Gewalt in Syrien Syrische Demonstranten rufen nach Nato-Einsatz

In Syrien eskaliert die Gewalt zwischen den Regierungstruppen und der Protestbewegung erneut. Am Freitag kamen wieder viele Menschen ums Leben. Einem Bericht zufolge wächst die Zahl der Demonstranten, die nach einem Nato-Einsatz rufen - ermutigt vom Tod Muammar al-Gaddafis.


Damaskus - Die syrische Regierung ging am Freitag Berichten zufolge erneut hart gegen Demonstranten vor. Rund 30 Menschen sind nach Angaben von Oppositionsgruppen bei Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad getötet worden. Wegen der Gewalt gegen die Protestbewegung wird offenbar der Ruf nach einem Nato-Einsatz unter den Demonstranten immer lauter, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet.

Viele der Demonstranten verlangten die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien, falls das Regime die Luftwaffe gegen das eigene Volk einsetzen sollte, berichteten Aktivistengruppen. Außerdem riefen die Demonstranten demnach nach der Entsendung von internationalen Beobachtern. Der oppositionelle Nationalrat hat internationalen Schutz verlangt, den Wunsch nach einer Militärintervention nach dem Vorbild Libyens jedoch nicht ausdrücklich ausgesprochen.

Nach den Freitagsgebeten riskierten in Hama und Homs Demonstranten erneut ihr Leben und forderten die Hilfe des Westens, dessen Luftangriffe in Libyen eine entscheidende Rolle beim Sturz von Staatschef Muammar al-Gaddafi gespielt hatten. Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Oppositionsgruppe "Syrisches Observatorium für Menschenrechte" und den Örtlichen Koordinationskomitees, die in Syrien die Demonstrationen mitorganisieren und Menschenrechtsverletzungen dokumentieren, kamen am Freitag zwischen 29 und 37 Menschen ums Leben.

In Homs sollen die Regierungstruppen mit Maschinengewehren auf die Menge geschossen haben. In Hama soll es zu Gefechten zwischen loyalen und desertierten Soldaten gekommen sein.

Auch in anderen syrischen Städten hätten ähnliche Kundgebungen stattgefunden, berichteten Anwohner und Regierungsgegner. Die Demonstranten fühlten sich durch Gaddafis Tod ermutigt. Assad zeigt sich vom internationalen Druck unbeeindruckt: Einwohner berichteten, Hubschrauber hätten diese Woche mit Maschinengewehren und Raketen auf Wohnviertel in Homs gefeuert.

Die Regierung in Damaskus geht seit sieben Monaten gegen die Revolte vor, macht aber bewaffnete Gruppen für die Gewalt verantwortlich. Die Unterdrückung der Proteste hat nach Schätzungen der Uno bereits mehr als 3000 Syrer das Leben gekostet. Weil die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen wurden, ist eine Überprüfung der Angaben nur schwer möglich.

bos/dapd/Reuters

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Werner_Missal 28.10.2011
1. Umzug
Die mordenden Barbaren aus Lybien sind ja nun arbeitslos, da kan es ja eigentlich nach Syrien gehen.
blumt0pf 28.10.2011
2. Na super...
Zitat von sysopIn Syrien eskaliert die Gewalt zwischen den Regierungstruppen und der Protestbewegung erneut. Am Freitag kamen*wieder viele Menschen*ums Leben. Einem Bericht zufolge wächst die Zahl*der*Demonstranten, die*nach einem Nato-Einsatz rufen*- ermutigt vom Tod Muammar al-Gaddafis. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794719,00.html
Oha. Möchte die Nato noch ein islamisches Emirat schaffen? Also, bei der Lage in Libyen, Tunesien und Ägypten, v.a. bei den Kopten, weiß ich nicht einmal, ob ich nicht auf Assads Seite bin. Die Demonstranten haben bislang nur 2 Dinge bewiesen; nämlich, dass sie noch grausamer sein können und Minderheiten noch mehr diskriminieren und unterdrücken als die Diktaturen.
dangidangi 29.10.2011
3. Paradies.
Stimmt, nach NATO-"Unterstützungen" hat sich bisher noch jedes krisengeschüttelte Land in ein demokratisches Paradies verwandelt.
wika 29.10.2011
4. NATO sagt nein …
… dass ist aber böse, gell. Hat denn keiner den Syrern vor der Wahrnehmung ihrer Rechte erklärt, dass es keine Befreiung geben kann wenn nicht die Gegenwerte stimmen. Die blanken Menschenrechte zählen doch rein gar nichts, die sind nur für Diskussionsrunden gut. Und nur um ein neues Pulverfass zur Explosion zu bringen wird sich wohl niemand auf das Abenteuer einlassen. Ich denke auch, dass Assad nicht annähernd so viel Vermögen wie Gaddafi im Ausland hat, welches für die Befreiungskosten ausreichen könnte. Schade liebe Syrer, für euch wird die UN und NATO Lostrommel wohl nicht eröffnet werden.
denkmalnach2 29.10.2011
5. Arabischer Winter bald auch in Syrien?
Was hat denn der sog. "Arabische Frühling" bislang gebracht und auf welchem Weg ist er? 1) In Libyen wurde letzte Woche vom angeblich "demokratischen" Übergangsrat die Scharia als Grundgesetz ausgerufen - was das für die Betroffenen heißt, kann jeder selbst nachlesen - 2) In Tunesien gewinnt eine islamistische Partei, die bislang verboten war. Liberale Tunesier selbst befürchten jetzt eine Islamisierung des Landes 3) Die ägyptische Militärführung wird immer mehr von sog. "Salafisten" unterwandert, welche die Kopten terrorisieren und liberale Politiker (wie Barradei) bedrohen. Überhaupt wird das Land zum Sammelbecken für Islamisten (aus Palästina und der arabischen Halbinsel). Wie die Wahl dort ausgehen wird, kann sich jeder denken... -> Assad, so sehr ich die Gewalt auch verurteile, hat wohl nicht unrecht, wenn er sagt, dass die Proteste in seinem Land von Terroristen initiiert werden. Den meisten, die in Syrien auf die Straße gehen, geht es nicht um eine freiheitliche Demokratie, wie im Westen, sondern um die Errichtung eines weiteren islamistischen Gottesstaates. Im Gegensatz zu den meisten anderen arabischen Ländern hat übrigens die christliche Minderheit in Syrien unter Assad viele Rechte und die Freiheit der Religionsausübung. Diese Minderheit fürchtet den Tag, an dem Assad weg ist, weil sie wissen - nach ihm wird es nur schlimmer für sie.... Daher: Der Westen soll sich einfach mal hier raushalten - oder zumindest nicht einem weiteren islamistischen System in den Sattel verhelfen. (Zum Glück hat Syrien ja kein Öl, daher ist eine Einmischung sowieso wirtschaftlich unattraktiver, da die NATO-Einsatzkosten nicht wie in Libyen mit Öl bezahlt werden können).
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