Gewalt in Nahost Hamas und Dschihad düpieren Arafat

Die von Palästinenserpräsident Jassir Arafat ausgerufene Waffenruhe wird von neuen Gewalttaten überschattet. Bei einem Überfall bewaffneter Palästinenser wurde im südlichen Westjordanland eine israelische Siedlerin getötet, ihr Mann erlitt schwere Verletzungen. Radikale Palästinensergruppen kündigten an, den bewaffneten Aufstand gegen Israel fortzusetzen.


Neue Granatenangriffe erschüttern die von Palästinenserpräsident Arafat ausgerufene Waffenruhe
REUTERS

Neue Granatenangriffe erschüttern die von Palästinenserpräsident Arafat ausgerufene Waffenruhe

Jerusalem/Ramallah/Gaza - Nach Angaben des israelischen Rundfunks war die Frau mit ihrem Mann und drei Kindern in einem Fahrzeug nahe der palästinensischen Stadt Bethlehem unterwegs. Bewaffnete Palästinenser hätten aus einem Fahrzeug oder aus einem Versteck am Wegrand das Feuer eröffnet. Die Kinder auf dem Rücksitz blieben unverletzt. Die Angreifer konnten auf palästinensisch kontrolliertes Gebiet entkommen.

In der Stadt Hebron wurden bei einer Schießerei zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern nach Armeeangaben mehrere Palästinenser verletzt.

Bei der Explosion einer Bombe am Zaun um die Siedlung Oranit an der grünen Grenze zu Israel erlitten zwei Israelis Verletzungen. Am Rande der Stadt Rafah im südlichen Gaza-Streifen warfen Palästinenser trotz der Anordnung Arafats zwei dutzend Granaten gegen einen Stützpunkt der Israelis. In den übrigen Palästinensergebieten blieb es dagegen weiterhin ruhig.

Arafat war am Mittwochabend aus Amman nach Ramallah im Westjordanland zurückgekehrt, wo er den örtlichen Kommandanten seiner Polizei- und Sicherheitsorganisationen Anweisungen für die Umsetzung der Waffenruhe gab. Hebron und Rafah gehörten in den vergangenen Monaten zu den Hochburgen der bewaffneten Revolte gegen die israelische Armee und jüdische Siedler in den Palästinensergebieten. Die radikalen Organisationen Hamas und Dschihad haben angekündigt, dass sie den Aufstand gegen Israel fortsetzen wollen.

Treffen zwischen Peres und Arafat

Inzwischen berichtete die Tageszeitung "Haaretz" unter Berufung auf diplomatische Kreise in Jerusalem, das mehrfach verschobene Treffen des israelischen Außenministers Schimon Peres mit Arafat werde am kommenden Wochenende stattfinden, falls die Waffenruhe eingehalten werde.

Peres und der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon trafen sich am Mittwochabend, um über die Entwicklung in den Palästinensergebieten zu sprechen. Scharon hat das Treffen mit Arafat, bei dem es um die Entspannung in den Palästinensergebieten und Verbesserungen für die Bevölkerung gehen soll, von der Einhaltung einer 48-stündigen Waffenruhe abhängig gemacht.

In weiten Teilen des Westjordanlands und im Gaza-Streifen war die am Dienstag verkündete Waffenruhe strikt eingehalten worden. Palästinensische Polizei patrouillierte in den autonomen Städten und zeigte vor allem dort Präsenz, wo es in den vergangenen Wochen immer wieder zu schweren Zusammenstößen mit der israelischen Armee gekommen war. Dennoch betonte Regierungssprecher Avi Pasner am Abend, die Waffenruhe habe aus israelischer Sicht noch nicht begonnen.



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