Gewalt im Irak Anschläge überschatten Regierungsstart

Die Gewalt geht weiter: Einen Tag nach der Einsetzung einer neuen Regierung der nationalen Einheit sind im Irak mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 60 verletzt worden. Ministerpräsident al-Maliki sagte unterdessen dem Terror in seinem Land den Kampf an.


Bagdad - Das schwerste Attentat ereignete sich heute in einem Restaurant im Bagdader Stadtviertel Karrada: Bei dem Selbstmordanschlag, vor dem vor allem bei Polizisten beliebten Lokal, starben nach Angaben des irakischen Innenministeriums 13 Menschen, 18 weitere wurden verletzt. Zunächst war von vier Toten und fünf Verletzten die Rede gewesen. Unter den Opfern seien Polizisten und Zivilisten, teilte die Polizei mit.

Zuvor war ein Sprengsatz in einer belebten Straße im Bagdader Geschäftsviertel in die Luft gegangen. Drei Menschen starben, 24 wurden verletzt. Ziel des Attentats sei eigentlich eine Polizeipatrouille gewesen, hieß es. Ebenfalls drei Menschen kamen ums Leben, als im vornehmlich von Schiiten bewohnten Stadtteil Schula eine Autobombe explodierte. 15 Menschen wurden verwundet.

Im 180 Kilometer nördlich von Bagdad gelegenen Tikrit wurden laut Polizei zwei Brüder, die für ein Sicherheitsunternehmen arbeiteten, auf einer Straße von Bewaffneten erschossen. In der für die Schiiten heiligen Stadt Nadschaf 160 Kilometer südlich von Bagdad wurden die Leichen von zwei Frauen entdeckt, denen die Kehle durchschnitten worden war.

Ministerpräsident Nuri al-Maliki, kündigte heute nach der ersten Kabinettssitzung an, das Gewaltmonopol des Staates wiederherzustellen.  "Wir werden mit größter Härte gegen den Terrorismus vorgehen", sagte Al-Maliki. "Waffen sollten nur in Händen der Regierung liegen. Milizen, Todesschwadronen, Tötungen und Attentate sind nicht normal", ergänzte er. Besonders gegen die Milizen müsse vorgegangen werden. 

Gestern hatte das irakische Parlament die neue Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki bestätigt. Zum ersten Mal ist damit seit dem Sturz von Saddam Hussein eine für eine reguläre Amtszeit gewählte irakische Regierung im Amt. Wichtigstes Ziel des Kabinetts aus Schiiten, Sunniten und Kurden ist es, die Gewalt im Land in den Griff zu bekommen.

Die Vereidigung der ersten regulären Regierung ist am Wochenende international begrüßt worden. US-Präsident George W. Bush gratulierte dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Damit sei ein neues Kapitel in der Geschichte des Landes aufgeschlagen worden, hieß es in einer Stellungnahme des Weißen Hauses. Der britische Premierminister Tony Blair und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderten die internationale Staatengemeinschaft zur Unterstützung der neuen Regierung auf. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan und die EU begrüßten die Bildung der Regierung im Irak.

Das irakische Volk habe sich für einen demokratischen Weg entschieden und verdiene die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, sagte der britische Premier Blair der BBC. "Es geht jetzt nicht mehr darum, ob es richtig oder falsch war, Saddam Hussein zu stürzen." Außenminister Steinmeier sagte bei einem Besuch in Kuwait, nun sei es notwendig, die Regierung in Bagdad zu unterstützen und damit die Sicherheit in dem Land zu stabilisieren. EU- Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sprach am Sonntag in Brüssel von einer "guten Nachricht" aus Bagdad.

Auch Iran und die Staaten des Golf-Kooperationsrates begrüßten die Amtseinführung der neuen Regierung in Bagdad ebenfalls. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, hingegen sagte, die Bildung der Regierung allein sei noch nicht ausreichend, um die Gewalt im Irak zu beenden. Die Iraker bräuchten vor allem Versöhnung.

anr/Reuters/AFP/dpa



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