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Julian Assange: Thriller um WikiLeaks-Gründer

Foto: VALENTIN FLAURAUD/ REUTERS

Gerichtsbeschluss Assange muss im Gefängnis bleiben

Julian Assange wird nicht auf Kaution freikommen. Ein Londoner Gericht will den WikiLeaks-Gründer wegen der Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden bis auf Weiteres in Polizeigewahrsam halten - der 39-jährige Netzaktivist kündigte dem Richter an, sich gegen eine Auslieferung zu wehren.

Julian Assange

WikiLeaks

London - Es geht jetzt Schlag auf Schlag. Stunden nach seiner Verhaftung hat sich am Dienstagnachmittag vor einem Londoner Gericht verantworten müssen. Der Richter der City of Westminster muss seine Auslieferung nach Schweden prüfen - dort wird gegen den 39-jährigen -Gründer wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt.

Assange machte vor Gericht klar, dass er sich gegen einen solchen Schritt wehren will. Auf die Frage nach der Möglichkeit einer Auslieferung räusperte er sich und sagte: "Ich verstehe das und bin damit nicht einverstanden." Seine Anwälte haben angekündigt, Versuche einer Auslieferung mit allen ihren Mitteln bekämpfen zu wollen. Es wird eine lange juristische Auseinandersetzung erwartet.

Assange bleibt bis auf Weiteres in Polizeigewahrsam. Der Richter verweigerte ihm eine Freilassung auf Kaution - Polizei-Insider hatten dies wegen der Fluchtgefahr schon vorher wahrscheinlich genannt. Er habe Grund zu der Annahme, dass der Australier zu weiteren Befragungen sonst nicht mehr erscheinen würde, sagte Richter Howard Riddle. Dass der WikiLeaks-Gründer wieder freikommt, ist nun frühestens bei der nächsten Anhörung am 14. Dezember möglich.

Die Aufmerksamkeit für Assanges Gerichtstermin war groß. Die Polizei sperrte die Straße vor dem Gericht, dann fuhr ein schwarzer Wagen mit mehreren Polizeibeamten und Assange auf der Rückbank auf den Parkplatz - außenherum standen Dutzende Journalisten und Kamerateams.

"Es ging sehr höflich zu"

Assanges Londoner Anwalt Mark Stephens sagte Reportern vor dem Gerichtsgebäude, seinem Mandanten gehe es gut. Er habe sich am Morgen in einer Polizeiwache den Behörden gestellt: "Es ging sehr höflich zu. Sie überprüften seine Identität. Sie sind sehr zufrieden, dass er der echte Julian Assange ist, und wir sind bereit, vor Gericht zu gehen."

US-Verteidigungsminister Robert Gates kommentierte Assanges Verhaftung bei einem Besuch in Afghanistan kurz und kühl. Das klinge nach einer "guten Nachricht", sagte er auf eine Frage von Journalisten. Wegen der Veröffentlichung zahlreicher US-Geheimdokumente durch WikiLeaks streben die USA eine Auslieferung Assanges an.

Assanges Anwälte fürchten, dass nach einer Überstellung ihres Mandanten an Schweden genau dies passiert und er an die USA weitergereicht wird - wo er als Staatsfeind auf unabsehbare Zeit hinter Gittern verschwinden könnte.

Der Fall Julian Assange

Assange hat die Vorwürfe in Schweden stets bestritten. Ihm werden neben Vergewaltigung auch Nötigung und sexuelle Belästigung vorgeworfen (Chronik des Falls siehe Kasten). Er spricht von einem politisch motivierten Rachefeldzug - was wiederum die dortige Staatsanwaltschaft zurückweist.

WikiLeaks will auch ohne Assange weitermachen: "Die heutigen Aktionen gegen unseren Chefredakteur Julian Assange werden unseren Betrieb nicht beeinflussen", twitterten Vertreter der Enthüllungsplattform gegen 13 Uhr. "Wir werden heute Nacht mehr Botschaftsdepeschen veröffentlichen, wie üblich." Sprecher Kristinn Hrafnsson nannte die Verhaftung einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Auch per Twitter kommt viel Unterstützung für Assange. Selbst ehemalige WikiLeaks-Aktivisten wie der isländische Student Herbert Snorrason solidarisieren sich offenbar mit dem Australier: "Zum Thema Assange: Wagt nicht, ihn an die USA auszuliefern", twitterte Snorrason. Die isländische Parlamentarierin Brigitta Jonsdottir, die zeitweise dem Projekt eng verbunden war, Assange aber später öffentlich für seinen Umgang mit den Vorwürfen aus Schweden kritisierte, twitterte: "Es liegt an uns, sicherzustellen, dass er nicht in die USA überstellt wird."

ler/AFP/dapd
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