Gewalt in Bagdad Viele Tote bei Anschlag, Angriffe auf US-Soldaten

Das Attentat vor dem Innenministerium galt den Polizeichefs aller 18 Provinzen, die sich in Bagdad aufhielten. 13 Menschen starben. Schwere Gefechte gab es zwischen Anhängern des Predigers Sadr und der irakischen Armee. Insgesamt wurden mindestens 50 Menschen getötet.


Bagdad - Bei dem Anschlag auf das irakische Innenministerium in Bagdad wurden am Morgen 13 Menschen getötet und 45 verletzt. Der Attentäter sprengte seinen Wagen vor dem ersten Kontrollposten vor dem Ministeriumseingang in die Luft, wie Sicherheitskräfte mitteilten. Im Ministerium fand zu dem Zeitpunkt ein Treffen der Polizeichefs aller 18 Provinzen statt. Wachposten vor dem Ministerium feuerten den Angaben zufolge anschließend um sich, um die Menschenmenge zu zerstreuen und Autos daran zu hindern, sich dem Schauplatz des Anschlags zu nähern.

Bei Bombenanschlägen und Angriffen von Aufständischen wurden in der Region um die irakische Hauptstadt sechs US-Soldaten getötet. Wie jetzt bekannt wurde, kamen vier von ihnen nach Angaben der US-Armee ums Leben, als am Sonntag ein Sprengsatz im Norden Bagdads neben ihrem Wagen explodierte. Ein weiterer Soldat starb unter ähnlichen Umständen im Westen der Stadt. Das sechste Opfer wurde von Aufständischen mit Schusswaffen getötet.

In Diwanija südlich von Bagdad lieferten sich irakische Soldaten heftige Gefechte mit schiitischen Milizen des radikalen Predigers Muktada al-Sadr. Dabei kamen Krankenhaus- und Armeeangaben zufolge 25 Soldaten ums Leben, fünf weitere wurden noch vermisst. Ein Krankenhausmitarbeiter berichtete zudem von neun toten Zivilisten. Den Angaben zufolge waren die Gefechte bereits gestern Abend ausgebrochen.

Die irakischen und US-Streitkräfte hatten im August eine zweite Phase ihrer Sicherheitsoffensive „Gemeinsam vorwärts“ in und rund um Bagdad eingeläutet, nachdem die erste Phase zu keiner sichtbaren Entspannung der Gewalt führte. Die neue Strategie besteht unter anderem darin, als Unruheherde geltende Viertel komplett abzuriegeln.

Britischer Verteidigungsminister besucht Bagdad

Während die Gewalt nicht abebbt, ist der britische Verteidigungsminister Des Browne zu einem Besuch in der irakischen Hauptstadt eingetroffen. Browne werde Gespräche mit Ministerpräsident Nuri al-Maliki sowie weiteren irakischen und US-amerikanischen Regierungsvertretern führen, teilte die britische Botschaft in Bagdad mit.

Ein Hauptthema der Treffen dürfte die im kommenden Monat geplante Übergabe der Sicherheitskontrolle in einer zweiten südirakischen Provinz an die einheimischen Sicherheitskräfte sein. Nach irakischen und britischen Angaben soll dieser Schritt in Kürze für die Region Dhi Kar offiziell angekündigt werden. Im Juli war bereits die Nachbarprovinz al-Muthanna irakischer Kontrolle unterstellt worden.

Nach dem Abzug aus Dhi Kar wären noch 7000 britische Soldaten im Irak, die die Stadt Basra sowie die Provinz Majsan an der Grenze zu Iran kontrollieren. Vergangene Woche hatte ein hochrangiger britischer Kommandeur angekündigt, nach einer Übergabe der Kontrolle über den gesamten Süden an die Iraker könnten die Truppen Großbritanniens im Irak bis Mitte des kommenden Jahres halbiert werden.

Ein weiteres Thema bei Brownes Besuch dürften die Bemühungen um ein Ende der Gewalt zwischen rivalisierenden schiitischen Gruppen in Basra sein. Im Laufe des vergangenen Jahres sind die britischen Truppen zunehmend in diese Konflikte hineingezogen worden.

asc/AFP/AP/Reuters

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