Iran Gericht verurteilt Reuters wegen angeblicher Propaganda

Die Nachrichtenagentur Reuters wurde in Teheran wegen "Propaganda gegen den Staat" schuldig gesprochen. Die Journalisten hatten einen Videobericht über iranische Kampfsportlerinnen gedreht. Den Titel über die weiblichen "Ninja-Killer" nahm das Regime zum Anlass, gegen die Reporter vorzugehen.


Teheran - Ein Videobericht über iranische Kampfsportlerinnen hat für Reuters heftige Konsequenzen: Ein Geschworenengericht in Teheran hat die Nachrichtenagentur wegen "Propaganda gegen den Staat" schuldig gesprochen. Zudem wurde Reuters schuldig gesprochen, "falsche Informationen" veröffentlicht zu haben, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, berichtete die iranische Agentur Irna unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

Die Entscheidung muss noch von einem Berufsrichter bestätigt werden. Es wird erwartet, dass der Richter in den kommenden Wochen ein Strafmaß verhängen wird. In dem Streit geht es um einen Reuters-Bericht über Iranerinnen, die in Karadsch nahe Teheran den Kampfsport Ninjutsu betreiben. Reuters hatte ursprünglich mit dem Titel "Tausende Ninja-Frauen lassen sich im Iran zu Killern ausbilden" im Februar über die Kampfsportlerinnen berichtet.

Nach Protesten änderte Reuters zwar den Titel und entschuldigte sich. Doch die Behörden entzogen den Reuters-Journalisten in Teheran die Akkreditierung. Der iranischen Leiterin des Büros in Teheran, Parisa Hafezi, wurden der Pass abgenommen und Reisen untersagt. Dabei ist Hafezi, die seit 2003 für Reuters arbeitet, lediglich für Print verantwortlich und nicht für Videos oder Bilder der Nachrichtenagentur. Die Aktivitäten der Nachrichtenagentur wurden ausgesetzt und die Justiz wurde eingeschaltet.

Im Iran werden häufig zum Teil harte Strafen gegen inländische Presseorgane und -Vertreter verhängt, Klagen gegen internationale Medien sind vergleichsweise selten. Eine Reuters-Sprecherin teilte mit, die Agentur warte das Urteil ab und werde sich bis zur Entscheidung nicht mehr zu dem Vorfall äußern.

lgr/AFP/Reuters



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JDR 30.09.2012
1. ...
Zitat von sysopDER SPIEGELDie Nachrichtenagentur Reuters wurde in Teheran wegen "Propaganda gegen den Staat" schuldig gesprochen. Die Journalisten hatten einen Videobericht über iranische Kampfsportlerinnen gedreht. Den Titel über die weiblichen "Ninja-Killer" nahm das Regime zum Anlass, gegen die Reporter vorzugehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gericht-in-iran-spricht-reuters-wegen-angeblicher-propaganda-schuldig-a-858832.html
Naja, in der IRI als Propagandist zu gelten, dürfte nicht besonders schwer sein. Schließlich braucht das Regime dort Ablenkung vom eigenen Versagen. Die Währung hat seit Anfang des Jahres 60 % an Wert verloren, während die Einnahmen der IRI drastisch weggebrochen sind. Dies befeuert wohl auch die möglicherweise etwas verfrühten Hoffnungen einiger israelischer Politiker, dass die wirtschaftliche Lage zu einem "iranischen Frühling" führen könnte. Dennoch: Die Wirtschaft der IRI hat schwere Schlagseite und droht endgültig zu kentern. "Währungsreform" ist ein Begriff, der schon im Raum steht und wohl bald zu noch größerer Panik im System führen könnte. Froh darüber kann Syrien sein, dessen Waffen und Munition Teheran ja nun zu Schleuderpreisen produzieren kann. Da ist es vielleicht nicht ganz falsch, anzunehmen, dass das Regime so langsam denkt: "Wenn sie zuschlagen wollen, dann sollten sie es bitte bald tun." Richtig ist nämlich auch, dass die Fähigkeit der IRI, einen Krieg zu führen, trotz Aufrüstung strategisch abnimmt. Ob der Staat Israel entsprechend handeln wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht glaubt man tatsächlich, dass das kommende Jahr einen besseren Zeitpunkt bietet und die Chance auf ein internes Ende des Mullahregimes es sich lohnen läst, noch etwas zu warten. Andererseits mag es sein, dass man im kommenden Jahr dem "perfekten Schuss" hinterhertrauern würde, der sich gerade bietet. Fest scheint zu stehen: Die Sanktionen wirken. Dem Regime ist es egal und was kommt, bleibt abzuwarten. Wenn es friedlich bleibt, wird man jedenfalls vor den Wahlen wieder die Versprechungen von Fortschritt und Wohlstand hören und es bleibt abzuwarten, ob sich das iranische Volk diese Frechheit angesichts einer breiten Verarmung der Unterschicht wirklich noch gefallen lassen wird. Für einen Zweck sollten die Mullahs jedenfalls schon mal ein paar Milliarden beiseite legen: Revolutionsgarden und Basij müssen auch essen. Schon bald wird also eine kräftige Solderhöhung anstehen, will man nicht die falschen Leute verärgern.
wkilikidoo 01.10.2012
2. Apropos...
Zitat von sysopDER SPIEGELDie Nachrichtenagentur Reuters wurde in Teheran wegen "Propaganda gegen den Staat" schuldig gesprochen. Die Journalisten hatten einen Videobericht über iranische Kampfsportlerinnen gedreht. Den Titel über die weiblichen "Ninja-Killer" nahm das Regime zum Anlass, gegen die Reporter vorzugehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gericht-in-iran-spricht-reuters-wegen-angeblicher-propaganda-schuldig-a-858832.html
...danke für die detaillierten Nachrichten. Reuters hat sich entschuldigt. Was ist aus der serbischen Nationalbank geworden? Sehr still seit Wochen, dabei hatte doch die ganze EU interveniert?!
derandersdenkende, 01.10.2012
3. Wieso angebliche Propaganda?
Zitat von sysopDER SPIEGELDie Nachrichtenagentur Reuters wurde in Teheran wegen "Propaganda gegen den Staat" schuldig gesprochen. Die Journalisten hatten einen Videobericht über iranische Kampfsportlerinnen gedreht. Den Titel über die weiblichen "Ninja-Killer" nahm das Regime zum Anlass, gegen die Reporter vorzugehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/gericht-in-iran-spricht-reuters-wegen-angeblicher-propaganda-schuldig-a-858832.html
Man kann heutzutage kaum noch ein Medium, egal ob Fernsehen, Radio, Internet, Zeitungen konsumieren, ohne von permanenter Propaganda schier erdrückt zu werden. Eigentlich müßten die meisten dem Kinder-und Jugendschutz unterstellt werden! Im Prinzip ist es damit fast egal, wen der Iran anklagt. Nur muß sich der Iran und alle die den Wahrheitsanspruch für sich reklamieren, den gleichen Vorwurf machen müssen. Es findet ein Krieg um die Hirne statt und da kann zuviel Wahrheit manchmal für die die diesen Krieg führen, von Nachteil sein.
Lea S. 01.10.2012
4.
So eine Frechheit vom iranischen Gerichtswesen. Lassen es einfach nicht zu, verunglimpft und falsch dargestellt zu werden. Dabei weiss doch jedes Kind, dass Iran zwar nichts mit Al Kaida zu tun hat, auch nichts mit Selbstmordattentätern, aber böse bleibt nunmal böse und Kampfsportlerinnen könnten ja irgendjemanden angreifen.
dilinger 01.10.2012
5.
Zitat von derandersdenkendeMan kann heutzutage kaum noch ein Medium, egal ob Fernsehen, Radio, Internet, Zeitungen konsumieren, ohne von permanenter Propaganda schier erdrückt zu werden. Eigentlich müßten die meisten dem Kinder-und Jugendschutz unterstellt werden! Im Prinzip ist es damit fast egal, wen der Iran anklagt. Nur muß sich der Iran und alle die den Wahrheitsanspruch für sich reklamieren, den gleichen Vorwurf machen müssen. Es findet ein Krieg um die Hirne statt und da kann zuviel Wahrheit manchmal für die die diesen Krieg führen, von Nachteil sein.
Die Ursünde des zivilisierten Teils der Welt im Umgang mit den Mullahs besteht darin, dass man es mit Achselzucken hingenommen hat, dass der Staatschef eines Landes (Khomeini) gegen einen Schriftsteller (Salman Rushdie) folgenlos zu dessen Ermordung aufrufen durfte. Man hätte deshalb bereits vor knapp 25 Jahren die diplomatischen Beziehungen zu dem Regime abbrechen müssen. Es ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten, wie das Regime diese Schmonzette zum Anlass nimmt, um sich mit Hilfe seiner Apologeten als verfolgte Unschuld in Szene zu setzen.
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