Getöteter Qaida-Chef CIA darf Bin Ladens Versteck durchforsten

Pakistan macht den Weg frei für US-Terrorfahnder: Ein CIA-Team darf das Anwesen des getöteten Qaida-Chefs Osama Bin Laden überprüfen. Mit hochmoderner Technik wollen die Ermittler nach Fingerabdrücken und Verstecken in den Wänden des Hauses suchen.

Bin Ladens Versteck in Abbottabad: CIA will "genauer hinschauen"
AFP

Bin Ladens Versteck in Abbottabad: CIA will "genauer hinschauen"


Washington/Rabat - Pakistan gewährt dem US-Geheimdienst CIA laut einem Zeitungsbericht erstmals Zugang zum Versteck von Osama Bin Laden. Ein amerikanisches Forensik-Team dürfe das Anwesen in der Stadt Abbottabad mit hochmodernen Geräten durchsuchen, meldet die "Washington Post".

Der pakistanische Geheimdienst ISI wollte den Bericht gegenüber SPIEGEL ONLINE weder bestätigen noch dementieren. Ein Armeesprecher erklärte, dass es eine entsprechende Vereinbarung mit dem US-Geheimdienst gebe. Insider sagten, es habe in den vergangenen Tagen enormen Druck aus Washington gegeben, um die pakistanische Seite zur Kooperation zu bewegen.

Der pakistanische Geheimdienst hatte das Anwesen in Abbottabad bereits mehrfach durchsucht und Dokumente sichergestellt. Auch das US-Spezialkommando hatte bei dem Einsatz Datenträger mitgenommen. Die CIA hoffe aber, dass noch interessantes Material etwa in Wänden versteckt oder auf dem Grundstück vergraben sein könnte, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Der Terrorchef war Anfang Mai bei einer Kommandoaktion getötet worden. Doch damals habe sich die Spezialeinheit nur 40 Minuten auf dem Gelände aufgehalten, wurde der Beamte zitiert. Jetzt gehe es darum, "genauer hinzuschauen".

Es sei zwar wahrscheinlich, dass der pakistanische Geheimdienst das Anwesen in Abbottabad bereits durchsucht habe. Die CIA hoffe aber dennoch, Fingerabdrücke oder andere Hinweise auf dem Gelände zu finden. Das US-Team werde "im Laufe von Tagen" in Abbottabad eintreffen, hieß es weiter. Der stellvertretende CIA-Direktor Michael Morell habe den Zugang in der vergangenen Woche bei einem Besuch in Islamabad mit dem pakistanischen Geheimdienstchef Ahmed Shuja Pasha ausgehandelt.

Der Qaida-Chef versteckte sich offenbar fünf Jahre lang in dem dreigeschossigen Anwesen. Vor der Kommandoaktion hatte der Geheimdienst den Gebäudekomplex nur aus der Ferne ausspähen können - etwa mit Tarnkappen-Drohnen und Satelliten.

Clinton in Pakistan eingetroffen

Die Vereinbarung zwischen Pakistan und der CIA gilt laut "Washington Post" als "ermutigendes Zeichen" dafür, dass die Spionagebehörden beider Seiten weiterhin zusammenarbeiten werden - trotz des Zorns in Islamabad über die Geheimoperation gegen Bin Laden und anderer Differenzen zwischen den Ländern.

US-Außenministerin Hillary Clinton ist am Freitag zu einem Besuch in Pakistan eingetroffen, wo sie die angeschlagenen Beziehungen kitten will. Zusammen mit US-Generalstabschef Mike Mullen will sie die Regierung in Islamabad auch zu einer erneuten Verpflichtung im Kampf gegen den Terror auffordern, um Rückzugsorte islamistischer Extremisten zu beseitigen, die Anschläge auf die US-Streitkräfte in Afghanistan verüben.

Clinton und Mullen sollen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen mit dem pakistanischen Präsidenten Asif Ali Zardari sowie den Chefs des pakistanischen Heeres und Geheimdienstes zusammentreffen. Aus Sicherheitsgründen war Clintons Besuch in Pakistan nicht vorher angekündigt worden.

"Wir sind alle Osama"

Der Qaida-Anführer in Nordafrika, Abelmalek Drukdel, glaubt, dass die Tötung von Bin Laden die Wut von Muslimen gegenüber dem Westen weiter schüren wird. In einer zehnminütigen Audiobotschaft, die am Donnerstag in Internetforen für Dschihadisten veröffentlicht wurde, sagte Drukdel, die Kommandoaktion gegen den Terrorchef sei Anlass, um "Vergeltung zu schwören und auf Sieg zu bestehen". "Wir sind alle Osama", sagte er laut einer Übersetzung der in den USA ansässigen Organisation Site Monitoring Service, die auf Online-Foren von Dschihadisten spezialisiert ist.

Al-Qaida in Nordafrika soll in den vergangenen Jahren mehrere hundert Menschen getötet haben. Zuletzt intensivierte die Extremistengruppe ihre Anschläge im östlichen Hochland Algeriens. Die Organisation wird auch mit mehreren Entführungen von Ausländern in der Sahara und terroristischen Zwischenfällen in Europa in Verbindung gebracht.

als/kaz/dpa/DAPD

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Greg84 02.05.2011
1.
Schlag gegen den Terror? Eher nicht. Ich glaube kaum, dass bin Laden noch an der Spitze der al-Qaida stand, vielleicht hatte er sich auch komplett aus dem "Geschäft" zurück gezogen. Das einzige was der Schlag gegen bin Laden gebracht hat ist die Schaffung eines weiteren Märtyrers. Für Obama hätte der Zeitpunkt allerdings kaum besser sein können. Politisch läuft es für verdienten Träger des Friedensnobellpreises nicht grade perfekt, da hilft so ne positive Nachricht schon unheimlich weiter.
endbenutzer 02.05.2011
2. Mission beendet
Hat George W. Bush eigentlich schon der Familie Bin Laden sein Beileid ausgesprochen? Unter alten (Geschäfts-) Freunden ist das doch so üblich. Oder lebt Bin Laden doch noch und man wollte eigentlich nur die nunmehr fast genau 10-jährige Mission "Krieg gegen Terror" zum bürgerfreundlichen Abschluss bringen? Merkwürdig: Gerade jetzt, da Obama und die gesamten USA in punkto Staatsverschuldung praktisch mit dem Rücken zur Wand stehen, wird für den amerikanischen Otto Normalverbraucher wieder einmal ein toller Grund geliefert, die Fahne zu schwingen und mit der Hand auf dem Herzen die Nationalhymne zu singen. Super Drehbuch...
G_Schwurbel 02.05.2011
3. weder noch
Zitat von sysopEr war der meistgesuchte Mann der Welt: Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida, ist tot. US-Spezialkräfte haben ihn bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet. Wir die weltweite Terrorgefahr nun geringer?
Die Welt wird durch seinen Tod weder sicherer noch unsicherer. Al Quaida ist ein Netzwerk, es würde mich wundern, gäbe es für Bin Laden keinen Nachfolger (seinen Tod hat er schließlich einkalkuliert). Vielleicht hat er auch vorher als Rache für seine Tötung den Auftrag erteilt, direkt danach Attentate zu verüben? Alles denkbar...
Hubatz 02.05.2011
4. Beweise
Dieser Mann ist ein Mysterium. Ich halte nicht viel von Verschwörungstheorien aber Beweisfotos oder besser Videos würden mich erfreuen.
lucario.75 02.05.2011
5. bin laden
Die Fernsehbilder der Freude hunderter Amerikaner, (nachvollziehbar) werder viele radikale Islamisten für ihre Propaganda nutzen um die Angst der Menschen auf der ganzen Welt weiter zu schüren und Terroranschläge zu planen. Ich selber Wohne nur ein paar Strassen weiter wo vor ein paar tagen Terroristen festgenommen worden sind, die konkrete Anschlägen zu Zeitnahen Ereignissen mit erheblichen Menschenaufkommen verübt werden sollte.
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