Gewalt in Kenia FBI bietet Ermittlungshilfe an

Uno-Generalsekretär Ban hat die verfeindeten Lager in Kenia zu einem Ende der Gewalt aufgerufen. Nach dem Mord an einem Abgeordneten der Partei von Oppositionschef Odinga will die US-Bundespolizei die Ermittlungen unterstützen.


Nairobi - Eindringliche Worte von Ban Ki Moon: Der Uno-Generalsekretär hat die Konfliktparteien in Kenia aufgerufen, dem Chaos und der Gewalt ein Ende zu setzen. "Die Zukunft liegt in Ihren Händen", sagte Ban nach Vermittlungsgesprächen in dem von blutigen Unruhen erschütterten Land. Kenia stehe an einem Scheideweg, Präsident Mwai Kibaki und Oppositionschef Raila Odinga hätten eine "historische Verantwortung".

Kofi Annan und Ban Ki Moon auf Vermittlungsmission in Kenia: "Historische Verantwortung"
DPA

Kofi Annan und Ban Ki Moon auf Vermittlungsmission in Kenia: "Historische Verantwortung"

Gut einen Monat nach der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Kibaki und schweren Kämpfen mit mehr als 800 Toten müsse eine Lösung gefunden werden, forderte Ban.

Ban war nach Kenia gereist, um die Vermittlungsmission seines Vorgängers Kofi Annan zu unterstützen. Annan nahm die Verhandlungen mit Vertretern Kibakis und Odingas wieder auf, die nach dem Mord an dem Abgeordneten David Kimutai Too der Odinga-Partei ODM unterbrochen worden waren.

Die Polizei vermutet private Motive für die Tat, die ODM geht dagegen von einem politischen Mord aus. Es war bereits der zweite Mord an einem Abgeordneten der Odinga-Partei seit der umstrittenen Präsidentenwahl Ende Dezember, die die blutigen Unruhen im Land ausgelöst hatte. Odinga erwies dem nach Nairobi geflogenen Leichnam Toos heute die letzte Ehre und gab der Regierung erneut die Schuld am Tod des Politikers.

Die US-Bundespolizei FBI will die Ermittlungen zum Tod des Abgeordneten und seines am Dienstag getöteten Parteifreundes unterstützen. Die kenianische Regierung habe aber noch nicht auf die Offerte reagiert, sagte ein Sprecher der US-Boschaft. Odinga forderte die Regierung auf, das Angebot anzunehmen.

Der Abgeordneten-Mord löste im Westen Kenias weitere Unruhen aus, die auch heute anhielten. In der Oppositions-Hochburg in Kisumu erschossen Polizisten einen Demonstranten. Dieser habe zusammen mit anderen Demonstrationsteilnehmern eine Polizeiwache angreifen wollen, teilte die Polizei mit. Ein Demonstrant sagte dagegen, der Protest sei friedlich verlaufen, bis Polizisten das Feuer eröffnet und den Mann getötet hätten. Zudem wurden in der Nacht zum Freitag im Westen des Landes 50 Häuser niedergebrannt. Nach Polizeiangaben wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte nach einem Treffen mit seinem schwedischen Kollegen Carl Bildt in Berlin, es sei "erschreckend und bedauerlich", wie rasant die Aufbauarbeit in Kenia durch die Unruhen zunichte gemacht werde. Er hoffe, dass Annans Vermittlungsbemühungen Erfolg hätten. Die Afrika-Expertin der FDP-Bundestagsfraktion, Marina Schuster, kritisierte, Steinmeier zeige eine "defensive Haltung", die "allein auf humanitäre Hilfe" für Kenia setze. Das sei "völlig unverständlich".

hen/AFP/dpa



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