Gewalt gegen Zivilisten Uno gibt Angriffsbefehl in Elfenbeinküste-Konflikt

Die Entscheidungsschlacht um die Macht in der Elfenbeinküste tobt - jetzt schaltet sich die Uno ein. Generalsekretär Ban Ki Moon erlaubte Angriffe gegen die Truppen des Machthabers Laurent Gbagbo, französische Hubschrauber beschossen deren Stellungen.

Uno-Fahrzeug in der Elfenbeinküste: Missionen zum Schutz der Zivilisten angewiesen
REUTERS

Uno-Fahrzeug in der Elfenbeinküste: Missionen zum Schutz der Zivilisten angewiesen


New York/Abidjan - Die Uno hat am Montagabend offiziell in die Kämpfe zwischen Anhängern des bisherigen Machthabers Laurent Gbagbo und des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara eingegriffen. "Ich habe die Mission angewiesen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um den Einsatz von schweren Geschützen gegen die Zivilbevölkerung zu verhindern", teilte Uno-Chef Ban Ki Moon in einer Erklärung mit.

Kampfhubschrauber der Uno und der Franzosen hatten nach französischen Medienberichten Stellungen der Gbabgo-Getreuen in Abidjan beschossen. Ban berief sich auf die jüngste Resolution des Weltsicherheitsrats zu der Krise in der Elfenbeinküste. Darin bevollmächtigt das mächtigste Uno-Gremium die Mission Unoci zum Schutz von Zivilisten und zur Selbstverteidigung. Anhänger von Gbagbo hatten zuvor auch das Hauptquartier von Unoci im Sebroko-Hotel der Hauptstadt Abidjan mit Raketen, Granaten und schweren Geschützen angegriffen und vier Friedenshüter verletzt.

Er habe die Militäraktion gegen Gbagbos Stellungen für Montag gegen 17 Uhr Ortszeit angeordnet und dann den Sicherheitsrat informiert, teilte Ban mit. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy stimmte einer Beteiligung der französischen Streitkräfte am Uno-Blauhelmeinsatz zu. Die Regierung in Paris habe damit einer Bitte Bans entsprochen, teilte Sarkozys Büro mit.

In der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan feuerten französische Hubschrauber auf ein Lager von Gbabgos Truppen. Helikopter griffen das Militärcamp Agban an, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Ouattara-Anhänger stießen am Montag nach Abidjan vor, wo sich Gbagbo verschanzt hat, wie ein Sprecher der Regierung Ouattaras, Alain Lobognon, mitteilte. Bewohner zweier Bezirke im Norden Abidjans berichteten von Lastwagen mit Soldaten, die in die Stadt eingedrungen seien. Im Stadtzentrum waren am frühen Abend Explosionen zu hören, in der Nähe des Gbagbo-Palastes ertönten Maschinengewehrsalven. In der Nacht auf Dienstag vermeldete ein Sprecher Outtaras die Eroberung der Gbagbo-Residenz, es sei jedoch unklar, ob Gbagbo sich zu der Zeit in dem Palast aufgehalten habe.

Ouattaras designierter Ministerpräsident, der ehemalige Rebellenführer Guillaume Soro, hatte zuvor dem französischen Fernsehsender TCI gesagt, dass die seit Tagen umkämpfte Hafenstadt "reif für eine Schnelloffensive" sei. Die Truppen des noch amtierenden Präsidenten Gbagbo seien "in Panik".

EU fürchtet Ausweitung der humanitären Krise auf Nachbarländer

Gbagbo hatte seine Anhänger bereits am Sonntag zu den Waffen gerufen. Zahlreiche Unterstützer versammelten sich vor seinem Wohnsitz und bildeten einen menschlichen Schutzschild.

Die EU hatte vor Beginn der Offensive einen eindringlichen Appell an die Bürgerkriegsparteien gesandt. In Abidjan und im ganzen Land nehme die Gewalt zu, und gebe es immer mehr Todesopfer, erklärte EU-Krisenreaktionskommissarin Kristalina Georgieva. Mehr als eine Millionen Menschen seien auf der Flucht. Sie sei "alarmiert über Berichte von Menschenjagden und von ethnischen Morden", sagte Georgieva und warnte vor einem Übergreifen des Dramas auf die Nachbarländer, insbesondere Liberia: "Mehr als 120.000 Menschen flüchten sich in Gebiete, die selbst schon am Rande einer humanitären Krise stehen."

In Liberia sind der Welthungerhilfe zufolge bisher mehr als 130.000 ivorische Flüchtlinge angekommen, die meisten Frauen, Kinder und ältere Menschen. Die Mehrzahl von ihnen habe Unterschlupf bei Verwandten gefunden, die als Kleinbauern selbst um das tägliche Überleben kämpften.

Gbagbo hatte die Präsidentschaftswahl im vergangenen November an Ouattara verloren, hält sich aber bisher mit Gewalt im Amt. Ouattaras Truppen hatten schließlich in der vergangenen Woche eine Offensive gestartet, bei der sie mehrere Städte einnahmen, bevor sie nach Abidjan vorrückten.

In Abidjan entführten unbekannte Bewaffnete vier oder fünf Menschen, darunter zwei Franzosen, wie das französische Außenministerium mitteilte. Nach Angaben eines Sprechers der französischen Unterstützungsmission wurden am Montag rund 250 Ausländer, darunter auch Franzosen, mit vier Flugzeugen nach Dakar im Senegal und nach Lomé im Togo gebracht. Mit einem Sonderflug waren bereits am Sonntag 167 Ausländer nach Dakar und Lomé ausgeflogen worden.

luk/dpa/AFP/AP



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
niepmann 05.04.2011
1. Aha.
Endlich versucht die UNO, einen akzeptablen Job zu machen. Ich kann's nicht fassen! Wenn man nun konsequent agiert, wirds doch noch was.
saako 05.04.2011
2. ...
Ist da den einer besser als der andere? Sollen ja verschiedene Ethnien mit verschiedenen Religionen sein, drum: TEILUNG JETZT!
henniman 05.04.2011
3. gegen wen will die Uno noch alles Krieg führen ?
Sollen jetzt auf Anweisung Ban Ki Moons alle Bananenrepubliken der Welt von England, Frankreich, USA beschossen werden ? Zum "Schutze der Zivilbevölkerung" ? Das scheint ja der allerneueste Terminus zu sein. Dank dieses "Schutzes" haben wir dann bald überall Krieg. Wir bezahlen das mit unserem Steuergeld, die Zivilisten dort mit ihrem Leben. Nach meiner Meinung haben wir auch in der Elfenbeinküste nichts verloren. Wenn sich dort Diktator A und Diktator B streiten, ist das deren Sache. Wir schicken ja auch keine Truppen zum Schutze der Mexikaner in Kalifornien.
Barath 05.04.2011
4. ...
Zitat von sysopDie Entscheidungsschlacht um die Macht in der Elfenbeinküste tobt - jetzt schaltet sich die Uno ein. Generalsekretär Ban Ki Moon erlaubte Angriffe gegen die Truppen des Machthabers Laurent Gbagbo, französische Hubschrauber beschossen deren Stellungen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755025,00.html
Nanu? Sollte ich mich in den Franzosen geirrt haben, und die streben wirklich eine Rolle als Weltpolizist an? Interessante Entwicklung, auch wenn ich noch nicht so richtig weiß, was ich davon halten soll...
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