Gewalt in Bagdad USA planen militärischen Strategiewechsel

Bagdad versinkt im Chaos: Die US-Armee hat eingeräumt, dass sich die Sicherheitslage in der irakischen Hauptstadt trotz der jüngsten Militäroffensive dramatisch verschlechtert hat. Einmal mehr wird über einen Strategiewechsel nachgedacht.


Bagdad - Es ist nicht allzu lange her, dass die USA eine Sicherheitsoffensive in Bagdad für gescheitert erklärten. Im Juli musste das Weiße Haus eingestehen, dass ein Plan zur weitgehenden Befriedung der irakischen Hauptstadt wirkungslos geblieben sei. Als Konsequenz schickte US-Präsident George W. Bush Tausende Soldaten als Verstärkung nach Bagdad.

Kein Ende der Gewalt in Bagdad: Der al-Shurja-Markt nach einem Anschlag
DPA

Kein Ende der Gewalt in Bagdad: Der al-Shurja-Markt nach einem Anschlag

Doch die Lage ist einfach nicht in den Griff zu bekommen: In den vergangenen drei Wochen - also während des Fastenmonats Ramadan - habe die Gewalt im gesamten Land um mindestens 20 Prozent zugenommen, räumte der Sprecher der multinationalen Streitkräfte, William Caldwell, jetzt ein und bezeichnete diese Zuspitzung der Gewalt als "entmutigend". Die Zahl der im Irak getöteten US-Soldaten stieg gestern auf 72 Gefallene im Oktober, der damit einer der folgenschwersten Monate für die US-Armee seit dem Einmarsch in den Irak werden könnte. Seit Beginn des Krieges vor drei Jahren kamen damit mehr als 2700 amerikanische Soldaten ums Leben.

Angesichts der anhaltenden Gewalt erwägt die US-Armee nun einmal mehr einen Strategiewechsel für die Hauptstadt Bagdad, um der Gewalt dort ein Ende zu bereiten. "Die Operation 'Gemeinsam Vorwärts' hat eine Veränderung beim Einsatzort gebracht, aber sie hat nicht unsere Erwartungen erfüllt, die Gewalt anhaltend zu reduzieren", zog Caldwell gestern eine ernüchternde Bilanz der jüngsten Anstrengungen. Oberkommandeur George Casey habe daher vor kurzem eine Überprüfung der bisherigen Vorgehensweise in Bagdad angeordnet, sagte. "Wir arbeiten sehr eng mit der irakischen Regierung zusammen, um herauszufinden, wie wir unsere Anstrengungen am besten neu ordnen können."

Den Anstoß für die Überlegungen habe dabei nicht die wachsende Zahl getöteter US-Soldaten gegeben, auch wenn dies der Armee große Sorgen bereite, ergänzte Leutnant Christopher Garver. Der Oberkommandeur habe die Prüfung der Bagdad-Strategie bereits in der vergangenen Woche angeordnet. "Die Opfer der US-Armee sind eine große Sorge, aber dies ist nicht der Motor hinter der Überprüfung", erläuterte Garver.

Im Irak kam es am Donnerstag vor allem in der nördlichen Stadt Mossul zu einer Reihe von Anschlägen und Gefechten, bei denen mindestens 20 Menschen getötet wurden. Sechs Selbstmordattentäter - darunter ein Extremist in einem Tanklaster nahe einer Polizeiwache - sprengten sich in die Luft.

In der ebenfalls im Norden gelegenen Stadt Kirkuk kamen mindestens acht Menschen bei der Explosion einer Autobombe ums Leben. Nach den Anschlägen wurde über Mossul, die drittgrößte irakische Stadt, eine Ausgangssperre verhängt. Die Stadt erlebt derzeit eine Eskalation der Gewalt, die von sunnitischen Rebellen, aber auch von sunnitischen Arabern und Kurden ausgeht, die um die Vorherrschaft in der Region kämpfen. Im Ort Chalis, etwa 80 Kilometer nördlich von Bagdad, detonierte eine am Straßenrand deponierte Bombe und tötete auf einem belebten Markt zehn Menschen. 20 weitere wurden den Behörden zufolge verletzt.

phw/reuters/dpa

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