Geschichte Iran plant Holocaust-Konferenz

Irans Staatschef Ahmadinedschad hat in den vergangenen Monaten wiederholt den Holocaust in Frage gestellt. Jetzt gab die Islamische Republik einen Termin für die lange angekündigte internationale Konferenz zu dem Thema bekannt.


Teheran - Das zweitägige Treffen mit dem Titel "Studien zum Holocaust aus weltweiter Perspektive" solle am 11. Dezember beginnen, berichteten iranische Zeitungen, unmittelbar nach dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Organisiert wird die Konferenz demnach vom Zentrum für politische und internationale Studien, das dem Außenministerium untersteht. Es müsse "ein günstiges Klima geschaffen werden, in dem Wissenschaftler verheimlichte und nicht wahrgenommene Aspekte des wichtigsten Themas des 20. Jahrhunderts präsentieren können", kündigten die Veranstalter den Berichten zufolge an. Forscher wurden aufgefordert, Beiträge für die Tagung per E-Mail einzureichen.

Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad hatte in den vergangenen Monaten wiederholt die Ermordung von Millionen Juden während des Zweiten Weltkriegs in Frage gestellt. Den europäischen Staaten warf er vor, mit Hilfe des "Mythos" vom Holocaust die Gründung Israels erzwungen zu haben.

Ein Berater Ahmadinedschads bezeichnete gegenüber der französischen Zeitung "Le Figaro", Israel sei das Grundproblem im Nahen Osten. Mit der Verteidigung der Rechte der Palästinenser schütze Iran seine eigenen Interessen, so der Präsidentenberater Modschtaba Rahmandust. Aus iranischer Sicht seien die USA und Israel ein und dasselbe. "Israel erweitert unaufhörlich sein Gebiet", sagte Rahmandust der Zeitung. "Wenn man die Palästinenser zum Widerstand ermutigt, vermindert man die Wahrscheinlichkeit einer Invasion der Region durch die USA." Solange die Front in Palästina bestehe, sei Iran außer Gefahr.

Teheran betrachte Israel als "das Grundproblem der Region". Israel rechtfertige mit viel Propaganda "seine Präsenz in der Region mit dem Holocaust", sagte Rahmandust. Ahmadinedschad fordere das Recht ein, die Angaben über die Zahl der Holocaustopfer zu hinterfragen. Auf die Frage, ob Teheran Israel angreifen könnte, sagte Rahmandust: "Unter den gegenwärtigen Bedingungen hat Iran nicht die Absicht, Israel anzugreifen. Aber wenn Israel uns angreift, schlagen wir zurück."

Verärgerung über angebliche US-Sanktionen

Die Teheraner Regierung zeigte sich verärgert über einen Pressebericht, wonach die USA im Atomstreit mit der Islamischen Republik notfalls unter Umgehung der Uno Sanktionen verhängen wollen. Das sei eine Beleidigung des Uno-Sicherheitsrates und zeige, dass die USA der Mitgliedschaft im höchsten Gremium der Vereinten Nationen nicht würdig seien, so Regierungssprecher Gholamhossein Elham in Teheran.

Die "Los Angeles Times" hatte am Wochenende berichtet, sollte der Uno-Sicherheitsrat keine Sanktionen verhängen, wollten die USA zusammen mit Verbündeten Strafmaßnahmen gegen Iran verhängen. Gedacht sei etwa daran, iranische Vermögenswerte einzufrieren und Handelsbeschränkungen zu verhängen.

Am Donnerstag läuft ein Ultimatum der Uno an Iran aus, die international umstrittene Uran-Anreicherung auszusetzen. Andernfalls drohen Sanktionen, über die jedoch noch keine Einigkeit besteht. Viele westliche Länder fürchten, dass der weltweit viertgrößte Öl-Exporteur unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie nach Kernwaffen strebt, was das Land allerdings bestreitet. Die iranische Führung hatte am Wochenende bekräftigt, an der Urananreicherung festzuhalten. Angereichertes Uran kann sowohl zur Energiegewinnung als auch für Atomwaffen verwendet werden.

asc/Reuters/AFP/dpa



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