Gewalt im Nahen Osten Araber fordern Abzug der Syrien-Beobachter

In der arabischen Welt wächst die Kritik am gewaltsamen Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten. Das an die Arabische Liga angeschlossene Arabische Parlament fordert den sofortigen Abbruch der laufenden Beobachtermission.

Gefechte in Damaskus Ende Dezember (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden): "Umgehend die arabischen Beobachter abziehen"
REUTERS

Gefechte in Damaskus Ende Dezember (die Echtheit der Aufnahme kann von SPIEGEL ONLINE nicht verifiziert werden): "Umgehend die arabischen Beobachter abziehen"


Kairo - Ein Beratergremium der Arabischen Liga hat den sofortigen Abzug der eigenen Beobachter-Mission aus Syrien verlangt. Der Präsident des Arabischen Parlaments, Salem al-Dikbassi, forderte den Chef der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, am Sonntag auf, "angesichts der andauernden Tötung unschuldiger Zivilisten in Syrien umgehend die arabischen Beobachter abzuziehen".

Die syrische Regierung verstoße klar gegen das Protokoll der Arabischen Liga zum Schutz der Bevölkerung. Das Arabische Parlament besteht aus 88 Mitgliedern aus jedem der Mitgliedstaaten der Arabischen Liga. Das Gremium sei sehr erzürnt darüber, dass die Tötungen in Syrien einfach fortgesetzt würden, während die Vertreter der Organisation im Land seien, hieß es.

Dikbassis Aufforderung erfolgte kurz vor der für Donnerstag vorgesehenen Entsendung weiterer Vertreter der Arabischen Liga nach Syrien. 20 Beobachter aus Saudi-Arabien, Bahrain und Tunesien würden in Damaskus erwartet, sagte der für Syrien zuständige Vertreter der Arabischen Liga, Adnan al-Chodeir.

Seit Montag vergangener Woche befindet sich eine erste Gruppe von 50 Beobachtern der Arabischen Liga in Syrien, die auf 150 bis 200 Kontrolleure aufgestockt werden soll. Ihre Entsendung ist Teil eines Plans zur Beendigung des Blutvergießens, dem Damaskus nach langem Zögern in einem Protokoll Anfang November zugestimmt hatte. Der Plan sieht neben der Beobachtermission einen Rückzug der Armee aus syrischen Städten und die Freilassung von Gefangenen vor.

suc/AFP/dapd



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Medianet 02.01.2012
1. Spannend
Zitat von sysopIn der arabischen Welt wächst die Kritik am gewaltsamen Vorgehen der syrischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten. Das an die Arabische Liga angeschlossene Arabische Parlament fordert den sofortigen Abbruch der laufenden Beobachtermission. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806619,00.html
Sehr spannend: "Das Gremium sei sehr erzürnt darüber, dass die Tötungen in Syrien einfach fortgesetzt würden, während die Vertreter der Organisation im Land seien, hieß es." heisst also, warten bis die Jungs wieder draußen sind. Dann gibt es auch keine Schwierigkeiten. und es heisst wohl auch, das die arabische Liga schon vorher von den Tötungen gewusst hat..sonst könnten diese ja nicht fortgesetzt werden.
Dummy2011 02.01.2012
2. Die Kreativität
Die Kreativität des US-sunnitischen Blocks im Zusammenspiel mit der Um- bzw. Neuinterpretierung von Abmachungen erinnert an die Argumentationsweise von Star-Rechtsanwälten. Nach dem Flugverbotszonenwitz, der die Lufthoheit sowie die zughörige militärische Schlagkraft (und deren Einsatz) der NATO in Libyen gerechtfertigt hat, liest man nun, dass eine arabische Intervention nicht als Eingriff des Auslands angesehen wird. Das macht eigentlich nur beim zweiten Hinsehen Sinn und erinnert ein wenig an das "Heim ins Reich holen" Österreichs. Nur in diesem Fall wäre dann evtl. "Reich" durch einen, bzw. den arabische Gottesstaat zu ersetzen. - Wasser auf die Mühlen all derer, die hinter der tendenziösen Aljazeera Berichterstattung sunnitisch-fundamentalistische Interessen vermuten. Ich denke nicht, dass sich das nationale Koordinationskomitee über die Tragweite seiner Entscheidung bewusst ist ("wird nicht als Eingriff des Auslands angesehen"), denn welche Flugzeuge am Ende dann über dem Luftraum Syriens kreisen und ihre Bomben abwerfen, wird niemand - absolut niemand überprüfen können, oder auch in den Medien überzeugend erzählen können. Am Ende interessiert es sowieso keinen, denn es gilt: "Hauptsache der Assad ist weg". Und Ob im Cockpit eines saudischen Bombers eines US-amerikanischen Rüstungsunternehmens jetzt ein Saudi sitzt oder ein Texaner... Wenn man jetzt noch die Eile berücksichtigt, mit der die Beobachtermission der Arabischen Liga zum Scheitern verurteilt werden soll, dann sieht man, dass sie Situation extrem heiss ist. Ich persönlich denke, die Entscheidungen werden jetzt von militärischen Aspekten dominiert. Man sieht, dass neben den Wirtschaftssanktionen, unter denen jetzt die Bevölkerung leidet auch Aspekte der Kriegserzählung ("Nicht so wichtig, der Assad war sowieso überfällig") durch die Berichterstattung enorm erleichtert werden.
Hape1 02.01.2012
3. ...
Haben die Beobachter vor Ort diese "Tötungen" festgestellt? Bis her hiess es von Seiten der Beobachter doch, dass sich die Situation beruhigt hat. Sehr verworren, das Ganze.
Medianet 02.01.2012
4. falsch
Zitat von Dummy2011Die Kreativität des US-sunnitischen Blocks im Zusammenspiel mit der Um- bzw. Neuinterpretierung von Abmachungen erinnert an die Argumentationsweise von Star-Rechtsanwälten. Nach dem Flugverbotszonenwitz, der die Lufthoheit sowie die zughörige militärische Schlagkraft (und deren Einsatz) der NATO in Libyen gerechtfertigt hat, liest man nun, dass eine arabische Intervention nicht als Eingriff des Auslands angesehen wird. Das macht eigentlich nur beim zweiten Hinsehen Sinn und erinnert ein wenig an das "Heim ins Reich holen" Österreichs. Nur in diesem Fall wäre dann evtl. "Reich" durch einen, bzw. den arabische Gottesstaat zu ersetzen. - Wasser auf die Mühlen all derer, die hinter der tendenziösen Aljazeera Berichterstattung sunnitisch-fundamentalistische Interessen vermuten. Ich denke nicht, dass sich das nationale Koordinationskomitee über die Tragweite seiner Entscheidung bewusst ist ("wird nicht als Eingriff des Auslands angesehen"), denn welche Flugzeuge am Ende dann über dem Luftraum Syriens kreisen und ihre Bomben abwerfen, wird niemand - absolut niemand überprüfen können, oder auch in den Medien überzeugend erzählen können. Am Ende interessiert es sowieso keinen, denn es gilt: "Hauptsache der Assad ist weg". Und Ob im Cockpit eines saudischen Bombers eines US-amerikanischen Rüstungsunternehmens jetzt ein Saudi sitzt oder ein Texaner... Wenn man jetzt noch die Eile berücksichtigt, mit der die Beobachtermission der Arabischen Liga zum Scheitern verurteilt werden soll, dann sieht man, dass sie Situation extrem heiss ist. Ich persönlich denke, die Entscheidungen werden jetzt von militärischen Aspekten dominiert. Man sieht, dass neben den Wirtschaftssanktionen, unter denen jetzt die Bevölkerung leidet auch Aspekte der Kriegserzählung ("Nicht so wichtig, der Assad war sowieso überfällig") durch die Berichterstattung enorm erleichtert werden.
haben Sie noch nichts davon gehört, dass gerade die USA geraten haben der Beobachtermission mehr Zeit einzuräumen?
Hape1 02.01.2012
5. ...
Zitat von Medianethaben Sie noch nichts davon gehört, dass gerade die USA geraten haben der Beobachtermission mehr Zeit einzuräumen?
Naja...ein Krieg will gut vorbereitet sein. Und das braucht halt mal Zeit. Das verkaufte Kriegsgerät muss ja auch noch an die Saudis ausgeliefert werden.
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