Gewalt in Syrien Arabische Liga schickt vorerst keine weiteren Beobachter

Nach der Gewalt gegen drei Mitglieder ihrer Delegation will die Arabische Liga zunächst keine weiteren Beobachter nach Syrien schicken. Man wolle eine Beruhigung der Lage abwarten, sagte ein Vertreter des Staatenbundes. US-Außenministerin Clinton übte scharfe Kritik an Machthaber Assad.


Kairo - Der Angriff auf ein Team der Arabischen Liga in Syrien hat Folgen: Das Staatenbündnis schickt vorerst keine weiteren Beobachter in das Land. Zunächst solle abgewartet werden, bis sich die Lage beruhige, sagte ein Vertreter des Staatenbundes, der namentlich nicht genannt werden wollte, am Mittwoch in Kairo. Bei einem Angriff auf ein Team der Beobachter waren am Montag in der Region von Lattakia drei Mitglieder verletzt worden.

Der Vertreter der Arabischen Liga wies zugleich die Aussagen des algerischen Beobachters Anouar Malek zurück, der aus Protest gegen die Gewalt von Seiten der syrischen Führung am Mittwoch seinen Rücktritt erklärt hatte. Dessen Schilderungen entbehrten "jeder Grundlage". Malek sei krank gewesen und habe in seinem Hotelzimmer Bettruhe halten müssen. "Wie kann man dann solche Vorwürfe machen?" Malek dagegen sagte dem Fernsehsender al-Dschasira, er habe sich gut zwei Wochen lang in der Protesthochburg Homs aufgehalten. Er warf Damaskus vor, die Beobachter der Arabischen Liga getäuscht und die ihnen gezeigten Dinge "inszeniert" zu haben.

Die 165 Beobachter der Arabischen Liga, die sich seit dem 26. Dezember in Syrien aufhalten, sollen die Umsetzung eines Plans zur Beendigung der Gewalt überwachen, dem das Regime von Präsident Baschar al-Assad am 19. Dezember zugestimmt hatte. Die syrische Opposition hatte der Mission im Vorfeld vorgeworfen, das anhaltende brutale Vorgehen des Regimes zu decken.

US-Außenministerin Hillary Clinton warf Syriens Machthaber Assad am Mittwoch vor, eine "kalte, zynische Rede" gehalten zu haben, statt Verantwortung zu übernehmen. Assad hatte am Vortag bei einem Auftritt an der Universität von Damaskus vor handverlesenem Publikum gesagt, dass es keinen Schießbefehl seiner Armee und Sicherheitsdienste gegen die demonstrierende Opposition gebe. Clinton fügte hinzu, dass die Mission der Arabischen Liga in dem Land nicht unbegrenzt dauern könne. Zudem kündigte die US-Regierung an, wegen Sicherheitsbedenken weitere Botschaftsmitarbeiter aus Syrien abzuziehen.

Am Mittwoch war ein französischer Kameramann auf einer von der syrischen Regierung genehmigten Reportagereise in der Protesthochburg Homs ums Leben gekommen. Er ist laut Behördenangaben der erste westliche Journalist, der seit Beginn des Aufstands gegen Assad getötet wurde. Der 43-jährige Gilles Jacquier arbeitete für den französischen Sender France 2 TV. Laut einem weiteren Journalisten, der mit derselben Gruppe unterwegs war, wurden sie von mehreren Granaten getroffen. Bis zu sechs Syrer seien ebenfalls dem Beschuss zum Opfer gefallen, teilten Aktivisten mit. "Mit großer Trauer hat France 2 die Nachricht vom Tod des Reporters Gilles Jacquier in Homs in Syrien unter noch zu klärenden Umständen aufgenommen", teilte der Sender mit. Jacquier berichtete über Jahre aus den Krisengebieten der Welt: aus Afghanistan, dem Gaza-Streifen, dem Kongo, dem Irak, dem Jemen.

Ein freier niederländischer Journalist sei bei dem Vorfall verletzt worden, teilte eine Sprecherin des niederländischen Außenministeriums mit. Der Mann sei in einem örtlichen Krankenhaus behandelt und bereits wieder entlassen worden. Seit Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime im vergangenen März sind nach Uno-Schätzungen 5000 Menschen ums Leben gekommen.

hen/AFP/Reuters/dapd

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suhail 13.01.2012
1.
Zitat von sysopNach der Gewalt gegen drei Mitglieder ihrer Delegation will die Arabische Liga zunächst keine weiteren Beobachter nach Syrien schicken. Man wolle eine Beruhigung der Lage abwarten, sagte ein Vertreter des Staatenbundes. US-Außenministerin Clinton übte scharfe Kritik an Machthaber Assad. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808622,00.html
bzgl. ihres neusten syrien videos über den "freiheitskonvoi" Heikle Mission: Konvoi mit Hilfsgütern vor syrischer Grenze gestoppt - Video - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten (http://spon.de/ve408) interessant, dass dieser "muslim"bruder (=> http://www.arabi-press.com/userfiles/408718_285361868188951_177476862310786_855979_803009054_n2383.jpg) auch am "hilfskonvoi" teilnimmt, den man bereits im juni in jissr ash-shoghur sehen konnte, nachdem alle 120 der dort stationierten soldaten von ebensolchen bewaffneten getöten wurden. soweit ich mich erinnere damals eines der ersten offiziellen fotos von bewaffneten rebellen/terroristen/freiheitskämpfern, als es bei uns noch hieß die demos seien friedlich und unbewaffnet... artikel vom 16/06/2011, l'express: Syrie: premières images de rebelles armés à Jisr al-Choughour - LExpress.fr (http://www.lexpress.fr/actualites/1/monde/syrie-premieres-images-de-rebelles-armes-a-jisr-al-choughour_1003207.html) (schönen haken hat er da in der hand) äußerst friedliche leute wollen da wohl mit "hilfs"gütern helfen!
zukunft007 17.01.2012
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Zitat von sysopNach der Gewalt gegen drei Mitglieder ihrer Delegation will die Arabische Liga zunächst keine weiteren Beobachter nach Syrien schicken. Man wolle eine Beruhigung der Lage abwarten, sagte ein Vertreter des Staatenbundes. US-Außenministerin Clinton übte scharfe Kritik an Machthaber Assad. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,808622,00.html
anlässlich der Umstände,die zum Tod des französischen Journalisten führten,scheint sich langsam etwas zu klären. Glatter Reinfall der französischen Geheimagenten in Homs [Voltaire Netzwerk] (http://www.voltairenet.org/Glatter-Reinfall-der-franzosischen?utm_medium=twitter&utm_source=VoltaireNet) so kann man Journalisten natürlich auch der Gefahr aussetzen.
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