Moskau - Ein Mitglied der Moskauer Polit-Punkband Pussy Riot ist freigelassen worden. Jekaterina Samuzewitsch, 30 Jahre, wurde aus der Haft entlassen, wie Richterin Larissa Poljakowa am Moskauer Stadtgericht mitteilte. Die Haftstrafe für die Aktivistin wurde in eine Bewährungsstrafe umgewandelt.
Dagegen müssen die beiden anderen Mitglieder der Punkband, Nadeschda Tolokonnikowa, 22 Jahre, und Maria Aljochina, 24 Jahre, tatsächlich für zwei Jahre ins Straflager. Die beiden sind Mütter von Kleinkindern.
Die drei Frauen waren wegen der Protestaktion in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau im August verurteilt worden. Sie hatten in der Kirche im Februar gegen Putin mit einem Punk-Gebet protestiert. Eine Buße, wie die russisch-orthodoxe Kirche sie verlangt, lehnten die Frauen jedoch ab.
Die Musikerinnen von Pussy Riot verlangten in der Verhandlung die Aufhebung des Urteils: "Wir sind alle unschuldig. Wir sind bisher gegen Putin aufgetreten und tun dies jetzt." Die Frauen gaben sich kämpferisch, baten die Gläubigen aber mehrfach um Entschuldigung.
"Wir wollten niemanden beleidigen", sagt Alechina. Sie hätten gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und auch gegen die orthodoxe Kirche protestiert, die seine Herrschaft unterstütze. "Wir sind in die Kathedrale gegangen, um dagegen zu protestieren, dass sich die politischen und spirituellen Eliten vereinen", sagte die Sängerin. Die Angeklagten erklärten, sie könnten gar nicht bereuen, weil sie keinerlei religiösen Hass empfänden.
Die neue Anwältin von Samuzewitsch forderte, den Fall ihrer Mandantin getrennt zu behandeln, weil diese gar nicht bei der Protest-Aktion dabei gewesen sei. Die Sängerin sei vor dem Punk-Gebet gegen Putin aus der Kirche geworfen worden. Ein Zeuge habe ausgesagt, dass das Mädchen mit der Gitarre von einem Wachmann weggebracht worden sei.
Vor dem Gerichtsgebäude zeigte die Polizei Präsenz. Dort demonstrierten Anhänger und Gegner der Frauen. Auf großen Transparenten forderten Putin-Gegner den Rücktritt des Präsidenten. Mindestens zwei Menschen wurden festgenommen, hieß es in Agenturberichten.
Der Fall der Pussy-Riot-Sängerinnen hat international Empörung ausgelöst. Ministerpräsident Dmitrij Medwedew hatte Mitte September mit einer Forderung nach Milde die Hoffnung genährt, die Frauen könnten auf Bewährung freikommen. Die Musikerinnen weiter in Gefangenschaft zu halten sei "unproduktiv", sagte der Premier. Auch die russisch-orthodoxe Kirche hatte sich für eine Begnadigung der Musikerinnen eingesetzt. Voraussetzung sei, dass die Frauen Reue für ihr Punk-Gebet gegen Präsident Putin in der Kathedrale zeigten, teilte die Kirche mit.
SPIEGEL+-Zugang wird gerade auf einem anderen Gerät genutzt
SPIEGEL+ kann nur auf einem Gerät zur selben Zeit genutzt werden.
Klicken Sie auf den Button, spielen wir den Hinweis auf dem anderen Gerät aus und Sie können SPIEGEL+ weiter nutzen.
Die drei Pussy-Riot-Sängerinnen im Gerichtssaal: "Wir wollten niemanden beleidigen", erklärten die Musikerinnen am Mittwoch bei ihrem Berufungsverfahren - trotzdem müssen zwei Frauen für zwei Jahre ins Arbeitslager. Ein Moskauer Gericht bestätigte das Hafturteil.
Das Urteil gegen Jekaterina Samuzewitsch wurde aufgehoben: Hier ist sie mit Unterstützern vor dem Gerichtsgebäude zu sehen.
Die 30-Jährige wurde von Journalisten und Kameras umringt. Das Gericht wandelte Samuzewitschs Haftstrafe in eine Bewährungsstrafe um. Die Richterin warnte: Sollte die Pussy-Riot-Aktivistin gegen ihre Auflagen verstoßen oder "andere Verbrechen begehen", könne die Strafe in vollem Umfang vollstreckt werden.
Samuzewitsch verlässt das Gerichtsgelände in einem Auto. Ihr Vater sagte, er empfinde "große Freude". "Einerseits bin ich sehr froh, andererseits bin ich enttäuscht wegen der Entscheidung über die anderen beiden Frauen", so Stanislaw Samuzewitsch.
Die drei Musikerinnen waren Mitte August wegen einer Protestaktion in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Sie hatten in der Kirche im Februar gegen Präsident Wladimir Putin mit einem Punk-Gebet protestiert.
Demonstration vor dem Gerichtsgebäude: Sympathisanten der Kreml-kritischen Punkband protestierten in Moskau - einige wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen.
Auch die Gegner von Pussy Riot versammelten sich: Russisch-orthodoxe Christen forderten harte Strafen für die drei Frauen.
Abgeschirmt hinter einem Glaskäfig: Pussy-Riot-Musikerin Samuzewitsch im Moskauer Gerichtssaal. Die Musikerinnen verlangten in der Verhandlung die Aufhebung des Urteils: "Wir sind alle unschuldig. Wir sind bisher gegen Putin aufgetreten und tun dies jetzt."
Gerichtsbesucher verfolgen den Prozess auf einem Bildschirm.
Nadeschda Tolokonnikowa: Die 22-Jährige muss ebenso wie Maria Aljochina, 24 Jahre, für zwei Jahre ins Arbeitslager - wegen "Rowdytums aus religiösem Hass".
Melden Sie sich an und diskutieren Sie mit
Anmelden