Gewalt im Irak Drei US-Soldaten bei Anschlag getötet

Schwere Kämpfe in Bagdad: US-Kampfjets haben in der Nacht Ziele im Stadtteil Sadr City angegriffen, Extremisten erwiderten das Feuer. Bei einer Bombenexplosion in der Hauptstadt wurden drei US-Soldaten getötet.


Bagdad - Wie die Armee heute mitteilte, explodierte der Sprengsatz gestern Abend im Südwesten der irakischen Hauptstadt. Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Angesichts der anhaltenden Anschläge begann die Armee am Wochenende damit, ihre Truppenpräsenz in Bagdad zu verstärken. Augenzeugen sahen gestern im Westen Bagdads erstmals jene Radpanzer vom Typ "Stryker", die bislang von den US-Truppen in der nordirakischen Großstadt Mossul eingesetzt wurden. Nach amerikanischen Plänen sollen 3700 US-Soldaten, die in Mossul durch neue Truppen ersetzt werden, vier Monate länger im Irak bleiben und nach Bagdad verlegt werden.

Derzeit sind im Großraum Bagdad 9000 GIs stationiert. Zur Aufstockung dieses Kontingents entschloss sich das US-Militär wegen der zunehmend prekären Sicherheitslage in Bagdad. Auch die irakischen Sicherheitskräfte in der Hauptstadt sollen um 4000 Mann aufgestockt werden. Aufständische, konfessionell rekrutierte Todesschwadrone und kriminelle Gangs drohen Bagdad immer mehr ins Chaos zu stürzen.

Im Bagdader Stadtteil Sadr City, einer Hochburg des radikalen schiitischen Predigers Muktada al Sadr, kam es in der Nacht zu heute zu schweren Kämpfen. Das laute Geräusch von Explosionen und Gewehrfeuer erfüllte eine Stunde nach Mitternacht die Luft und hielt für eine gute Stunde an. Das irakische Fernsehen berichtete, US-amerikanische Kampfflugzeuge hätten mehrere Gebäude in dem Viertel angegriffen, die jetzt in Flammen stünden.

Bei den Zusammenstößen wurden mindestens zwei Milizionäre getötet, wie ein Sprecher des irakischen Verteidigungsministeriums sagte. Ein Sprecher der US-Armee erklärte, die Kämpfe hätten begonnen, als irakische und amerikanische Truppen in dem Viertel bei einer Razzia nach Extremisten suchten.

In Sadr City leben rund 2,5 Millionen Schiiten. Am vergangenen Freitag waren hier Zehntausende Menschen aus Solidarität mit der radikalen Hisbollah-Miliz im Libanon auf die Straße gegangen.

Sechs irakische Soldaten und ein Aufständischer wurden bei einem Angriff auf eine Polizeiwache nördlich von Bagdad getötet, wie die Sicherheitskräfte heute mitteilten. Weitere 15 Menschen seien bei dem Überfall in Baladrus verletzt worden. Die Angreifer setzten Raketenwerfer, Granaten und Schusswaffen ein.

phw/AP/AFP

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