Gewalt im Irak Pentagon spricht von Gefahr eines Bürgerkriegs

Ein Bericht des US-Verteidigungsministeriums über die Gewalt im Irak kommt drei Jahre nach der US-Invasion zu einem düsteren Ergebnis: Es bestehe die Gefahr eines Bürgerkriegs. Vor allem Todesschwadrone, die Zivilisten angriffen, seien ein wachsendes Problem.


Washington – Laut dem Bericht breitet sich die Gewalt zwischen den Volksgruppen im Irak immer weiter aus. Die Sicherheitslage sei so schwierig wie nie zuvor seit die US-Armee den ehemaligen Diktator Saddam Hussein vor mehr als drei Jahren gestürzt hat, heißt es in dem Bericht des Pentagons an den Kongress weiter.

Anschlag im Irak: Die Zahl ziviler Opfer steigt rasant
AFP

Anschlag im Irak: Die Zahl ziviler Opfer steigt rasant

Die Gewalt werde zum Teil durch die Nachbarn Iran und Syrien geschürt und von "lautstarken Minderheiten" religiöser Extremisten vorangetrieben, die die Demokratie ablehnten, heißt es weiter.

"Todesschwadrone und Terroristen sind in einem sich verstärkenden Kreislauf der Gewalt gefangen." Allein im Juni seien 1600 und im Juli sogar 1800 Zivilisten Opfer von Todesschwadronen und Terroristen geworden. In 90 Prozent der Fälle seien die Zivilisten kaltblütig im Stil von Exekutionen umgebracht worden.

Insgesamt sei die Zahl der Opfer unter den Zivilisten in den vergangenen drei Monaten um 51 Prozent gestiegen und die Zahl der Anschläge um 15 Prozent, heißt es dem Sender CNN zufolge in dem Bericht, den das Pentagon alle drei Monate für den Kongress erstellen muss.

Auch der Aufstand vorwiegend sunnitischer Gruppen sei weiter lebendig, auch wenn er derzeit von der Gewalt zwischen den Volksgruppen überschattet werde. Die illegalen Milizen seien immer stärker in den Stadtteilen von Bagdad verankert, wo sie sowohl Sicherheit als auch soziale Dienste gewährten.

"Bedingungen, die zu einem Bürgerkrieg führen können, sind im Irak vorhanden, besonders in und um Bagdad", berichtet das Pentagon. In der Bevölkerung sei in den vergangenen Monaten die Angst gewachsen, dass es zu einem Bürgerkrieg kommen könne. Die Zahl der Angriffe auf US-Truppen und Iraker stieg demnach seit der Amtsübernahme der Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki am 20. Mai auf 792 pro Woche, das war ein Anstieg um ein Viertel im Vergleich zur Zeit vom 11. Februar bis 19. Mai. Es ist auch die höchste Zahl seit Beginn des Krieges.

Im US-Kongress wächst die Ungeduld mit der Regierung von Präsident George W. Bush. Der demokratische Senator Harry Reid erklärte, der Bericht zeige, dass Bush den Kontakt zu den tatsächlichen Verhältnissen verloren habe.

Nur Stunden vor der Veröffentlichung des Pentagon-Berichts hatten Extremisten mit einer Serie von Bomben- und Raketenangriffen in den östlichen Schiiten-Vororten von Bagdad innerhalb weniger Minuten 67 Iraker getötet. Der staatliche Fernsehsender Al-Irakija berichtete, mehr als 300 weitere Menschen seien verletzt worden. Einige Wohnhäuser wurden vollständig zerstört. Die Angreifer setzten unter anderem Katjuscha-Raketen ein. Irakische Beobachter erklärten, die Angriffswelle sei offensichtlich von langer Hand geplant gewesen. Die Täter hätten zum Teil Wohnungen und Geschäfte gemietet, um die Sprengsätze darin zu verstecken.

asc/AP/dpa



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