Gewalt in Syrien Katars Emir sucht Verbündete für Intervention

Jetzt soll eine arabische Friedenstruppe Syriens Zivilisten schützen: Zehn Monate nach Beginn des Aufstands bringt Katar eine Intervention ins Spiel. Doch diese Mission ist innerhalb der Arabischen Liga politisch kaum durchzusetzen - und militärisch schwer durchführbar.

Katars Emir al-Thani: "Einige Truppen sollten entsandt werden, um das Töten zu stoppen"
AP

Katars Emir al-Thani: "Einige Truppen sollten entsandt werden, um das Töten zu stoppen"

Von


Mehr als 5000 Todesopfer haben die Unruhen in Syrien seit März vergangenen Jahres nach Uno-Angaben gefordert, Zehntausende Regimegegner wurden seither inhaftiert. Staatschefs aus der Region und der Generalsekretär der Arabischen Liga warnen vor einem drohenden Bürgerkrieg. Und am Wochenende sorgten Äußerungen von Katars Emir Scheich Hamad Bin Chalifa al-Thani für Aufsehen, der als erster arabischer Staatschef die Entsendung ausländischer Truppen nach Syrien ins Spiel brachte.

"Truppen sollten entsandt werden, um das Töten zu stoppen", erklärte Scheich Hamad in einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender CBS, das am Sonntag ausgestrahlt wurde. Allerdings waren seine Äußerungen nicht neu: Das Statement wurde bereits Mitte November im Rahmen einer Reportage über Katar aufgezeichnet. Offenbar war den CBS-Journalisten die Brisanz der Aussage bis dato verborgen geblieben.

Amr Mussa, ehemaliger Chef der Arabischen Liga und aussichtsreicher Bewerber um die ägyptische Präsidentschaft, griff Scheich Hamads Forderung umgehend auf und erklärte, die Liga werde demnächst über den Vorschlag beraten, arabische Soldaten nach Syrien zu entsenden. Andere arabische Regierungschefs äußerten sich bislang nicht zum Vorstoß des Emirs. Am kommenden Wochenende wird Katar aber beim Treffen der arabischen Außenminister aller Voraussicht nach für eine Militärintervention in Syrien werben.

Werden also demnächst Friedenstruppen der Arabischen Liga in Hama, Homs oder Deraa einmarschieren, um die Zivilbevölkerung zu schützen und dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten? Das ist aus mehreren Gründen äußerst unwahrscheinlich.

Libanon und der Irak halten zu Assad

Auch wenn die Führung der Arabischen Liga ein anderes Bild zu vermitteln versucht, sind die 22 Mitgliedstaaten in der Frage des Umgangs mit Syrien keineswegs einer Meinung. Während neben Katar vor allem Saudi-Arabien und Jordanien auf Konfrontationskurs mit dem Assad-Regime gehen, halten sich besonders die Regierungen Algeriens, des Libanon und des Irak mit rhetorischen Angriffen auf Damaskus zurück. Sie betrachten die Entwicklungen in Syrien als eine innere Angelegenheit, über die allein die syrische Regierung und nicht die Arabische Liga zu entscheiden habe. Den Sanktionen gegen Syrien und der Entsendung einer Beobachtermission stimmten diese letzten Assad-Freunde nur zögerlich zu.

Besonders die Regierungen in Bagdad und Beirut blicken mit Sorge nach Syrien. Beide Staaten fürchten, bei einer weiteren Destabilisierung der Lage in ihrem Nachbarland selbst Schaden zu nehmen. Libanons Ministerpräsident Nadschib Mikati ist zudem ein persönlicher Freund von Baschar al-Assad und unterhält enge Geschäftsbeziehungen nach Damaskus. Außerdem ist seine eigene Regierung abhängig von der Unterstützung der Hisbollah, die ihrerseits von Syrien finanziert und ausgerüstet wird und die Assad weiterhin in unerschütterlicher Treue zur Seite steht.

Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki ist seinerseits auf iranische Unterstützung angewiesen. Teheran wiederum ist der wichtigste Verbündete des syrischen Regimes und erwartet von der Regierung in Bagdad Unterstützung für Assad. Zugleich hat der Schiit Maliki kein Interesse an einem Regimewechsel in Damaskus, der unweigerlich eine von Sunniten dominierte Regierung an die Macht bringen und damit auch die sunnitische Minderheit im Irak beeinflussen würde.

Zwar sind die Beschlüsse der Arabischen Liga nur für jene Mitgliedstaaten bindend, die ihnen zugestimmt haben. Dennoch stellt Katars Emir die Organisation mit seinem Vorpreschen vor eine Zerreißprobe.

Den arabischen Armeen fehlt militärische Erfahrung

Und selbst wenn sich die Arabische Liga mehrheitlich auf eine Militärmission in Syrien einigen sollte, ist derzeit noch vollkommen unklar, wie diese aussehen könnte. Anders als bei der Intervention in Libyen wird es für Staaten wie Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate diesmal nicht damit getan sein, einige wenige Kampfjets zu entsenden.

Um die Zivilbevölkerung wirksam zu schützen, müsste eine Pufferzone errichtet werden, in der humanitäre Hilfe geleistet werden kann. Dafür sind Bodentruppen unabdingbar. Doch keine arabische Armee hat praktische Erfahrungen mit einer derartigen Mission und kaum eine arabische Nation ist daran gewöhnt, dass eigene Soldaten in Auslandseinsätzen ihr Leben aufs Spiel setzen. Zwar ist die Solidarität mit den syrischen Oppositionellen in der arabischen Welt groß, sie kann jedoch schnell schwinden, sobald die ersten eigenen Soldaten tot aus Syrien zurückkehren sollten.

Die syrische Opposition selbst ist sich uneins hinsichtlich einer ausländischen Intervention. Während ihre Vertreter im Exil ein Eingreifen des Auslands mehrheitlich ablehnen, wächst in Syrien die Forderung nach einem Militäreinsatz. "Es gibt keinen friedlichen Weg, das Regime zu stürzen", erklärte ein syrischer Oppositioneller SPIEGEL ONLINE. "Noch vor einem Monat war ich völlig gegen eine Intervention, jetzt bin ich absolut dafür. Ich kann es nicht länger ertragen."

Derzeit ist noch völlig offen, wie eine Exit-Strategie für eine mögliche Schutzmission aussehen könnte. Um einen wirksamen Schutz der Zivilbevölkerung zu sichern, müsste die Truppe bis zum Sturz Assads in Syrien bleiben. Das aber kann Monate, vielleicht sogar Jahre dauern.

Und auch danach droht dem Land eine ungewisse, instabile Zukunft, die viele Gefahren birgt - auch für eine mögliche Friedenstruppe. Die Arabische Liga wäre nicht der erste Akteur im Nahen Osten, der die Erfahrung machen muss, dass die Entscheidung für ein militärisches Eingreifen schnell gefällt wird, der geordnete Abzug hinterher aber umso schwerer umzusetzen ist.

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
intenso1 16.01.2012
1. ...
Zitat von sysopJetzt soll eine arabische Friedenstruppe Syriens Zivilisten schützen: Zehn Monate nach Beginn des Aufstands bringt Katar eine*Intervention ins Spiel. Doch*diese Mission ist innerhalb der Arabischen Liga politisch kaum durchzusetzen - und militärisch schwer umsetzbar. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809414,00.html
Es wird doc h möglich sein sich ein paar Willige bei den Nato-Staaten zu suchen, wenn es m,it den eigenen Leuten nicht klappt. In Libyen und Irak ist die Demokratie auf dem Vormarsch, in Afghanistan ist es auch bald soweit. Man hatt also im Moment Zeit.
Klaschfr 16.01.2012
2. Nur Mut!
Zitat von sysopJetzt soll eine arabische Friedenstruppe Syriens Zivilisten schützen: Zehn Monate nach Beginn des Aufstands bringt Katar eine*Intervention ins Spiel. Doch*diese Mission ist innerhalb der Arabischen Liga politisch kaum durchzusetzen - und militärisch schwer umsetzbar. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809414,00.html
Am besten macht es Katar ganz allein. Mit klarem Ausgang. Muss dan der Emir gehen?
drouhy 16.01.2012
3. Der
Zitat von sysopJetzt soll eine arabische Friedenstruppe Syriens Zivilisten schützen: Zehn Monate nach Beginn des Aufstands bringt Katar eine*Intervention ins Spiel. Doch*diese Mission ist innerhalb der Arabischen Liga politisch kaum durchzusetzen - und militärisch schwer umsetzbar. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809414,00.html
katarische Friedensengel sorgt samt seinen wahabitschen Brüdern in Riad bereits für Frieden. Herr Belhadsch samt seiner bärtigen Schlächtertruppe ist bereits von Libyen nach Syrien gereist. In Libyen wurden er und seine Bande bereits vom Höchstdemokrator und Emir von Katar mit Geld, Waffen und Söldner unterstützt. Da Herr Belhadsch die militärische Führung der FSA übernommen hat, ihm dabei das Nato-Land Türkei kräftig unter die Arme greift - da braucht es keine Hiwis aus der Wüste mehr. Der Bürgerkrieg, angestachelt durch saudische Hassprediger ist in vollem Gange, wenn die Häfte der Toten Sicherheitskräfte Assads sind. All dies ist ein praktikables Mittel des Neuen Kalten Krieges, wenn man denn dem FNP, Killerkommandeur und Drohnenliebhaber glauben darf, der diese Art von Kriegführung für zukunftsweisend betrachtet. Merkwürdig dabei ist nur, dass der Krieg gegen den Terror anscheinend in ein Bündnis mit dem Terror umgewandelt wurde, und die mediale Kriegführung zum Einlullen der eigenen Bevölkerung auf Hochtouren läuft. Es wird Zeit, dass den irren sunnitischen Glaubenskriegern am Golf der Garaus gemacht wird. Sie sind es, die als Stellvertreter eine ganze Region in Brand stecken - natürlich nur im Namen Gottes.
Adhamm 16.01.2012
4. Seht gut!!!!
Zitat von drouhykatarische Friedensengel sorgt samt seinen wahabitschen Brüdern in Riad bereits für Frieden. Herr Belhadsch samt seiner bärtigen Schlächtertruppe ist bereits von Libyen nach Syrien gereist. In Libyen wurden er und seine Bande bereits vom Höchstdemokrator und Emir von Katar mit Geld, Waffen und Söldner unterstützt. Da Herr Belhadsch die militärische Führung der FSA übernommen hat, ihm dabei das Nato-Land Türkei kräftig unter die Arme greift - da braucht es keine Hiwis aus der Wüste mehr. Der Bürgerkrieg, angestachelt durch saudische Hassprediger ist in vollem Gange, wenn die Häfte der Toten Sicherheitskräfte Assads sind. All dies ist ein praktikables Mittel des Neuen Kalten Krieges, wenn man denn dem FNP, Killerkommandeur und Drohnenliebhaber glauben darf, der diese Art von Kriegführung für zukunftsweisend betrachtet. Merkwürdig dabei ist nur, dass der Krieg gegen den Terror anscheinend in ein Bündnis mit dem Terror umgewandelt wurde, und die mediale Kriegführung zum Einlullen der eigenen Bevölkerung auf Hochtouren läuft. Es wird Zeit, dass den irren sunnitischen Glaubenskriegern am Golf der Garaus gemacht wird. Sie sind es, die als Stellvertreter eine ganze Region in Brand stecken - natürlich nur im Namen Gottes.
------------------------------------------------------- Leute wie Sie sollen hier immer reinkommentieren. Also bitte lassen Sie uns von Ihnen immer hören! Niemand will glauben, dass hinter den "friedlichen" Demonstranten was Geheimnisvolles steckt. Es ist eine Verschwörung nicht nur gegen Syrien sondern die gesamten arabischen Welt. Warten Sie Liebe Deutsche nur ab und sehen Sie was unter der Übermacht der Extremisten und Radikalen sowohl in Libyen als auch in Ägypten und Tunesien passieren wird. Die radikalen Islamisten stecken hinter allen Bewegungen im Nahen Osten. Das Öl sei nur ein winziger Grund dafür, warum solche Revolutionen von den Golf-Region-Staaten unterstützt werden. Niemand sagt, dass Syrien ein demokratisches Vorbild wäre, aber hat man sich gefragt, ob die Leute im Nahen Osten für Demokratie nach dem westlichen Modell bereit sind? Sicher nicht.
Putinfreund 16.01.2012
5.
Zitat von drouhykatarische Friedensengel sorgt samt seinen wahabitschen Brüdern in Riad bereits für Frieden. Herr Belhadsch samt seiner bärtigen Schlächtertruppe ist bereits von Libyen nach Syrien gereist. In Libyen wurden er und seine Bande bereits vom Höchstdemokrator und Emir von Katar mit Geld, Waffen und Söldner unterstützt. Da Herr Belhadsch die militärische Führung der FSA übernommen hat, ihm dabei das Nato-Land Türkei kräftig unter die Arme greift - da braucht es keine Hiwis aus der Wüste mehr. Der Bürgerkrieg, angestachelt durch saudische Hassprediger ist in vollem Gange, wenn die Häfte der Toten Sicherheitskräfte Assads sind. All dies ist ein praktikables Mittel des Neuen Kalten Krieges, wenn man denn dem FNP, Killerkommandeur und Drohnenliebhaber glauben darf, der diese Art von Kriegführung für zukunftsweisend betrachtet. Merkwürdig dabei ist nur, dass der Krieg gegen den Terror anscheinend in ein Bündnis mit dem Terror umgewandelt wurde, und die mediale Kriegführung zum Einlullen der eigenen Bevölkerung auf Hochtouren läuft. Es wird Zeit, dass den irren sunnitischen Glaubenskriegern am Golf der Garaus gemacht wird. Sie sind es, die als Stellvertreter eine ganze Region in Brand stecken - natürlich nur im Namen Gottes.
Wenn das stimmt, daß der Schlächter von Lybien, Belhadsch, mit seiner Mördertruppe bereits in Syrien ist und als Chef der sogenannten Freien Syrischen Armee gegen Assad kämpft, ist mir der Artikel in SPON vollkommen unverständlich. Dann wäre es doch wirklich mal an der Zeit, die wahren Ziele und Methoden der Syrischen Opposition mal etwas kronkreter darzulegen und mit dem Quatsch der angeblich friedlichen und unbewaffneten Zivilisten aufzuhören. Es wäre an der Zeit diesen Belhadsch einmal näher "vorzustellen" und auf seine und die Taten seiner Verbrecherbande zur "Befreiung" Lybiens näher einzugehen. Auch die Unterstützer, wie bereits angedeutet, Türkei und Katar und vielleicht noch andere, wären doch einer näheren Erläuterung wert. Oder gibt es jemanden in Deutschland, der Ihnen das verbietet? Das wäre natürlich sehr interessant. Noch viel interessanter ist es doch, daß bisher kein westeuropäisches Land, noch der Strafgerichtshof in Den Haag die Auslieferung dieser blutbesudelten Person wegen Kriegsverbrechen gefordert hat. Ich dachte immer, daß die westeuropäischen Länder so an den Rechtsgrundsätzen interessiert sind. Oder kommt die Empörung erst, wenn er seine blutige "Arbeit" in Syrien erledigt hat?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.