Gescheiterter Anschlag bei Detroit Obama macht al-Qaida direkt für Attentat verantwortlich

US-Präsident Obama hat erstmals die Terrororganisation al-Qaida als Drahtzieher des vereitelten Flugzeugattentats bei Detroit benannt. Die USA seien im Krieg mit diesem "Netzwerk der Gewalt und des Hasses" - die Hintermänner des Terroraktes würden konsequent verfolgt.
US-Präsident Barack Obama: "Krieg gegen das weitverzweigte Netzwerk des Hasses"

US-Präsident Barack Obama: "Krieg gegen das weitverzweigte Netzwerk des Hasses"

Foto: HUGH GENTRY/ REUTERS

Honolulu - Nur knapp konnten Passagiere des Northwest-Airlines-Flugs 253 einen Anschlag am ersten Weihnachtstag vereiteln, auch eine missglückte Zündung verhinderte Schlimmeres - der versuchte Terrorakt aber löste eine weltweite Diskussion um Sicherheitsstandards aus. Auf US-Flughäfen herrschte Chaos und Unsicherheit. Doch US-Präsident Barack Obama schwieg. Zögerlich erschien vielen seine Reaktion. Umso deutlicher müht er sich nun um eine Aufklärung des vereitelten Terroraktes - und warnt die Hintermänner.

Erstmals hat der amerikanische Präsident jetzt das Terrornetzwerk al-Qaida für den Anschlagsversuch direkt verantwortlich gemacht. In seiner wöchentlichen Rundfunk- und Videoansprache am Samstag kündigte er an, dass die USA den regionalen Ableger der Organisation, die al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel, zur Verantwortung ziehen würden. Die USA seien im Krieg mit dem "weitverzweigten Netzwerk der Gewalt und des Hasses", sagte Obama.

"Alle diejenigen, die an dem versuchten Terrorakt an Weihnachten beteiligt waren, sollen wissen - sie werden zur Rechenschaft gezogen werden." Die USA würden alles tun, um sich zu verteidigen und sie zu besiegen.

Bislang hatten US-Vertreter nicht von einer direkten Verantwortung der al-Qaida für den Anschlagsversuch, sondern lediglich von "Verbindungen" gesprochen. Mit Blick auf den Attentäter sagte Obama in seiner Ansprache: "Wir wissen, dass er in den Jemen reiste, ein von erdrückender Armut und tödlichem Aufruhr erfasstes Land." Der Mann habe offenbar ein Qaida-Mitglied getroffen und sei von dem Terrornetzwerk auf der Arabischen Halbinsel ausgebildet worden; dieses habe ihn mit Sprengstoff ausgestattet und den Angriff auf das Flugzeug aufgetragen.

Schwere Fehler im Anti-Terror-Kampf

Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel hatte sich kurz nach dem vereitelten Anschlag dazu bekannt und angegeben, den Attentäter im Jemen mit dem Sprengstoff ausgerüstet und instruiert zu haben. Immer mehr war daher auch das Land in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt, wo die USA offenbar ihren Anti-Terror-Kampf verstärkt haben. Die Regierung in Sanaa ist im vergangenen Jahr mit 67 Millionen Dollar unterstützt worden. Nur Pakistan erhielt mit 112 Millionen Dollar mehr Geld von den Amerikanern im Engagement gegen Terrorismus.

Washington werde die Zusammenarbeit mit dem Jemen intensivieren, kündigte der Präsident denn auch in seiner Videobotschaft an. Die Sicherheitskräfte sollten besser ausgestattet und ausgebildet und Geheimdienstinformationen geteilt werden. Jemen hatte zuvor den Westen zur Hilfe gerufen.

Obama, der sich kurz nach dem Vorfall in Detroit öffentlich nicht geäußert hatte, räumte vier Tage später schwere Fehler seiner Dienste ein. Der Vater von Abdulmutallab etwa hatte die US-Behörden in Nigeria auf die Radikalisierung seines Sohnes hingewiesen, doch die Informationen wurden von den Geheimdiensten nicht entsprechend weitergegeben.

Für kommende Woche hat Obama nun zudem zum Krisengipfel nach Washington geladen. Noch von seinem Urlaubsort in Hawai aus, wo er das neue Jahr gefeiert hatte, ließ er eine schriftliche Erklärung verbreiten: Er werde sich am Dienstag persönlich mit den Leitern der relevanten Dienste treffen, um über die laufenden Überprüfungen der Sicherheitsvorkehrungen und über Verbesserungsmöglichkeiten zu sprechen. Ein Thema werde dabei sein, wie der Informationsaustausch von Heimatschutz und Terrorabwehr verbessert werden könne.

kgp/AFP/Reuters