Getöte Zivilisten Schwere Vorwürfe gegen US-Soldaten

Immer wieder töten US-Soldaten im Irak Zivilisten, mit Absicht oder aus Versehen. Für besonderes Aufsehen sorgte das Massaker von Haditha, bei dem 24 Menschen starben. Iraks Ministerpräsident Maliki erhob deshalb nun schwere Vorwürfe gegen die Militärs.


Bagdad - "Es ist nicht zu rechtfertigen, dass eine Familie getötet wird, weil jemand gegen Terroristen kämpft", sagte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Dienstag in einem Interview mit der britischen BBC. Die Getöteten seien "Opfer eines falschen Einsatzes". Zugleich kündigte er eine Untersuchung der Vorfälle vom 19. November vergangenen Jahres durch irakische Behörden an.

Iraks Ministerpräsident al-Maliki:Er will Antworten von US-Soldaten
AP

Iraks Ministerpräsident al-Maliki:Er will Antworten von US-Soldaten

Maliki bezog sich auf den jüngst bekannt gewordenen Vorfall in der westlichen Stadt Haditha, wo US-Soldaten in einem Racheakt 24 Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, getötet haben sollen. Wie es zum dem Massaker kommen konnte und welche Rolle die US-Soldaten genau spielten, ist noch unklar. Am vergangenen Montag hatte der demokratische US-Abgeordnete John Murtha dem Verteidigungsministerium vorgeworfen, das Blutbad vertuschen zu wollen.

Maliki fordert nun Aufklärung, und zwar generell. "Wir werden nicht nur Antworten zu Haditha haben wollen, sondern zu jedem Einsatz, in dem es auf Grund von Fehlern zu Tötungen kam. Die Verantwortlichen werden wir dingfest machen", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters und fügte hinzu: "Wir sind besorgt über die Zunahme an 'Fehlern'. Ich sage nicht, dass sie beabsichtigt sind. Aber sie sind Besorgnis erregend." Den USA zufolge müssen sich die Soldaten möglicherweise wegen Mordes vor einem Gericht verantworten.

Der irakische Ministerpräsident hat einen Zeitrahmen von 18 Monaten ins Gespräch gebracht, in dem die Iraker die vollständige Kontrolle über die Lage im Land erlangen und damit eine Grundlage für den Abzug ausländischer Truppen bilden sollen. Er tritt dafür ein, die Milizen aufzulösen. Auch sein Kabinett will er mit starker Hand führen.

Die Streitigkeiten innerhalb der Regierung verhinderten etwa zunächst die Besetzung des Verteidigungs- und des Innenministeriums. Er werde die Posten notfalls mit eigenen Wunschkandidaten besetzen, wenn sich die Koalition nicht einigen könne, sagte Maliki. Das Parlament tritt am Sonntag wieder zusammen. Die Koalition aus Schiiten, Sunniten, Kurden und säkularen Parteien habe nun eine letzte Frist, um sich auf Kandidaten zu einigen .

fok/Reuters/dpa

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