeitung: "Es ist klar, dass wir in solchen Umständen von libyschen Waffen profitieren."

Allerdings lieferte er keine Beweise und sagte auch nicht, um welche Art Waffen es sich handelte.

yas



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autocritica, 11.11.2011
1. Eher doch an die Kollegen
Zitat von sysopSeit Wochen warnen Experten, dass Waffen aus geplünderten libyschen Beständen durch Afrikas Unruhegebiete geistern. Nun gibt es neue Indizien: In Niger und Mauretanien könnte das Kriegswerkzeug Terroristen und Ex-Gaddafi-Alliierten in die Hände gefallen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,797255,00.html
Also dass die gerade von der Nato an die Macht geputschte Al-Qaida Filiale in Libyen Ex-Gaddafi-Alliierte in den Nachbarländern mit ihren neuen Spielzeugen beliefert, halte ich doch für recht weit hergeholte These. http://www.youtube.com/watch?v=ZAfBoOsYK1c
steinaug 11.11.2011
2. Das
Das läuft ja richtig prima. In Lybien wird die Scharia eingeführt und AlQuaida hat sich neu bewaffnet.
wika 11.11.2011
3. Mal ehrlich …
… wundert dieser Bericht noch irgend jemanden? Wenn man zusammen mit Islamisten, Kriminellen und Qaida Kämpfern einen Gaddafi entsorgen lässt, dann sollte man sich doch über derlei Folgen vorher schon im klaren gewesen sein sein. Ich bin mir sicher, dass es billigend in Kauf genommen wurde, um jetzt noch viel lauter und intensiver wieder "Terror-Gefahr" ausrufen zu können. Im Sinne des Terror-Marketing & Proft-Optimizing - auch kurz ROT genannt (Return on Terror) würde ich eher mit folgendem rechnen: *"USA laufen zu den Taliban über"* … Link (unbewiesene aber profitablere Variante) (http://qpress.de/2011/10/30/usa-wollen-zu-den-taliban-uberlaufen/). Vergessen sie einfach die menschliche Komponente, die ist nur wichtig zur Einschüchterung der Massen, es geht um nichts anderes als um Macht und Profit. Insoweit also alles ein ganz normaler Vorgang der hier beschrieben wird.
moliebste 11.11.2011
4. "Versprengte Kämpfer"
Mit dem heutigen Tage hat eine Großoffensive der angeblich "verprengten Kämpfer" begonnen. Heftige Kämpfe in Zawiya mit Erstürmung der Gefängnisse und Gefangenenbefreiung. Kämpfe auch in Tripolis, Khoms, Benghazi und am Flughafen außerhalb des GRÜNEN Sabha. Und Bani Walid, Tarhuna und Tajoura sind von den NATO-Rebellen befreit.
Jonny_C 11.11.2011
5. Das ist zynisch,....
Zitat von steinaugDas läuft ja richtig prima. In Lybien wird die Scharia eingeführt und AlQuaida hat sich neu bewaffnet.
...leider haben Sie vollkommen recht und ich teile Ihre Meinung.
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