Deutscher Top-Spion koordiniert EU-Geheimdienste Mr. Hisbollah in neuer Mission

Als BND-Agent wurde Gerhard Conrad berühmt, streng geheim verhandelte er zwischen den Erzfeinden Hisbollah und Israel. Nun bekommt der Top-Spion eine neue Aufgabe: Ab 2016 soll er die Geheimdienste der EU besser koordinieren.

Zu Gerhard Conrad gibt es viele Legenden, mindestens aber genauso viele falsche Geschichten über ihn. Jahrzehntelang war der Orientalist nicht weniger als der deutsche James Bond. Für den Bundesnachrichtendienst (BND) ging er in den Nahen Osten, war getarnt als Diplomat an den Deutschen Botschaften in Beirut und Damaskus tätig. Immer wieder wechselte er sein Äußeres, kann perfekt in Arabisch parlieren, im Deutschen wechselt er wie auf Knopfdruck in einen neuen Akzent.

Nun bekommt der Top-Spion, bekannt als Mr. Hisbollah, eine neue Mission. Ungewöhnlich offen für einen Geheimdienst teilte der BND mit, Conrad werde ab 2016 die EU-Geheimdienstarbeit koordinieren und dazu das Intelligence Analysis and Situation Centre, kurz INTCEN genannt, übernehmen. Statt klandestiner Spionage wird dann Koordinierung auf Conrads Tod-do-Liste stehen - im Kern soll er die Erkenntnisse der Dienste innerhalb der EU besser zusammenführen.

Für Conrad bedeutet der neue Job die Rückkehr in die Öffentlichkeit. Seit Jahren agierte er verdeckt als Vermittler des BND in heiklen Angelegenheiten. Vor allem wegen seiner erfolgreichen Verhandlungen zwischen den Erzfeinden Israel und den radikalen Extremistengruppen Hisbollah und Hamas baute er sich einen Ruf auf. Damals ging es um die Freilassung einer israelischen Geisel, im Austausch kamen im Oktober 2011 mehr als tausend palästinensische Gefangene frei.

Seit dem Beginn der Nullerjahre hatte sich Conrad für den BND in die komplexen Verhandlungen eingeschaltet. Als Deutscher galt er beiden Seiten als neutraler und vertrauenswürdiger Unterhändler. Für seine Mission zwischen den verfeindeten Lagern legte er Hunderttausende Flugmeilen zurück. Trotz Rückschlägen kam er immer wieder, drängte auf einen Kompromiss, musste immer aufpassen, nicht in den Verdacht zu geraten, einer Seite zu viele Vorteile zu gewähren.

Bei der EU wartet auf Conrad eine schwierige Aufgabe. Bisher verfügt die Staatengemeinschaft nicht über einen eigenen Geheimdienst, die Behörde INTCEN allerdings soll in den kommenden Jahren die Erkenntnisse aus den Mitgliedsländern besser koordinieren, vor allem beim Thema Terror. Bisher liefert der Dienst mit nur rund 70 Mitarbeitern dem Europäischen Auswärtigen Dienst mit politisch-strategischen Analysen, eigene Aufklärungsfähigkeiten hat er nicht.

Conrads Aufgabe wird es sein, die Dienste der EU-Länder zu mehr Offenheit zu bewegen. Fast mahnend sagte BND-Chef Gerhard Schindler bei Conrads Ernennung, in Zeiten der Terrorgefahr spiele eine "enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Nachrichtendiensten eine wichtige Rolle". Bisher ist das Verhältnis eher von Abschottung geprägt. Wichtige Erkenntnisse und Quellen legen Spione nicht gern offen, das Geschäft ist Conrad bestens bekannt.

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