Treffen in Wien Atomverhandlungen mit Iran gehen ohne Ergebnis zu Ende

Große Differenzen, besorgte Regierungsvertreter: Die aktuellen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sind vorerst ohne Erfolg zu Ende gegangen. Aufgeben wollen die Beteiligten jedoch noch nicht.

Verhandlungen in Wien: Kein Erfolg bei neuer Verhandlungsrunde
AP/dpa

Verhandlungen in Wien: Kein Erfolg bei neuer Verhandlungsrunde


Wien - Die Verhandlungen über das umstrittene iranische Atomprogramm treten weiter auf der Stelle. Bei den Gesprächen in Wien habe es am Freitag keine "greifbaren Erfolge" gegeben, sagte Teherans Verhandlungsführer, Vizeaußenminister Abbas Araktschi, dem staatlichen iranischen Fernsehen. Die USA hatten bereits zuvor auf die "großen Diskrepanzen zwischen den Positionen beider Seiten" hingewiesen.

Die Differenzen seien "zu groß", um eine Abschlusserklärung zu verfassen, sagte Araktschi. Dessen ungeachtet sollten die Verhandlungen aber demnächst fortgesetzt werden. Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton teilte via Twitter lediglich das Ende der Gespräche mit. Ein ranghoher US-Regierungsvertreter zeigte sich in Wien "besorgt, dass kein Fortschritt gemacht wird und die Zeit drängt". Russlands Vizeaußenminister Sergej Rjabkow sagte, die Gespräche seien "nützlich" gewesen und müssten fortgesetzt werden.

Vertreter des Irans, der fünf UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) und Deutschlands hatten die neue Verhandlungsrunde in Wien am Dienstag begonnen. Sie baut auf einem Ende November geschlossenen Interimsabkommen auf. In diesem erklärt sich der Westen zu einer Lockerung einiger Sanktionen gegen den Iran bereit, wenn dieser Teile der Forschung und Entwicklung seines Nuklearprogramms auf Eis legt.

Bei den Gesprächen stehen die iranischen Delegierten, aber auch die westlichen Verhandler unter hohem Druck: Die iranischen Konservativen werfen ihrem Präsidenten Hassan Rohanivor, zu viele Zugeständnisse zu machen. In den USA wiederum glauben viele Konservative, Präsident Barack Obama bewege sich zu weit auf Iran zu. Eine neue Gesprächsrunde soll im Juni stattfinden.

Bis zum 20. Juli soll ein Vertrag stehen, der die ausschließlich friedliche Nutzung der Atomkraft im Iran garantieren soll - so das Ziel der Verhandlungen. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hatte bei seiner Ankunft in Wien am Dienstag gesagt, es seien "noch große Anstrengungen" nötig, um zu einer Lösung zu gelangen. Auch eine Vertreterin der US-Regierung erklärte, angesichts bedeutender Meinungsverschiedenheiten erwarte sie "sehr, sehr schwierige" Verhandlungen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu warnte erneut vor einem atomar bewaffneten Iran. Teheran dürfe es unter keinen Umständen erlaubt werden, die "Fähigkeit zur Entwicklung einer Atomwaffe zu erlangen", erklärte er anlässlich eines Treffens mit US-Verteidigungsminister Chuck Hagel in Jerusalem. Hagel bekräftigte, dass der Iran keine Atomwaffenmacht werden dürfe.

Israel hatte die Verhandlungen mit seinem Erzfeind Iran wiederholt scharf kritisiert. Bereits mehrfach kündigte das Land an, dass es notfalls im Alleingang militärisch gegen Teheran vorgehen werde.

jbe/dpa/AFP

insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
captainblaubär 17.05.2014
1. Chance vertan?
Wieder einmal ist die Möglichkeit die Welt etwas sicherer und das Leben von Millionen Iranern einfacher zu machen vertan worden. Schade. Aber solange Herr N. aus Israel unbewiesene Behauptungen verbreiten darf wird das wohl auch nichts werden. Ich kann nur hoffen das alle Politiker einsichtig werden und nichts mehr auf die Paranoia eines einzelnen Herrn hören der selbst im eigenen Land damit nicht viel Rückhalt hat.
tinosaurus 17.05.2014
2. blöd
Es ist jedenfalls gut nachvollziehbar, warum die Iraner gerne die Atombombe hätten und sicherlich auch anstreben. Nordkoreas Kim hat ja nahezu Narrenfreiheit und darf sogar ungestraft mit einem atomaren Erstschlag drohen. Meines Erachtens war es ein Fehler, die Sanktionen vorübergehend zu lockern. Die Mullahs werden weiterhin ihr Süppchen kochen und werden einer Überwachung der Anlagen nie zustimmen.
malik1986 17.05.2014
3. @tinosaurus
Wie kommen Sie darauf, dass die Iraner nie die Besichtungen der Atomanlagen zustimmen würden? Die Äusserung ist ja total daneben gegriffen. Man sollte hier wirklich mit Fakten arbeiten. Fakt ist, dass die Iraner mehr als andere Staaten mit der IAEO zusammenarbeiten. Bisher gab es von der IAEO kein einziger Befund das die Iraner an einer Atomwaffe basteln, diese haben auch die westlichen Geheimdiensten bekräftigt, selbst israelische Geheimdienste. Ich hoffe die G5+1 und der Iran kommen zu einer Lösung, damit die Welt etwas friedlicher wird.
meier_7 17.05.2014
4. optional
Ein weiteres Mal operieren hier Journalisten und Foristen und Politiker mit Falschinformationen. Wie bereits richtig angedeutet, ist das iranische Atomprogramm das bestüberwachte überhaupt. Auch arbeitet kein Land besser mit der IAEO zusammen und von einem Atomwaffenprogramm reden nicht einmal die 17 amerikanischen Geheimdienste und israelische Fachleute. Warum also die ganzen Lügen, es geht nicht um das iranische Atomprogramm, es geht auch nicht um einen Menschenrechtsdiskurs, da gibt es weitaus schlimmere Nationen mit denen der Westen bestens zusammenarbeitet. Seien wir doch endlich ehrlich, es geht um Macht, nicht nur um den Iran, auch in der Ukraine in Syrien etc. Solange wir nicht anfangen dies zu hinterfragen steuert die Welt irgend wann auf einen weiteren Grosskonflikt wie die Weltkriege zu und dann heisst es wieder, wie konnte das nur passieren?!
messwert 17.05.2014
5. MEINE SICHT, bitte nicht der Kritik opfern!
Im Gegensatz zum Israelischen, konnte der Atomare Status im Iran mehrfach, wie auch zeitnah, von der dafür zuständigen Internationalen Aufsichtsbehörde geprüft werden.. Ergebnis: Status entsprechend des Abkommens für atomare Energieerzeugung, keine Bombenbedrohung. Demgemäß wären Westliche Verhandlungen unnötig und wenn überhaupt, dann längst einvernehmlich erledigt. Doch trotz des folgenschweren diesbezüglichen US-Lügenkrieg gegen den Irak, lässt sich der Westen vom streitbaren Israel und dessen US-Macht-Lobby, wiederum vor den Karren gegen die angebliche Atomgefahr Irans spannen. Bezeichnend für Israels hartnäckiger Forderung nach drastischeren Methoden, - dessen NAHE geografische Lage und militärische Stärke, siehe vormals auch beim Irak. Zudem wesentlich, bei beiden handelt es sich um Muslimische Völker die im endlosen Gewaltkonflikt Israel/Palästina, die Seite der Muslimischen Palästinenser vertreten. Während die USA seit Jahren -krieglos- und einem schweigenden Israel, mit der Atombombe Nordkoreas leben, war Israel bereits im Alleingang mit einem gezielten Bombenangriff im Iran tätig.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.