Gewalt im Irak Zahlreiche Tote bei Anschlag vor schiitischer Moschee

Bei einem Autobombenanschlag vor einer schiitischen Moschee sind im Süden Iraks mindestens 20 Menschen in den Tod gerissen worden. Mehr als 60 wurden verletzt.


Bagdad - Der Anschlag in der Stadt Mussajjib 70 Kilometer südlich von Bagdad richtete sich offenbar gegen Einkäufer auf einem Markt, die sich mit Lebensmitteln für das bevorstehende islamische Fest des Fastenbrechens versorgten. Anderen Angaben zufolge erfolgte die Explosion während der Sonnenuntergangsgebete am letzten Tag des Fastenmonats Ramadan.

"Die Aufständischen wollten so viele Menschen wie möglich töten", sagte ein Polizeisprecher. Offenbar handele es sich bei den meisten Opfern um Zivilpersonen. In Mussajjib hatte zuletzt am 16. Juli ein Selbstmordattentäter fast 100 Menschen in den Tod gerissen.

Bei weiteren Anschlägen, die meisten davon in Bagdad, wurden heute mindestens 11 Iraker getötet und 23 verletzt. Bei dem blutigsten Angriff riss eine Autobombe südlich der Hauptstadt fünf Insassen eines Kleinbusses in den Tod, sechs weitere erlitten Verletzungen. Der Anschlag ereignete sich in der Ortschaft Dschurf al-Naddaf. Diese liegt in einem Gebiet, in dem es mehrfach zu Anschlägen sunnitischer Rebellen gekommen ist und das deswegen von US-Soldaten als "Dreieck des Todes" bezeichnet wird.

Beim Absturz eines US-Kampfhubschraubers in der Nähe von Ramadi wurden zwei US-amerikanische Soldaten getötet. Anschließend bombardierten die US-Streitkräfte in demselben Gebiet ein mutmaßliches Kommandozentrum der Aufständischen.

Kämpfe in Ramadi

Die Kämpfe in Ramadi begannen am späten Dienstagabend, als Aufständische US-Patrouillen mit Raketen und Bomben angriffen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Dabei seien zwei US-Soldaten getötet worden. Über die Ursache des Hubschrauberabsturzes wurden Ermittlungen aufgenommen. Der Fernsehnachrichtensender APTN zitierte einen Iraker mit den Worten, die Maschine vom Typ "AH-1W Super Cobra" sei abgeschossen worden.

Im Oktober kamen im Irak mindestens 93 US-Soldaten ums Leben. Damit endete der vergangene Monat mit der bislang vierthöchsten Zahl von getöteten US-Soldaten. Insgesamt kamen seit Beginn des Irak-Kriegs am 21. März 2003 mindestens 2.032 US-Soldaten ums Leben.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte gestern nach einem Treffen mit Generalstabschef Peter Pace, möglicherweise könnte eine weitere Aufstockung der Truppen im Irak erforderlich werden. Vor der Parlamentswahl Mitte Dezember sei eine weitere Zunahme von Anschlägen zu erwarten.

Der US-amerikanische Militärsprecher in Bagdad, Oberstleutnant Steve Boylan, kündigte ein neues Ausbildungsprogramm an, bei dem Angehörige der Streitkräfte mit gezielten Maßnahmen gegen Angriffe der Rebellen vertraut gemacht werden sollen. Dazu soll eine Militärschule auf dem Luftwaffenstützpunkt Tadschi eingerichtet werden, 20 Kilometer nördlich von Bagdad.



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